Deutschlands einziger „Freiluft-Fischspa“ ist ein Kurteich
Pediküre unter freiem Himmel: In Bad Saulgau knabbern Fische das ganze Jahr über kostenlos an Füßen
Im Teich knabbern Putzerfische fleißig an jeden Fuß, der in den Teich gesteckt wird. Umsonst, das ganze Jahr über und ganz hygienisch, denn das Wasser fließt hier nur durch. Die kleinen Schwarmfische hüten sich allerdings, mit dem Lauf des Wassers zu schwimmen. Das wird dann nämlich zunehmend kälter. Zu kalt für sie.
Wie Saugbarben und Co. überhaupt in einen deutschen Kurteich kommen? Das wüssten die Verantwortlichen auch gern. Eigentlich war der Teich ja nur gedacht als idyllische Zwischenstation des gebrauchten und gereinigten Heilwassers auf dem Rückweg von der Therme in den Naturkreislauf. Es sollte eine kostengünstige und ökologische Lösung sein.
Der Anfang liegt im "Nebel"
Doch plötzlich befanden sich die Fische vor vier Jahren zwischen Seerosen und Algen. Man vermutet, ein Bürger ist seines Aquariums überdrüssig geworden und hat dessen Inhalt einfach in den Kurteich „entsorgt“. Den kleinen Schwarmfischen hat der Umzug offenbar nicht geschadet; sie vermehrten sich gut. Das zeigte, dass sie in dem warmen Wasser gute Lebensbedingungen gefunden haben. Und so wurde der Bad Saulgauer Kurteich zu Deutschlands erstem und einzigen „Freiluft-Fischspa“.
Manchmal ist kein Stein mehr frei am Rand des Teiches zwischen Therme und Wald. So beliebt ist der kostenlose Fischspa in dem Heilbad an der Oberschwäbischen Barockstraße. Die Fische stupsen die Füße mehrfach schnell hintereinander mit der Nase an. Das lockert die abgestorbenen Hautschüppchen, die sie dann schnell einsaugen. Zähne haben die Fische aus der Familie der Karpfen nicht.
Kitzeln statt Hornhaut schrubben
Dennoch ist der Fischspa nicht für jeden. Besonders kitzlige Zeitgenossen meiden die beflissene Fisch-Pediküre. Denn wenn die putzigen Fische die Hautschüppchen lösen, feuern die Nervenzellen empfindlicher Zeitgenossen schon mal unangenehm. Für alle anderen kitzelt das Putzen eher sanft. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: tadellos gepflegt Füße ohne schrundig wirkende Hornhaut und gut durchblutet.
Und im Wald quaken im Winter die Frösche
Der Teich erfüllt derweil weiterhin seine Funktion als erste Abkühlstation des 40 Grad heißen Thermalwassers. Das wärmeentziehende Abfließen in den nahen Wald hat sogar noch eine weitere Kuriosität ausgelöst. Jetzt bevölkern auch Frösche das vergleichsweise immer noch warme Bächlein das ganze Jahr über. Die Temperatur verhindert, dass sie im Winter in die Kältestarre fallen. Auch die Amphibien finden jederzeit genügend Nahrung. Allerdings nicht vom Menschen. Ihnen genügen jene Insekten, die selbst im Winter noch fliegen.
Informationen:
Bad Saulgau liegt in Oberschwaben, zwischen Donau und Bodensee, an der Oberschwäbischen Barockstraße und der Schwäbischen Bäderstraße. Das Heilbad mit 17.460 Einwohnern ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge an den Bodensee, die Schwäbische Alb, ins Allgäu, in die Schweiz und nach Österreich.
In der Therme sprudeln täglich bis zu 1,5 Millionen Liter schwefelhaltiges Thermalwasser aus 650 Metern Tiefe in die sieben Becken. Vom Kurpark aus kann man auf den idyllischen Pfaden des „Themenwegs Wasser“ dem erkaltenden Wasser in den Wald folgen. Vorbei an einer Singvogel-Jukebox, einer Biberburg, Tier-Beobachtungsstationen und einem Matschplatz für Kinder.
Tourist-Information Bad Saulgau, Lindenstrasse 7, 88348 Bad Saulgau, Tel.: 07581 20090
Email: willkommen@bad-saulgau.de
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