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Die Pflege - So schlecht wie ihr Ruf?

Mit Menschen arbeiten – wer dieses Ziel verfolgt, macht häufig eine Ausbildung in der Pflege. Die Möglichkeit, beruflich in diesem Bereich Fuß zu fassen, ist zweifellos gegeben. Schließlich wird es immer Menschen geben, die Unterstützung benötigen und auf die Angestellten in der Pflege angewiesen sind. Dennoch gibt es viel zu wenig Personal in dieser Branche.
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Foto: Pixabay / Gerd Altmann

Woran liegt das? Am schlechten Ruf? Und wenn ja, ist dieser überhaupt gerechtfertigt? Das sehen wir uns nun genauer an.

Welches Image hat die Pflege?
Spätestens seit der Corona-Pandemie haben die Pflege-Branche und die oft herrschenden schlechten Arbeitsbedingungen besonders viel Aufmerksamkeit bekommen. Tatsächlich wird schon seit vielen Jahren immer wieder über die hohe Belastung, die geringe Bezahlung und andere Probleme berichtet. Die Pandemie hat dies nur angefeuert. „Pflegekräfte sind an der Belastungsgrenze“ oder „Krankenhäuser haben keine Kapazitäten mehr“ waren dabei Aussagen, die in regelmäßigen Abständen durch die Schlagzeilen gejagt wurden. Zurecht.

Im vergangenen Jahr zeigte eine repräsentative YouGov-Umfrage, dass in Deutschland die Hälfte aller Befragten die Pflege für schlecht halten. Befragt wurden immerhin 2.036 Menschen. Gleichzeitig wurde diese Umfrage auch in der Schweiz und in Österreich durchgeführt und ergab in beiden Fällen ein deutlich besseres Bild. Die Teilnehmer kritisierten insbesondere die schlechte Bezahlung des Personals und die zu geringe Wertschätzung. Die Mehrheit wäre sogar bereit, einen höheren Pflegebeitrag zu zahlen, damit die Bezahlung der Pflegekräfte angehoben werden könne.

Alle Teilnehmer der Umfrage waren der Meinung, dass es die Pflegekräfte sind, die am meisten zum Allgemeinwohl beitragen. Das hört sich doch schon einmal gut an.

Nichtsdestotrotz fehlt es der Pflege aufgrund der genannten Probleme an Auszubildenden. Das durch die Medien verbreitete schlechte Image schreckt ab und verschärft den Personalmangel nur. Diejenigen, die aller Umstände zum Trotz eine Ausbildung in der Pflege beginnen, ärgern sich über all diese Vorurteile.   

Wie ist die tatsächliche Situation in der Pflege?
Sicherlich gibt es Einrichtungen im Pflegebereich, in denen die Arbeitsbedingungen schlecht sind und dem Personal keine allzu große Wertschätzung entgegengebracht wird. Das lässt sich nicht anzweifeln und darüber wurde bereits mehrfach im Detail berichtet. Kritik ist in diesen Fällen durchaus angebracht und richtig.

Dem entgegen stehen aber wiederum Einrichtungen, in denen die Beschäftigten durchaus zufrieden sind und sich nicht beschweren können. Möglicherweise muss zwischen staatlichen/öffentlichen und privaten Einrichtungen unterschieden werden. Das Problem ist vielerorts aber auch nicht die Arbeit selbst, sondern der Versorgungsschlüssel, der gewisse Herausforderungen mit sich bringt. Ist eine Pflegekraft für viele Patienten gleichzeitig zuständig, bringt das eine hohe Belastung mit sich. Es ist stets abhängig von den jeweiligen Einrichtungen, wie sie mit dieser Situation umgehen und wie sie ihre Mitarbeiter dabei unterstützen.

Die Angestellten, die ihren Job lieben und gerne mit Menschen arbeiten, tun was sie können und werden dennoch nicht allen Patienten gerecht. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie grundlegend unzufrieden sind. Auch wenn sie oft an ihre Grenzen kommen, würden viele davon ihren Job nicht aufgeben wollen. Im Gegenteil, sie geben weiterhin ihr Bestes, um entsprechend ihrer Überzeugung und Leidenschaft Menschen zu helfen.

