„A Sky Full of Hope“ feierlich eröffnet
Am Dienstagabend, 11. August, feierte Frankfurt die Einweihung eines Kunst- und Gemeinschaftserlebnisses: Im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC) wird die Netzskulptur „A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt“ der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman über der Konstablerwache offiziell eröffnet.
Foto: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel
Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, und die Künstlerin Janet Echelman über das Kunstwerk selbst, über die Earthtime-Serie von Janet Echelman, die Installation der Skulptur in den letzten Wochen sowie über den Ablauf der Eröffnung. Nach intensiven Vorbereitungen und der erfolgreichen Installation in den vergangenen Wochen verwandelt sich der oftmals als funktional wahrgenommene Platz ab Dienstag, 11. August, in eine offene, atmosphärische Freiluft-Bühne.
Hightech-Fasern und die Geschichte von „Earthtime 1.78“
Das in über sieben Metern Höhe schwebende Kunstwerk besteht aus einer tragenden, beweglichen Netzstruktur aus hochfesten Polymerfasern, wie sie auch in der Raumfahrttechnik eingesetzt werden. Daran sind farbige, bis zu 4,5 Meter lange Netzsegmente befestigt, die in traditioneller Fischernetztechnik geknüpft wurden. Insgesamt wurden für das Werk rund 103 Kilometer Garn verarbeitet.
Die Frankfurter Arbeit ist Teil von Echelmans Earthtime-Serie. Die Zahl im Titel steht für die Mikrosekunden, um die sich der Tag auf der Erde durch die Beschleunigung der Erdrotation aufgrund eines einzelnen geologischen Ereignisses verkürzt hat. „Earthtime 1.78“ bezieht sich auf das schwere Tōhoku-Seebeben im März 2011 vor der Ostküste Japans, das den verheerenden Tsunami und die Havarie des Atomkraftwerks in Fukushima auslöste – ein lokales Ereignis von globaler Tragweite. Die physikalischen Messdaten der pazifischen Wellenbewegungen während dieses Bebens dienten Echelman als direkte Vorlage für die geschwungene Form der Skulptur.
Die Arbeit verändert sich fortwährend im Zusammenspiel mit Wind, Wetter und Licht. Im Sinne des WDC-Leitthemas „Design for Democracy“ verweist das Netz darauf, dass die Menschen Teil komplexer ökologischer und sozialer Systeme gegenseitiger Abhängigkeiten sind. Es steht sinnbildlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Erst die Verbindung der Knoten schafft Stabilität – ein Bild für die Menschen aus 178 Nationen, für die Frankfurt Heimat ist.
Konstablerwache: Vom Durchgangsraum zum Aufenthaltsort
Die Installation ist für eine Dauer von zunächst drei Jahren auf der Konstablerwache installiert, wird jedoch über die Wintermonate jeweils temporär abgehängt. Sie stellt einen langfristig angelegten Versuch dar, dem schmucklosen eher rauen Ort einen neuen atmosphärischen und sozialen Bezugspunkt zu geben. Damit geht die Intention einher, den Platz in einen lebendigen Raum der Begegnung und Teilhabe zu verwandeln.
Wie Echelmans Netzskulpturen in Metropolen wie London, Sydney oder Vancouver bereits gezeigt haben, inspirieren die Kunstwerke die Menschen dazu, sich den Ort anzueignen. Dort entstanden unter den Netzen etwa spontane Yogagruppen, Trommelkreise oder Tanzperformances. Derartige Bespielungen des Platzes sind auch in Frankfurt denkbar und erwünscht, es gibt bereits erste Gespräche und Überlegungen.
Stimmen vor der Eröffnung
„Heute verändert sich der Himmel über der Konstablerwache“, sagt Oberbürgermeister Mike Josef. „Mitten in unserer Stadt entsteht ein neuer Ort – ein Ort, der zu Frankfurt passt. Frankfurt ist eine Stadt, in der Verbindungen entstehen und Menschen unterschiedlicher Nationen, Kulturen, Lebensgeschichten zusammenleben. Das Kunstwerk von Janet Echelman in der Form eines Netzes mit tausenden von Verbindungen ist daher ein starkes Symbol für unsere Stadt. Jeder Strang, jeder Knoten ist Teil einer größeren Struktur. Keiner trägt das Ganze allein. Das Netz lässt sich daher auch als Bild demokratischen Zusammenlebens lesen.“
Hartwig ist gespannt auf die Wirkung des Kunstwerks: „Janet Echelmans Werk stellt das Erleben oder Neu-Erleben eines Ortes in den Mittelpunkt. Die Konstablerwache verwandelt sich und wird dadurch neu erfahrbar. Für Janet Echelman sind die interessantesten Orte gerade jene, die vorher anonym oder sogar unsichtbar waren. Echelmans Arbeiten gehören zu den aktuell angesehensten Positionen für Kunst im öffentlichen Raum. Wir erhalten hier also ein Werk von hohem künstlerischem Wert – und das mitten in der Innenstadt, Tag und Nacht geöffnet und kostenfrei – eben Kunst für alle. Noch können wir nicht definieren, welche Wirkung ihre Installation an der Konstablerwache genau entfalten wird. Aber schon jetzt ist zu sehen: Die Menschen bleiben stehen, schauen neugierig nach oben, machen Fotos. Ich bin sehr gespannt, ob und wie sich die Atmosphäre an diesem oft eher rauen Ort verändern wird.“
„Ich lade die Frankfurterinnen und Frankfurter dazu ein, sich den Raum zu eigen zu machen und ihn auf ihre ganz persönliche Weise zu nutzen“, sagt Janet Echelman über ihr Kunstwerk. „Ich überlasse die Gestaltung gerne der Natur – damit sie die Choreografie übernimmt – sowie den Menschen, die dem Werk begegnen und dessen Nutzung mitbestimmen. Auf diese Weise wird es zu ihrer Skulptur. Dieses Kunstwerk lässt sich so frei erleben wie die Luft, die wir atmen – ganz ohne Eintrittskarte, Fachwissen oder Einladung.“
Carolina Romahn, CEO der WDC 2026, ergänzt: „Kunst im öffentlichen Raum animiert uns, unsere Wünsche für urbane Plätze zu verhandeln – ihre Atmosphäre, Aufenthaltsqualität und Funktion. Mit dem Kunstwerk ‚A Sky Full of Hope‘ von Janet Echelman bekommt ein seit Jahren stiefmütterlich behandelter Platz im Zentrum Frankfurts emotionale Qualität und neue Aufmerksamkeit und entfacht bereits jetzt die zivilgesellschaftliche Debatte über die Neugestaltung der Konstablerwache: vom lieblosen Konsumort zu einem Platz, an dem Menschen in Beziehung treten und kulturelle Erfahrungen teilen. Echelmans poetische Netzskulptur versinnbildlicht unser gesellschaftliches Miteinander: Wir sind Teil komplexer Systeme gegenseitiger Abhängigkeiten – ökologisch, räumlich, sozial. Jeder Knoten zählt, jede Verbindung trägt zur Stabilität des Ganzen bei. Genau das spiegelt das WDC-Leitthema ‚Design for Democracy. Atmospheres for a better life‘: Vielfalt, Vielschichtigkeit und die Fähigkeit, im ständigen Spiel der Kräfte neue Gleichgewichte für eine erlebenswerte Zukunft zu finden. Ich bin gespannt, welche Energie entsteht und wie sich die Zivilgesellschaft diesen Ort im Herzen der Stadt zurückerobern wird.“ (ffm)
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