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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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Die Liebieghaus Skulpturensammlung trauert um Reiner Winkler

Sammler und Mäzen im Alter von 94 Jahren verstorben

von Ilse Romahn

(02.06.2020) Die Liebieghaus Skulpturensammlung bewahrt mit der weltweit größten Privatsammlung von Elfenbeinskulpturen sein Andenken.

Reiner Winkler und Philipp Demant in der Ausstellung "White Wedding. Die Elfenbein-Sammlung Reiner Winkler im Liebiebhaus. Für immer."
Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung Norbert Miguletz
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Die Liebieghaus Skulpturensammlung gedenkt dem Sammler und Mäzen Reiner Winkler, der am 19. Mai 2020 im Alter von 94 Jahren in seiner Heimatstadt Wiesbaden verstorben ist. Das Liebieghaus bewahrt Reiner Winklers hochbedeutende Privatsammlung von Elfenbeinskulpturen und macht sie mit der laufenden Präsentation „White Wedding. Die Elfenbein-Sammlung Reiner Winkler jetzt im Liebieghaus. Für immer.“ seinem Publikum zugänglich. Zuvor, im Jahr 2019, ist es der Ernst von Siemens Kunststiftung, dem Städelschen Museums-Verein und dem Städel Museum mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung gelungen, die Sammlung von über 200 kostbaren Elfenbeinskulpturen aus dem Besitz von Reiner Winkler für die Liebieghaus Skulpturensammlung zu erwerben. Mit dieser Erwerbung, die durch die großzügige Schenkung des überwiegenden Teils der Sammlung durch Reiner Winkler überhaupt erst möglich wurde, gelang der Liebieghaus Skulpturensammlung die bedeutendste Erweiterung der eigenen Bestände in der Geschichte des Museums.
 
Reinhold, genannt Reiner Winkler (1925–2020) war der Liebieghaus Skulpturensammlung seit vielen Jahren eng verbunden. In jahrzehntelanger Sammeltätigkeit schuf Reiner Winkler eine legendäre Privatsammlung von Elfenbeinskulpturen mit Schwerpunkt auf Objekten des Barock. Herausragend ist etwa die Arbeit Die Furie auf sprengendem Pferd (1610). Weitere Meisterwerke der Sammlung sind Sturz der abtrünnigen Engel (1. Drittel des 18. Jahrhunderts) aus Süditalien/Sizilien, Die drei Parzen (um 1670) von Joachim Henne (1629‒um 1707) und Francis van Bossuits (1635 –1692) Merkur, Argus und Io (um 1670/75?) sowie Werke von Johann Caspar Schenck (um 1620‒1674), Balthasar Grießmann (um 1620–1706) oder Matthias Steinl (1643/44–1727). Durch das einmalige Konvolut konnte die Liebieghaus Skulpturensammlung die eigenen, international bedeutenden Bestände auf höchstem Niveau erweitern. Die Erwerbung hat zudem die europäische Elfenbeinkunst als zentralen Sammlungsschwerpunkt der Abteilung Barock und Rokoko am Museum etabliert – ein Schwerpunkt, der seitdem intensiv wissenschaftlich erforscht und vermittelt wird.
 
„Die Liebieghaus Skulpturensammlung trauert um ihren großen Mäzen, den Sammler Reiner Winkler. Er hat mit bewundernswerter Hingabe in über fünf Jahrzehnten eine der weltweit größten und aufgrund ihrer kunsthistorischen Bedeutung einzigartigen Privatsammlungen von Elfenbeinskulpturen aufgebaut. Für das Liebieghaus war es ein großes Glück, dass wir dank wichtiger Förderer diese herausragende Sammlung in den Museumsbestand aufnehmen konnten. Reiner Winkler überließ uns seine Sammlung zu einem mäzenatischen Preis, was einer Schenkung des größten Teils gleichkam. Es war eine edle Geste, die diese bedeutendste Erweiterung des Sammlungsbestands in der Geschichte des Museums erst möglich gemacht hat. Reiner Winkler wünschte sich das Liebieghaus als jenen Ort, an dem, nahe seiner Heimatstadt Wiesbaden, seine Sammlung für immer einem Publikum zugänglich gemacht und wissenschaftlich erforscht und vermittelt wird. In diesem Sinne werden wir sein Andenken bewahren“, so Philipp Demandt, Direktor der Liebieghaus Skulpturensammlung und des Städel Museums.