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Letzte Aktualisierung: 30.09.2020

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Diagnose: HWS-Schwindel / Wenn gereizte Nerven Schwindel auslösen

von Ilse Romahn

(02.01.2020) Immer häufiger kämpfen Menschen in Deutschland mit Schwindelproblemen. Doch genaue Diagnosen lassen sich oftmals nicht eindeutig stellen, denn die Ursachen sind vielfältig.

Dr. Bodo Schiffmann
Foto: Schwindelambulanz Sinsheim
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So führen Fehlhaltungen, Abnutzungserscheinungen im Alter oder Unfälle zum Beispiel zu einer Funktionsstörung der Halswirbelsäule und lösen den sogenannten zervikogenen Schwindel aus. Allerdings lässt sich dieser meist nur per Ausschlussverfahren ermitteln, konkrete Diagnoseverfahren gibt es nicht. „Schwindel, der sich durch Kopfbewegungen bemerkbar macht, weist immer auch auf eine Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr hin. Aus diesem Grund gestaltet sich eine eindeutige Befundung als schwierig“, weiß Dr. Bodo Schiffmann, Schwindelexperte, HNO-Arzt und Leiter der Schwindelambulanz Sinsheim.

Unterschiedliche Ursache, gleiches Symptom
Mithilfe von Rezeptoren, sogenannten „Fühlern“, nimmt das Gleichgewichtsorgan im Innenohr die Lage des Körpers im Raum wahr. Kommt es zu einer Störung im Kopf-Hals-Bereich, beispielsweise durch Blockierungen oder Verspannungen der Halswirbelsäule, führt dies zu einer fehlerhaften Wahrnehmung der Kopfhaltung, sodass Schwindelgefühle entstehen. Hauptauslöser dafür sind vor allem Fehlhaltungen im Alltag. Falsche beziehungsweise einseitige Positionen wie langes Sitzen am Arbeitsplatz verstärken das Risiko für Verspannungen. Der dauerhafte Blick nach unten auf das Smartphone wirkt sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit der Halswirbelsäule aus. Doch auch ein Gefäß-Nerven-Konflikt im Innenohr, die sogenannte Vestibularisparoxysmie, sendet Fehlinformationen über die Lage des Kopfes an das Gehirn weiter. Bei dieser Erkrankung klemmt sich eine Ader in dem Kanal ein, durch den auch das Gleichgewichtsorgan läuft. Durch den direkten Nervenkontakt kommt es an dieser Stelle zu einer Reizung. Das Gehirn glaubt, dass das alarmierende Signal vom Gleichgewichtsorgan ausgeht, und interpretiert es als Schwindel.

Schwierige Diagnose
Um einen zervikogenen Schwindel zu diagnostizieren, gilt es, zunächst alle anderen möglichen Erkrankungen abzugrenzen. Dies erfordert allerdings den geschulten Blick eines erfahrenen Spezialisten. Indem dieser mithilfe einer durch Kernspintomographie gemachten Feinschichtaufnahme feststellt, ob ein Gefäß-Nerven-Kontakt vorliegt oder nicht, lässt sich zum Beispiel eine Vestibularisparoxismie ausschließen. „Bestimmte Untersuchungsmethoden, die einen Ursprung an der Halswirbelsäule eindeutig aufdecken, gibt es nicht. Lediglich spezielle Diagnostikverfahren wie die sogenannte Posturographie, mit der sich die Funktionsfähigkeit aller Gleichgewichtsrezeptoren in Gehirn, Ohr und Halswirbelsäule überprüfen lässt, geben Hinweise auf einen HWS-Schwindel“, erklärt der Experte.

Alternative Therapien austesten
Weisen alle Anhaltspunkte auf einen zervikogenen Schwindel hin, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten an, um Beschwerden zu reduzieren. In erster Linie aber gilt es, weitere Fehlhaltungen im Alltag zu vermeiden oder durch gezielte Gegenbewegungen auszugleichen. Bevor Medikamente zum Einsatz kommen, empfiehlt es sich, zunächst alternative Behandlungen zu testen. Um weiche Dehnungen der Muskulatur und Gelenke zu erzielen, setzt die Manuelle Medizin beispielsweise sogenannte manualtherapeutische Manöver ein. Bestimmte Griffe verbessern die Beweglichkeit und leichter Zug und Druck lockern blockierte Gelenke. Lösen sich Blockierungen, verschwinden in der Regel auch Schwindelbeschwerden. Liegt ein Gefäß-Nerven-Konflikt vor, verbessert sich die Situation bereits, wenn der Patient entsprechende Medikamente einnimmt, die eine Nerven beruhigende Wirkung aufweisen. Zusätzlich hilft es einigen, die Schlafposition zu verändern, um die eingeklemmte Ader in der Nacht gezielt zu entlasten.

Weitere Informationen unter www.schwindelambulanz-sinsheim.de