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Letzte Aktualisierung: 08.02.2023

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Die Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschilds

von Karl-Heinz Stier

(09.01.2023) Das Museum Angewandte Kunst widmet sich als erstes Museum in der Ausstellung Die Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschilds dem Privatsammler und Mäzen sowie seiner einstigen Kunstsammlung vom 28. Januar bis 4. Juni 2023.

Hippocamp als Trinkgefäß, silber vergoldet um 1590 – 1600
Foto: Los Angeles Museum of Art
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In ihrer Geschichte spiegelt sich der Lebensweg ihres im Nationalsozialismus als Jude verfolgten Sammlers wider. Im Fokus der Ausstellung stehen daher der NS-verfolgungsbedingte Verkauf der Sammlung an die Stadt Frankfurt am Main im Jahre 1938, die anschließende Übereignung ihrer kunsthandwerklichen Stücke an das Museum für Kunsthandwerk (heute Museum Angewandte Kunst), und die Rückgabe eines Großteils der Sammlung an die rechtmäßigen Erben nach dem Zweiten Weltkrieg.

Maximilian Benedikt Hayum Goldschmidt wurde 1843 in Frankfurt am Main in die Familie Goldschmidt-Kassel geboren und heiratete im Jahr 1878 Minna Caroline von Rothschild (1857-1903). Aus der Ehe entstammten fünf Kinder. Nach dem Tod seines Schwiegervaters, Wilhelm Carl Freiherr von Rothschild (1828–1901), dem letzten männlichen Rothschild in Frankfurt, wurde er im Todesjahr seiner Frau mit der Namensführung „von Goldschmidt-Rothschild“ in den einfachen preußischen Adelsstand erhoben. Als einzige Person jüdischer Herkunft erfuhr Maximilian von Goldschmidt-Rothschild unter Kaiser Wilhelm II. 1907 die Erhebung in den preußischen Freiherrnstand. In seiner Person vereinen sich beruflicher Erfolg, Bildung und philanthropisches Engagement. Als leidenschaftlicher Kunstsammler pflegte er europaweit Kontakte zu Museumsdirektoren und Kunsthändlern. Seine mehr als 1500 Objekte umfassende Privatsammlung galt Anfang des 20. Jahrhunderts als eine der bedeutendsten in Deutschland. Diese musste er 1938, wie auch seine Residenz unter nationalsozialistischer Verfolgung an die Stadt Frankfurt verkaufen. Das Palais und mithin der kunsthandwerkliche Teil der Sammlung wurden zum Museum für Kunsthandwerk II. erklärt. Die Gemälde der Sammlung erhielt das Städel Museum, die Skulpturensammlung übernahm das Liebighaus. Dieser Ankauf durch die Stadt Frankfurt war der wohl spektakulärste Fall städtischen Kunst- und Eigentumserwerbs während der NS-Zeit in Frankfurt. Auf das Ersuchen der Erben um Restitution der Sammlung seit 1945 versuchten die Stadt Frankfurt und die seit des NS weiterhin verantwortlichen Museumsdirektoren sich zunächst vehement einer Rückgabe zu erwehren. Anfang 1949 restituierten die Museen schließlich den Großteil der Kunstgegenstände im Zuge eines Vergleichs zwischen den Erben und der Stadt Frankfurt. Zahlreiche Objekte wurden 1950 auf zwei großen Auktionen in New York versteigert oder verteilten sich über den US-amerikanischen Kunsthandel weltweit auf Museen und Privatsammlungen. Bis in die Gegenwart verleiht die Herkunft aus der einstigen Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschilds den Objekten einen besonderen Provenienzwert.

Die für das Museum Angewandte Kunst in der Erarbeitung und Ausführung aufwendigste Ausstellung Die Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschilds – Eröffnung ist am Freitag, 27.1.23,  um 19 Uhr -  präsentiert die Sammlung und ihre Biographie im Spiegel der Geschichte des Museum Angewandte Kunst. Dabei stützt sie sich mit einer kritischen Betrachtung der eigenen Institutionsgeschichte auf die jüngsten Ergebnisse der Provenienzforschung am Museum. Diesbezüglich präsentiert und hinterfragt die Ausstellung Objekte der Sammlung, die sich noch heute im eigenen Bestand befinden. Zudem kommen erlesene internationale Leihgaben aus namhaften Museen und aus dem Privatbesitz hinzu: seltene mittelalterliche Reliquien, wertvolles frühneuzeitliches Kunsthandwerk (Gefäße, Silberpokale, Bestecke, Skulpturen, Majoliken, Email-Gläser, Porzellan, Miniaturen und Schnupftabakdosen), aber auch erlesene altmeisterliche Gemälde sowie Louis XV. Möbel. Die Kontextualisierung der Kunstobjekte und der Sammlungsgeschichte im Spannungsfeld von „Leerstelle“ und „Rekonstruktion“ bietet hierbei den ästhetischen Ausgangspunkt. Die Ausstellung ist für Frankfurt am Main von besonderer (kunst)historischer Relevanz und (kultur)historischer Brisanz und stellt gleichzeitig erstmals zeitgenössische globale Zusammenhänge zwischen den Exponaten und ihrer Provenienz her.

Die Ausstellung, für die eine Multimedia-App entwickelt wird, legt den Grundstein für einen in die Zukunft reichenden Erinnerungspfad. Hier können sich Besucher anhand von virtuellen und auditiven Elementen und Augmented Reality („erweiterte Realität“) die Geschichte von Maximilian von Goldschmidt-Rothschilds Sammlung teilweise selbst rekonstruieren sowie Zusatzinformationen in die museale Gegenwart projizieren.

Kuratoren: Dr. Katharina Weiler, Prof. Matthias Wagner K

Museum Angewandte Kunst,Schaumainkai 17, Frankfurt am Main www.museumangewandtekunst.de