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Letzte Aktualisierung: 26.01.2021

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Die Komödie ist 70 Jahre alt

Jutta Speidel und Paul Hubschmid waren Gäste

von Karl-Heinz Stier

(21.12.2020) Ans Feiern kann der Theaterdirektor Prof. Claus Helmer derzeit nicht denken. Aber Jubiläen lassen sich nun mal nicht verschieben. „Die Komödie“ ist gerade 70 Jahre alt geworden.

Ein Plakat vieler Gäste
Foto: „Die Komödie“)
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Sieben Jahrzehnte lang lässt sich das Publikum des Frankfurter Boulevardtheaters bereits amüsieren, zerstreuen und auch mal zum Nachdenken bringen. Berühmte Schauspielerinnen und Schauspieler standen schon auf der Bühne des Hauses, vom einstigen „Metropolis“-Star Gustav Fröhlich oder der Raumschiff-Orion-Darstellerin Eva Pflug bis zu Joachim Fuchsberger, Jutta Speidel und Hugo-Egon Balder.

Dass das Theater länger als einen Tag geschlossen ist, hat Helmer bisher nur einmal erlebt. Als das Haus der Komödie 1998 abgerissen wurde und diese nach 16 Monaten moderner, und auf 1.000 Quadratmeter vergrößert, ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen konnte. „Sonst gab es das noch nie, sonst waren die einzigen Tage ohne Vorstellung die Premierenvorbereitungen und der 24. Dezember“, stellt Claus Helmer fest. Nun sind nicht nur seit Monaten die Vorstellungen abgesagt, auch die Geburtstagsfeier für sein Theater ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Der Direktor kann mit seiner Frau Christine Glasner, mit der er unzählige Male selbst auf der Bühne gestanden hat, nur im Stillen auf die Komödie anstoßen und sich an bessere Zeiten erinnern.

Etwa an das Jahr 1972, als er, gerade mal 28 Jahre jung, das Privattheater übernahm. Zu dieser Zeit wurde in einem winzigen Etablissement in einem halb ausgebombten Haus über einer Buchhandlung gespielt. Auf 132 harten Stühlen sahen die Frankfurter Stücke wie Ernst Nebhuts „Die Vergessenen“, aber auch Curt Götz' Komödie „Ingeborg“.  Nach dreizehn Jahren wurde der dortige Mietvertrag nicht verlängert. Die Neue Mainzer Straße 18 war die neue Adresse, das Theater hieß  fortan „Die Komödie“. Unterhaltend sollte der Spielplan sein, ohne „Problematik und literarischen Avantgardismus“. Stars wie Gisela Uhlen, Lis Verhoeven und Erik Ode standen nun auf der Bühne, dazu auch Frankfurter Künstlerinnen und Künstler wie Anneliese Telluren oder Wolfgang Bieger.

Als neuer Theaterdirektor holte Claus Helmer weiterhin Berühmtheiten wie Walter Giller oder Hannelore Schroth nach Frankfurt. Paul Hubschmid, einer der Stars der Nachkriegszeit, den Helmer besonders schätzte, spielte gleich mehrmals in der Komödie. „Ich mag alle meine Schauspieler, aber er war ein Herr der alten Schule und menschlich ganz entzückend“, erinnert sich der Theaterchef.

Eine Anekdote aus seiner langjährigen Karriere als Theaterdirektor, Regisseur und Schauspieler kann Claus Helmer erzählen. Mitte der 1980er Jahre besuchte Harald Juhnke ihn eines Abends in der Komödie. „Auf der Bühne spielten wir ein Stück, in dem die Schauspieler Champagner tranken. Juhnke ging kurzerhand auf die Bühne und sagte: Ich trinke gerne einen mit.“ Das Publikum begrüßte den Schauspieler mit donnerndem Applaus. Ein Zuschauer aber beschwerte sich anschließend prompt bei Claus Helmer: „Wieso steht Herr Juhnke nicht auf dem Plakat, wenn er mitspielt?“

Für den Theaterchef sind die leeren Sitzreihen in der derzeit geschlossenen Komödie kein leichter Anblick. „Ich stehe seit meinem 12. Lebensjahr auf der Bühne, es juckt mich jeden Abend, ins Theater zu gehen und zu spielen.“ Dass es seit 48 Jahren zum ersten Mal keine Silvestervorstellung geben wird, bei der er mit seinem Publikum persönlich anstoßen kann, macht ihn ebenfalls traurig. Er hofft, dass die Komödie im kommenden Jahr möglichst bald wieder öffnen kann. Doch langfristig planen kann er nur schwer. Sein 65. Bühnenjubiläum im März 2021 wollte er eigentlich mit dem zweiten Teil des Theaterstücks „Monsieurs Claude und seine Töchter“ feiern. Mit mehr als 80 ausverkauften Vorstellungen war der erste Teil eine der erfolgreichen Komödien-Inszenierungen vor der Corona-Pandemie. Doch wegen der Hygienevorschriften, die es schon unmöglich machen, dass elf Personen auf der Bühne spielen, will er ein solches Vorhaben lieber erstmal nicht riskieren. Theaterleute seien aber generell optimistische Menschen, sagt Claus Helmer abschließend. Deshalb hofft er, dass die Komödie in ihrem 71. Lebensjahr wieder bessere Zeiten erlebt.