Selbstverständlich kann und sollte die oft schlechte Bezahlung in der Pflege diskutiert werden. Zahlreiche Reformen in der Vergangenheit brachten nicht den gewünschten Effekt einer effektiven Gehaltserhöhung. Der vielfach ausgesprochene Wunsch nach einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der ein höheres Gehalt sogar übertönte, wurde meist überhört.  

Stattdessen wurden zwischenzeitlich kleinere Boni ausgezahlt, die für viele Angestellte nur Trostpflaster sind und den Eindruck erwecken, man wolle sie ruhig stellen. Mit Wertschätzung hat das nichts zu tun.  

Der Zustand der Pflege ist zusammengefasst eine Medaille mit zwei Seiten. Es lässt sich festhalten, dass die Bezahlung in einigen Bereichen zu gering ausfällt und die Arbeitsbedingungen je nach Einrichtung schlecht sind. Ganz ohne Zweifel sollte von Seiten der Politik dagegen endlich etwas unternommen werden. Pauschal zu sagen, dass die Pflege schlecht sei, ist jedoch nicht der richtige Weg.

Es sollte in diesem Zuge bedacht werden, dass es auch diverse Unternehmen anderer Branchen gibt, in denen es immense Probleme gibt. Von einem schlechten Ruf wird in diesen Fällen nur nicht gesprochen, weil grundsätzlich nicht oder selten über sie berichtet wird.

Die generalistische Pflegeausbildung
Mit der generalistischen Pflegeausbildung sollten zumindest die Ausbildungszahlen angehoben werden. Seit 2020 wurden daher die Ausbildungsberufe Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger vereint und die Ausbildungsvergütung deutlich angehoben. Auf diese Weise sollten die Pflegekräfte umfassender ausgebildet und flexibler in allen Bereichen eingesetzt werden können.

Tatsächlich stiegen seither die Ausbildungszahlen wieder, womit sich die Umstellung und die damit einhergehende Ausbildungsoffensive gelohnt haben. Ein Erfolg, der von weiteren Maßnahmen begleitet werden sollte. Bislang ist es sicherlich neben der höheren Ausbildungsvergütung auch die effektive Werbung, durch die neue Azubis gewonnen werden konnten. Wer ohnehin mit Menschen arbeiten wollte, konnte nun von der Ausbildung überzeugt werden.

Und diese zukünftigen Pflegekräfte wünschen sich von der Gesellschaft ein Umdenken. Der Beruf solle nicht mehr von denjenigen schlecht geredet werden, die noch nie darin gearbeitet haben. Die Medien sollten außerdem aufhören, den schon jetzt schlechten Ruf mit weiteren negativen Berichten noch zu bekräftigen. Tatsächlich sind auch die zahlreichen Krankenhaus-Serien, in denen vor allem die Ärzte als Helden dargestellt werden, ein Problem. Ohne die Pflegekräfte könnten Ärzte kaum effektiv arbeiten.   

Fakt ist: Ein neues Ausbildungsmodell einzuführen, sollte nicht alles gewesen sein. Trotz allem leiden viele Beschäftigte in der Pflege unter schlechten Bedingungen und werden nicht ihrer Leistung entsprechend entlohnt. Die Politik müsste einige Anstrengungen unternehmen, um hier Verbesserungen zu schaffen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist hinsichtlich weiterer Reformen nichts bekannt. Das bedeutet, dass es noch ein langer Weg wird, bis die Pflege ihren schlechten Ruf ablegen kann – wenn das überhaupt je möglich sein wird.

Fazit
Dank der generalistischen Pflegeausbildung konnten neue Auszubildenden für die Pflege gewonnen werden. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist das neue Ausbildungsmodell somit ein möglicher Erfolg, sollten die Zahlen in den nächsten Jahren weiter steigen. Die Probleme, die in dieser Branche seit Jahren herrschen, können damit allerdings nicht beseitigt werden. Daher muss in der Zukunft noch viel unternommen werden, um die Pflege wieder attraktiver zu gestalten.

Das dieses Berufsbild auch wirklich attraktiv ist, steht zweifellos außer Frage. Millionen Beschäftigte, die ihre Arbeit aller Umstände zum Trotz lieben und jeden Tag alles geben, können dies bestätigen. Alles, was sie sich wünschen, ist mehr Anerkennung für ihre Mühen. Das hätten sie definitiv verdient.