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Letzte Aktualisierung: 26.02.2020

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Der Riesling und seine guten Seiten

Weingut Prinz von Hessen setzt auf die Rebsorte

von Karl-Heinz Stier

(11.02.2020) Die starken und längeren Hitzetage in den letzten Sommerjahren brachten den Winzern Freude und Leid. Freude, weil die Qualität des Rebensaftes stieg und zu höheren Prädikaten verhalf. Leid, weil die Quantität oft nachließ und die Rebstöcke in ihrem Ertrag weniger Saft erbrachten als in früheren Zeiten.

Bildergalerie
Das Team des Weingutes(v.l.n.r.): Kellermeister Sascha Huber, Direktorin Bärbel Weinert und Außendienstmitarbeiter Martin Walther
Foto: Joppen/Weingut
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In diesen Fässern schlummern die besten Rieslinge des Weingutes
Foto: Holz/Weingut
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Weinlese vor dem Schloss der Hoheiten
Foto: Weinert / Weingut
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Betroffen ist teilweise auch der Anbau der Riesling-Trauben, die insbesondere im Rheingau und deren Steillagen dominieren. Einer der Betriebe, die sich hauptsächlich auf den Riesling spezialisiert haben, ist auch das Weingut Prinz von Hessen in Geisenheim. Es hat zwar 1957 seine Weinbaufläche vergrößert nach dem Motto: „Wenn bei uns so viel Wein getrunken wird, warum sollen wir ihn dann woanders kaufen“. Aber das Gut hat dann später wieder Flächen abgegeben, die nicht mehr zu seiner Produktion passten. Dabei wurde der Sortenspiegel der übrigen Flächen bereinigt, wie etwa Müller-Thurgau und Scheurebe, die anderen einzelnen Parzellen gezielt und individuell bearbeitet, in eine neue Technik investiert, um die alte Tradition zu erhalten. Es gibt allerdings noch einen Weißburgunder-Weinberg und zwei Rotweinsorten mit kleineren Parzellen. Die Erzeugnisse des Weingutes Prinz von Hessen reifen vorwiegend in den Lagen Johannisberger Klaus, Winkeler Hasensprung, Winkeler Jesuitengarten und Kiedricher Sandgrub.

Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 60 bis 80 Hektoliter je Hektar, bei den Spitzenweinen 30 bis 50 Hektoliter je Hektar. Die selektiv gelesenen Trauben werden schonend gepresst. Daraus folgt eine schonend gekühlte Sedimentation und gekühlte Vergärung. Die Rotweine lagern für zehn bis zwölf Monate in Barriquefässern, wohingegen die Weißweine bisher zu 100 % in Edelstahltanks – zum Teil einige Monate auf der Feinhefe lagern. Aber auch in diesen Bereichen folgten Veränderungen. Seit Herbst 2008 schlummern einige der besten trockenen Rieslinge in den für den Rheingau traditionellen Holzfässern. „Ich würde meine Vorliebe für Riesling fast schon als frühkindliche Prägung bezeichnen“, so Direktorin Bärbel Weinert. Die Premium- und edelsüßen Weine werden bisher mit Naturkork verschlossen, die Gutsweine und seit 2008 auch die Lagenweine im Kabinettbereich tragen Schraubverschlüsse.

Das in VDP und DLG organisierte Weingut klassifiziert 70 Prozent der Gutfläche als Erstes Gewächs. 90 Prozent der Weinberge sind mit Riesling bestückt. Die neue Geschäftsführerin des Weingutes Prinz von Hessen, Bärbel Weinert, bestimmt zusammen mit Kellermeister Sascha Huber und Außenbetriebsleiter Martin Walther seit ihrem Amtsantritt 2018 die Richtung des Unternehmens („Wir verstehen uns als Team und im weiteren Sinne sogar als Familie“).

Frau Weinert erhielt ihre Ausbildung als Winzerin in der Forschungsanstalt Geisenheim. Sie stammt aus einem kleineren Weingut (Mittelrhein). Was ihr Sorgen macht, sind die starken Hitzeperioden der letzten Jahre. Zwar haben ihre Mitarbeiter vor allem in den neuen Lagen 2019 eigene Wassersammel- Einrichtungen geschaffen, dennoch spricht sie sich dafür aus, die Riesling-Anbaugrenzen nach oben in höhere Höhen zu verlängern, um auf den Klimawandel besser reagieren zu können. Sie kritisiert außerdem die allzu starke Verwendung von Stickstoff, die eine Verkrustung des Bodens heraufbeschwöre. Ihr Gut selbst baut nach Bio an, ist aber nicht bio-klassifiziert.

Der Prinz von Hessen beschäftigt 16 Vollarbeitskräfte. Die Auswahl des Weingutes bietet eine breite Auswahl an typischen Weinen und Sekten der Region Rheingau. Das Angebot reicht vom Einsteigerwein in der Literflasche über die Gutsweine und Gutssekte, Lagenweine und Lagensekte, die edelsüßen Premiumweine und die von einer strengen unabhängigen Kommission des Rheingauer Weibauverbandes geprüften „Ersten Gewächse“. Im Jahr werden 200 000 bis 250 000 Flaschen abgefüllt. Davon gehen 20 Prozent in die USA, was sich allerdings durch die von US-Präsident Trump verordneten Strafzölle in Höhe von 25 Prozent nunmehr verringere. Weitere Exportmärkte sind Finnland, Österreich, Japan und England. Die Preise liegen ab Hof zwischen 8.90 und 25 Euro. Die meisten Flaschen werden über den Fachhandel vertrieben.