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Der König der Tiere auf Gemälden und Skizzen

Wilhelm Kunerts Bilder von Afrika in der Schirn

Wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit prägte Wilhelm Kuhnert (1865 – 1926) die westliche Vorstellung von Afrika und der afrikanischen Natur. Als einer der ersten europäischen Künstler bereiste er um 1900 die noch weitgehend unerforschte Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi, Ruanda und Teile Mosambiks). Mit zahlreichen Skizzen in Bleistift und Öl hielt er den Reichtum der Tierwelt ebenso fest wie die Landschaften. Kuhnert war jedoch nicht nur Maler, sondern auch Grafiker und Buchautor. Die Ausstellung „König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und sein Bild von Afrika“ wird heute eröffnet und dauert bis zum 27. Januar 2019.
Das Großplakat der Ausstellung
Das Großplakat der Ausstellung
Foto: Karl-Heinz Stier
In die Ausstellung führten ein: Kuratorin Dr.IIka Voermann, Schirn-Direktor Dr. Philipp Demandt und  Dr. Helmut  Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main als Mitfinancier der Ausstellung
In die Ausstellung führten ein: Kuratorin Dr.IIka Voermann, Schirn-Direktor Dr. Philipp Demandt und Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main als Mitfinancier der Ausstellung
Foto: Karl-Heinz Stier
Elefantenherde – eines auch seiner vielen Elefantenbilder
Elefantenherde – eines auch seiner vielen Elefantenbilder
Foto: Karl-Heinz Stier
Kuhnert nach einer Jagdszene mit dem erlegten Tier (Selbstportrait)
Kuhnert nach einer Jagdszene mit dem erlegten Tier (Selbstportrait)
Foto: Karl-Heinz Stier
Löwen in der Landschaft – Kuhnerts Lieblingsgemälde
Löwen in der Landschaft – Kuhnerts Lieblingsgemälde
Foto: Karl-Heinz Stier

Seine Arbeit fand große Verbreitung in zahlreichen Büchern wie Brehms Tierleben, auf Schulwandbildern sowie Schokoladenverpackungen der Firma Stollwerck. Zu Lebzeiten gehörte er zu den bekanntesten Natur- und Landschaftsmalern Europas und stellte mit großem Erfolg nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA und Großbritannien aus. „Es gibt keinen akademischen Künstler im 19. Jahrhundert, der eine so talentierte Hand zum Malen gehabt hat“, betonte der Direktor der Schirn und Kurator der Ausstellung Dr. Philipp Demandt zu ersten Ausstellung nach einer fünfmonatigen Teilschließung der Kunsthalle.

Insgesamt viermal bereiste Kuhnert den afrikanischen Kontinent. Seine Expeditionen dauerten oft mehrere Monate, konnten sich aber auch mehr als ein Jahr hinziehen. Er reiste zu Fuß, begleitet von einer Karawane, die aus 70 einheimischen Trägern, Spurenlesern und bewaffneten Männern zum Schutz seiner Truppe bestand.

Das Studium der Landschaft vor Ort ermöglichte ihm  einen realitätsnahen Gesamteindruck  der natürlichen Umgebung des Tieres, um so die Glaubwürdigkeit seiner Malerei zu unterstreichen.  Er beobachtete Tiere aus der Ferne, oft versteckt zwischen hochgewachsenen Bäumen oder im Dickicht. Auch ihre Verhaltensweisen studierte und notierte der Maler eingehend. Beeindruckend sind in diesem Zusammenhang seine Skizzen, Zeichnungen und Illustrationen.

Der Löwe übte eine besondere Faszination auf Wilhelm Kuhnert aus, er war sein liebstes Motiv. Viele sprachen über ihn als dem „Löwen-Kunert“. „ Während Kuhnert den Löwen in seinen großformatigen Gemälden oft idealisiert und romantisiert wiedergibt, fangen seine Zeichnungen vor allem das charakteristische Verhalten und Aussehen der Tiere ein“, analysierte Kuratorin Dr. IIka Voermann. Oft sei er bei seinen Gemälden nicht frei von Interpretationen. Seine Löwenbilder werden oft als vermenschlichte Wiedergaben dargestellt. So zum Beispiel gehören zu seinen beliebtesten Bildern Löwen als Paar – nicht als Rudel.

Kuhnerts Malerei und die Geschichte des deutschen Kolonialismus sind eng miteinander verbunden. Dabei wurde er Zeuge und auch selbst Akteur kolonialer Gewalt. So schloss er sich auf seiner ersten Expedition einem Vergeltungszug gegen die afrikanische Zivilbevölkerung an. Während seiner zweiten Expedition brach 1905 im Süden der Kolonie der Maji-Maji-Krieg aus, eine der blutigsten Auseinandersetzungen der deutschen Kolonialgeschichte, bei der 200 000 Einheimische getötet wurden. Er beteiligte sich auch in der Militärstation Mahenge an der gleichnamigen Schlacht. Diese gewaltsamen Auseinandersetzungen  fanden jedoch selten in seiner Kunst Eingang.  Nur ein aufgehängter Schwarzer zeugt in einer Skizze von den Gräueltaten. Überhaupt spielen Menschen in seinen Arbeiten nur eine untergeordnete Rolle und dienen primär als Staffagefiguren.

Zu seinem  Expeditionsalltag  gehörte auch die Jagd.  Er konnte sich so dem erlegten Tier gefahrlos nähern und  seine Studien anfertigen. Nach seinen Tagebüchern zu urteilen, hat er  e i n e n  Löwen erlegt. Davon zeugt auch ein Gemälde als Selbstportrait. „Als Künstler fühlte sich er anderen Jägern gegenüber im Recht, da er meinte seine Jagdtätigkeit diene einem höheren Zweck“,  sagte die Kuratorin.

Neben der Ausstellung gibt  es noch ein umfangreiches Rahmen- und Vermittlungsprogramm  mit Vorträgen, Filmvorführungen, Expertenführungen und vieles mehr. Auch ein Katalog mit 264 Seiten gibt es -  zum Verkauf für 35 Euro in der Schirn. Geöffnet ist die Gemäldeschau  Di, FR-So von 10 bis 19 Uhr, Mi und DO von 10 bis 22 Uhr. Weitere Infos unter www.schirn.de