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Letzte Aktualisierung: 17.06.2024

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Dinçer Güçyeter wird neuer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim

von Adolf Albus

(10.06.2024) In der Begründung der Jury für die Wahl des neuen, des 51. Stadtschreibers von Bergen-Enkheim heißt es:

„Dinçer Güçyeter ist ein Grenzgänger im besten Sinne: Zwischen zwei Sprachen, zwei Kulturen, zwei Literaturgattungen wandert er mühelos hin und her und beobachtet mal mit kindlichem Staunen, mal mit nachdenklicher Melancholie, dann wieder mit Galgenhumor oder mit theatralischem Zorn das Geschehen und die Menschen um sich herum. Er schreibt sich dabei frei. Und beleuchtet mit einer Laterne aus Worten diejenigen, die oft mitten in unserer Gesellschaft im Verborgenen bleiben. Er gibt den Ungesehenen, Marginalisierten eine Stimme. Dabei schleust er Prosa in die Poesie ein und entlockt der Prosa seine ganz eigene Poesie.

Güçyeters autofiktionales Romandebüt „Unser Deutschlandmärchen“ erzählt die Geschichte von Einwanderern, ihre Suche nach einer Heimat, ihre Versuche, jenseits von Identitätsvorgaben und Rollenklischees das eigene Ich zu finden. Vor allem der Perspektive der Frauen in der Familie – zwischen großen Träumen und harten Alltagsnöten, Aufbruchsstimmung und Ernüchterung, weder hier noch dort daheim – gilt sein Blick. Aus diesem Dazwischen sprechen Güçyeters Texte zu uns, und mit jedem Wort, das er an das vorherige reiht, tritt deutlicher zutage, was dem Grenzgänger ein Zuhause werden kann: die Literatur.“

Dinçer Güçyeter, geboren 1979 in Nettetal ist ein deutscher Lyriker und Verleger. Güçyeter wuchs als Sohn eines Kneipiers und einer Angestellten auf. Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker. Zwischenzeitlich war er als Gastronom tätig. Im Jahr 2012 gründete Güçyeter den Elif Verlag mit dem Programmschwerpunkt Lyrik. Seinen Verlag finanzierte Güçyeter bis 2023 als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit. 2017 erschien Aus Glut geschnitzt, und 2021 Mein Prinz, ich bin das Ghetto. 2022 wurde Güçyeter der Peter-Huchel-Preis verliehen.. Sein Roman Unser Deutschlandmärchen wurde 2023 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 2024 erhielt er den Else-Lasker-Schüler-Preis. Er ist Vater von zwei Kindern und lebt in Nettetal.

Das Amt des Stadtschreibers / der Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim wurde erstmals 1974 verliehen, die grundlegende Idee ist seither von zahlreichen anderen Städten in Deutschland aufgegriffen worden. Der Preis wird von einer Jury vergeben - Fachjuroren, darunter die amtierende Stadtschreiberin Nina Haratischwili, Juroren aus der Bergen-Enkheimer Bürgerschaft sowie der Ortsvorsteherin Bergen-Enkheims.

Namhafte Amtsinhaber waren nach Wolfgang Koeppen 1974 u.a. Peter Härtling, Jurek Becker, Peter Bichsel, Eva Demski, Katja Lange-Müller, Robert Gernhardt, Herta Müller, Wilhelm Genazino, Peter Kurzeck, Peter Weber, Katharina Hacker, Ulrich Peltzer, Thomas Lehr, Marcel Beyer, Thomas Melle, Anja Kampmann und Dorothee Elmiger, Marion Poschmann und Nino Haratischwili.

Als 51. Amtsinhaber tritt Dinçer Güçyeter die Nachfolge von Nino Haratischwili an und wird für ein Jahr im Stadtschreiberhaus in Bergen wohnen und arbeiten können. Zusätzlich zum Wohnrecht erhält er ein Preisgeld von 20.000 Euro.

Der Literaturpreis wird am 30. August feierlich verliehen. Nino Haratischwili wird ihre Abschiedsrede halten und den Schlüssel für das Stadtschreiberhaus symbolisch an Dinçer Güçyeter übergeben, der sich mit einer Antrittsrede dem Publikum vorstellen wird.

Veranstalter des Stadtschreiberfestes sind die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim mbH und der Ortsbeirat Bergen-Enkheim.

Weitere Informationen zum Stadtschreiberpreis finden Sie auf der Homepage der Stadt Frankfurt am Main unter dem Stichwort Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim oder direkt unter der Webadresse https://frankfurt.de/themen/kultur/literatur/stadtschreiber-von-bergen-enkheim.