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Letzte Aktualisierung: 02.12.2022

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Deutscher Kindertheaterpreis 2022 und Deutscher Jugendtheaterpreis 2022

Nominierte und Preisträger wurden im Frankfurter Römer geehrt

von Ilse Romahn

(11.11.2022) Im Kaisersaal des Frankfurter Römer wurden am 10. November in Anwesenheit der Frankfurter Stadträtin Ina Hauck die beiden wichtigsten deutschen Staatspreise für dramatische Literatur für Kinder und Jugendliche verliehen, die mit jeweils 10.000 Euro dotiert sind.

Die beiden Staatspreise für dramatische Kinder- und Jugendliteratur werden alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vergeben. Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland (KJTZ) ist mit der Durchführung des Auswahlverfahrens und der Preisverleihung beauftragt.

Den Deutschen Kindertheaterpreis 2022 erhält Gwendoline Soublin (Frankreich) für ihr Stück Und alles (Felix Bloch Erben Verlag für Bühne Film und Funk, Berlin), in der Übersetzung von Corinna Popp.

Der Deutsche Jugendtheaterpreis 2022 geht an Carina Sophie Eberle für ihr Stück else (someone) (Verlag der Autoren, Frankfurt am Main).

In der Laudatio für Gwendoline Soublin lobt Luna Ali stellvertretend für die Jury das spannende Stück über die Potenziale des kindlichen Gerechtigkeitsempfindens. Mit einem mutigen Plot-Twist führt die Autorin vor Augen, das einzig politisches Handeln hilft, um nicht an der Welt zu verzweifeln. Das Stück für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit starken Kinderfiguren und einem abwesenden Helden reißt gekonnt mit und lässt das Publikum nicht hoffnungslos zurück.

In der Jury-Laudatio für Carina Sophie Eberle würdigt Thomas Stumpp die zeitgemäße Form, die Carina Sophie Eberle in einer durchgearbeiteten und rhythmisch kompo­nierten Sprache gefunden hat. So wird die auf Arthur Schnitzlers Novelle Fräulein Else basierende Geschichte zu einem Drama verdichtet, das die Ursache heutiger Traumata, die sich aus sexueller Belästigung ergeben, eindrucksvoll auf die Bühne bringt. Der Autorin gelinge es mit ihrem Stück, sprachlich ein eigenständiges Kunstwerk zu schaffen, das der einhundert Jahre alten me-too-Geschichte von Schnitzler einen völlig neuen Fokus gebe.

Die Jury hat zudem drei Sonderpreise für Studierende des Szenischen Schreibens verliehen. Die Preise erhalten Anaïs Clerc (Universität der Künste Berlin / Schweizerisches Literaturinstitut) für ihr Stück Lügenhaut, Armela Madreiter (Lehrgang FORUM Text der UniT Graz) für ihr Stück südpol.windstill und Selma Matter (Universität der Künste Berlin ) für ihr Stück Grelle Tage.

Dagmar Domrös stellt in ihrer Laudatio im Namen der Jury fest, dass die Themen der ausgezeichneten Stücke – mentale Gesundheit, Klimawandel, Transidentität – vielfältig und zwingend seien und die Nachwuchsautoren für ihre Stoffe sehr unterschiedliche und überzeugende Formen, Erzählweisen und Tonalitäten fänden. Alle drei Texte seien herausragende Beispiele dafür, wie zeitgenössisches Schreiben für junges Theater und junges Publikum aussehen könne.

Der Jury für den Deutschen Kindertheaterpreis 2022 und den Deutschen Jugendtheaterpreis 2022 gehörten an: Luna Ali (freie Autorin und Kuratorin, Berlin), David B. Brückel (Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus), Dagmar Domrös, (Künstlerische Leiterin des Theater o.N., Berlin), Thomas Stumpp (Mitarbeiter im Bereich Theater und Tanz des Goethe-Instituts, München) und Prof. Dr. Gerd Taube (Leiter des KJTZ, Frankfurt am Main).

www.jungespublikum.de

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland (KJTZ) ist ein bundesweit wirkendes Fachzentrum, das sich für die Entwicklung und Förderung der Darstellenden Künste für junges Publikum einsetzt. Gemeinsam mit seinem Rechtsträger ASSITEJ e.V. und dessen Projekten Wege ins Theater, NEUSTART KULTUR – Junges Publikum sowie PERSPEKTIV:WECHSEL arbeitet das KJTZ unter dem Label „darstellende künste & junges publikum“.

Das KJTZ kuratiert eigene Projekte und Veranstaltungen, in denen es aktuelle Themen aus der Praxis der Darstellenden Künste für junges Publikum aufgreift und dafür Räume und Methoden für den Fachdiskurs anbietet. Es schafft Begegnungsmöglichkeiten für Menschen, die in den Darstellenden Künsten für junges Publikum arbeiten oder sich dafür interessieren. Das KJTZ initiiert Förderungen und Stipendienmodelle und führt Preisverfahren durch, die die künstlerische Praxis der darstellenden Künste fördern und anerkennen. Das KJTZ stärkt Wahrnehmung und Sichtbarkeit der Darstellenden Künste für junges Publikum und ist dabei wiedererkennbar.

Das KJTZ wurde 1989 auf Initiative der ASSITEJ e.V. Deutschland durch das Bundesjugendministerium eingerichtet. Es wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus Mitteln des Kinder- und Jugendplanes des Bundes, vom Land Hessen und von der Stadt Frankfurt am Main finanziert. Projekte des Zentrums werden durch weitere Förderer unterstützt. Rechtsträger des KJTZ ist die ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland e.V. Die Fachaufsicht obliegt einem Kuratorium.