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Deutsche Konjunktur: Stimmung trübt sich – wirtschaftspolitische Klarheit gefordert

Die Unternehmensstimmung in Deutschland hat im September einen deutlichen Rückschlag erlitten. Die zuvor positive Entwicklung beruhte vor allem auf der Hoffnung auf staatliche Impulse. Diese Erwartungen haben sich bislang nicht erfüllt. Stattdessen sorgen haushaltspolitische Maßnahmen der Bundesregierung für Verunsicherung.

Die Verschiebung von Ausgaben in das Sondervermögen gefährdet notwendige Investitionen und untergräbt das Vertrauen in die wirtschaftspolitische Verlässlichkeit. Es braucht jetzt klare und zukunftsgerichtete Entscheidungen.

Unternehmensstimmung verschlechtert sich

Nach einer Phase der Aufhellung seit Jahresbeginn hat sich das ifo-Geschäftsklima im September erstmals wieder verschlechtert – sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen wurden negativer bewertet. Besonders deutlich fiel die Korrektur bei den Geschäftsperspektiven aus.

Trotz positiver Stimmung blieb die wirtschaftliche Dynamik bislang schwach. Die erhofften Impulse durch die Wirtschaftspolitik blieben aus. Die Geduld vieler Unternehmen scheint erschöpft, die Zuversicht schwindet.

Investitionsschwäche setzt sich fort

Die Exportwirtschaft leidet unter strukturellen Standortnachteilen und internationalen Handelshemmnissen. Noch gravierender ist jedoch die anhaltende Investitionszurückhaltung im Inland. Im ersten Halbjahr 2025 lagen die Bruttoanlageinvestitionen 1,7 % unter dem Vorjahresniveau – ein Rückgang, der die Investitionskrise weiter verschärft. Besonders betroffen sind die Ausrüstungsinvestitionen mit einem Minus von über 4 %. Auch die Bauinvestitionen dürften 2025 real um 1,7 % sinken, vor allem im Wohnungsbau. Einziger Lichtblick sind Investitionen in Forschung, Software und Datenbanken, die voraussichtlich um 3 % zulegen.

Die angekündigten staatlichen Investitionsprogramme zeigen bislang keine Wirkung. Erst ab 2026 könnten erste Impulse spürbar werden.

Aufschwung bleibt fragil

Nach zwei Rezessionsjahren bleibt der wirtschaftliche Ausblick unsicher. Die Prognosen für 2026 liegen bei leicht über 1 % Wachstum – getragen vor allem von erwarteten staatlichen Investitionen aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK).

Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik unter Druck

Der Bundeshaushalt 2025 sieht eine zunehmende Nutzung des SVIK zur Deckung allgemeiner Haushaltslücken vor – entgegen dem Grundsatz der Zusätzlichkeit. Beispiele für die Umwidmung von Mitteln:

  • Deutsche Bahn: 18,8 Mrd. € aus dem SVIK, bei gleichzeitiger Kürzung von 13,7 Mrd. € im regulären Haushalt
  • Autobahnbrücken: 2,5 Mrd. € SVIK-Mittel, 1,7 Mrd. € gekürzt
  • Breitbandausbau: 2,3 Mrd. € SVIK, 1,8 Mrd. € gestrichen
  • Krankenhäuser: 6 Mrd. € SVIK ersetzen ursprünglich paritätisch finanzierte Mittel

Diese Praxis gefährdet zusätzliche Investitionen und belastet die fiskalische Glaubwürdigkeit. Unternehmen reagieren zunehmend zurückhaltend – nicht zuletzt wegen fehlender Planungssicherheit und politischer Unklarheit. Die Diskussion um das Verbrennerverbot ab 2035 ist ein Beispiel für politische Volatilität zur Unzeit. Auch im Bauwesen wirken regulatorische Vorgaben kostentreibend, während angekündigte Entlastungen bislang ausbleiben.

Ausblick: Reformen nicht aufschieben

Die strukturellen Herausforderungen sind bekannt. Um die wirtschaftliche Erholung zu stabilisieren, braucht es noch im Herbst 2025 konkrete Fortschritte. Der Rückgang der Unternehmensstimmung im September ist ein Warnsignal. Die Bundesregierung steht unter Zugzwang, ihren Vertrauensvorschuss nicht zu verspielen.

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