Die Medizin von morgen
Internisten diskutieren neue Therapien und digitale Chancen
Neue Therapien, digitale Technologien, begrenzte Ressourcen und veränderte Versorgungsanforderungen stellen die Innere Medizin vor grundlegende Entscheidungen. Welche medizinischen Innovationen werden sich durchsetzen? Wo stößt die Versorgung an ihre Grenzen – und was muss sich ändern, damit die Medizin auch künftig wirksam und bezahlbar bleibt? Mit diesen Fragen setzt sich der 132. Internistenkongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. auseinander. Er findet vom 18. bis 21. April im RheinMain CongressCenter Wiesbaden sowie online statt.
Unter dem Motto „Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin – die Zukunft gestalten“ bringt der Kongress Akteure aus Klinik, Praxis und Forschung zusammen, um Entwicklungen zu diskutieren, die die medizinische Versorgung in den kommenden Jahren prägen werden. Kongresspräsidentin und DGIM-Vorsitzende Univ.-Professorin Dr. Dr. med. Dagmar Führer-Sakel setzt dabei auch einen Schwerpunkt auf europäische Perspektiven. Erwartet werden rund 9.000 Teilnehmer. „Wir erleben derzeit keinen schrittweisen Fortschritt, sondern einen echten Paradigmenwechsel“, sagt Prof. Dr. Dr. Führer-Sakel. „Die Innere Medizin muss sich stärker fragen, welche Innovationen unseren Patienten tatsächlich nutzen – und wie wir wissenschaftliche Erkenntnisse schneller, differenzierter und gerechter in die Versorgung bringen.“
Diese Leitfragen prägen auch das wissenschaftliche Programm des diesjährigen Internistenkongresses. Im Fokus stehen Themen, die sowohl den medizinischen Alltag als auch die Organisation der Versorgung verändern. Dazu zählen moderne Präventionskonzepte, neue medikamentöse Therapien, die digitale Transformation und der Einsatz Künstlicher Intelligenz im klinischen Alltag. Hinzu kommen neue Ansätze für ambulante Versorgungsmodelle, geschlechtersensible Medizin sowie interprofessionelle Zusammenarbeit. Auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, europäische Perspektiven der Versorgung und eine nachhaltige Wissenschaftskultur spielen eine zentrale Rolle. Um den interdisziplinären Austausch zu fördern, ermöglicht die DGIM Pflegewissenschaftlern erstmals, kostenfrei am Kongress teilzunehmen.
Adipositas im Fokus: DGIM-Plenarsitzung zu Forschung und Zukunft der Therapie
Zu den Höhepunkten des wissenschaftlichen Programms zählt die DGIM-Plenarsitzung am Sonntag, dem 19. April. Sie führt Fortschritte aus der Grundlagen- und klinischen Forschung zusammen und ordnet deren Bedeutung für die medizinische Versorgung ein. Die Sitzung greift zentrale Entwicklungen der Stoffwechselforschung auf, die für weit verbreitete Erkrankungen und künftige Therapieansätze von hoher Relevanz sind. Den Auftakt übernimmt Univ.-Prof. Dr. med. Michael Stumvoll, Sprecher des neuen DFG-Exzellenzclusters „Leipzig Center of Metabolism“ (LeiCeM), Klinikdirektor und Ordinarius für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Leipzig. Er wird anhand von LeiCeM aktuelle Forschungsergebnisse zur Pathophysiologie metabolischer Erkrankungen sowie deren klinische Bedeutung vorstellen.
Weitere Referenten sind Prof. Dr. Giles Yeo vom Wellcome MRC Institute of Metabolic Science in Cambridge (Großbritannien), der über die genetischen Grundlagen der Stoffwechselregulation im Gehirn sprechen wird, sowie Prof. Dr. rer. nat. Timo Müller, Direktor des Helmholtz Instituts für Diabetesforschung in München/Neuherberg, dessen Arbeitsgruppe die Entwicklung aktueller und neuer inkretinbasierter Therapien entscheidend mitprägt. Die Sitzung bietet damit einen exzellenten Einblick in eines der wichtigsten Forschungsthemen der Volkskrankheiten, stellt innovative Ansätze für Prävention und Therapie vor und gibt einen Ausblick auf forschungspolitisch relevante Entwicklungen.
Der Kongress findet erneut als Hybridkongress statt. Neben der Teilnahme vor Ort in Wiesbaden können zahlreiche Sitzungen online verfolgt werden. Digitale Angebote wie die DGIM-App und das DGIM-Kongress-TV begleiten den Kongress journalistisch und bieten Einblicke in Programmschwerpunkte und aktuelle Diskussionen.
Patiententag und Science Slam: Innere Medizin für alle
Im Rahmen des Internistenkongresses findet auch der öffentliche Patiententag statt, der in Kooperation mit der Stadt Wiesbaden organisiert wird. Den Festvortrag zur feierlichen Eröffnung im Rathaus am Freitag, 17. April, hält Prof. Dr. Eckhard Altenmüller, Neurowissenschaftler und Musiker und Begründer der Musikermedizin in Deutschland. In seinem Vortrag beleuchtet er die Bedeutung von Musik und Hormonen für Lernprozesse und zeigt daraus hervorgehende innovative therapeutische Ansätze auf. Am Samstag, 18. April, richtet sich die DGIM mit verständlichen Vorträgen und vielen Informationsständen im Rathaus gezielt an Patienten sowie interessierte Bürger. Im Mittelpunkt stehen aktuelle medizinische Entwicklungen, Prävention und Fragen der Versorgung. Der Eintritt ist frei und eine Anmeldung nicht erforderlich. Der Patiententag unterstreicht den Anspruch der DGIM, medizinisches Wissen verständlich zu vermitteln und den Dialog mit der Öffentlichkeit zu stärken.
Über den Patiententag hinaus setzt der DGIM-Kongress 2026 weitere neue Akzente. Den öffentlichen Auftakt bildet der DGIM Science Slam am Freitag, dem 17. April, um 19 Uhr im „Wohnzimmer“ in Wiesbaden. Dort wird Forschung aus der Inneren Medizin auf verständliche und kreative Weise präsentiert. Im Rahmen des wissenschaftlichen Programms werden zudem erstmals europäische Case Reports von Ärzten unter 40 Jahren präsentiert, die besondere klinische Fälle beleuchten. Die drei besten werden prämiert.