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Letzte Aktualisierung: 14.07.2024

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Der größte Schwachsinn der Energiewende

Der Chemiker und Bestsellerautor Prof. Vahrenholt bescheinigt der Bundesregierung "selbstmörderischen Kurs"

von Norbert Dörholt

(15.09.2023) Ende August erschien im renommierten klimawissenschaftlichen Journal Climate eine Veröffentlichung von 37 Wissenschaftlern aus 17 Ländern zu aktuellen Klimafragen. Einer dieser 37 Wissenschaftler ist der Chemiker Prof. Dr. Fritz Vahrenholt. In seinem neuen Newsletter erklärt er näher wichtige Zusammenhänge – und bescheinigt der Bundesregierung einen „selbstmörderischen Kurs“.

Hat reichlich Grund, sich über die Enegiepolitik der Bundesregierung zu wundern: Prof. Dr. Fritz Vahrenholt.
Foto: Privat
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Da diese Themen uns alle betreffen, bringen wir nachstehend seine Ausführungen dazu etwas ausführlicher, zumal Prof. Vahrenholt kein Unbekannter ist. Der promovierte Chemiker war von 1991 bis 1997 Hamburger Umweltsenator. Anschließend ging er als Vorstand für Erneuerbare Energien zur Deutschen Shell AG. 2001 wurde er Vorstandsvorsitzender des Windenergie-Anlagenbauer REpower Systems. Danach leitet er die neu gegründete Konzern-Gesellschaft für Erneuerbare Energien der RWE AG, die Innogy GmbH bis 2012.

Seit 1999 ist Vahrenholt Honorarprofessor im Fachbereich Chemie der Universität Hamburg. Er ist des weiteren Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech. Sein Bestseller „Seveso ist überall“ (1978) war eine der wirkmächtigsten Buchveröffentlichungen in den Anfangsjahren der Umweltbewegung. 2020 erschien sein Bestseller „Unerwünschte Wahrheiten“ (zusammen mit Sebastian Lüning). Im Februar 2022 erschien sein Buch „Die große Energiekrise- und wie wir sie bewältigen können“.

Was also sagt Prof. Vahrenholt zum Thema Energieversorgung. Hier seine Analysen und Erkenntnisse, harmonierend mit denen seiner Wissenschaftskollegen:

Wichtige G20 Staaten lehnen CO2-Minderung ab 

„Die USA und einige europäische Staaten haben beim G20-Gipfel in Indien vom 9. bis 10. September 2023 versucht, andere Staaten wie China , Indien, Russland, Saudi Arabien und Brasilien dazu zu bewegen, einer CO2-Reduktion von 60 Prozent bis 2035 zuzustimmen. Der Versuch scheiterte, da keiner der BRICS-Staaten dem Westen folgte. Nimmt man die Emission der westlichen Staaten (USA, Europa, Japan, Süd-Korea, Kanada und Australien) zusammen, kommt man auf 27,1 Prozent der globalen Emissionen. Die übrigen Länder, die 73 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursachen, denken aus wirtschaftlichen Gründen vorerst nicht an die Minderung ihres CO2-Ausstosses.
 
Vor allem der Gastgeber des G20-Gipfels, Indien, stellte sich quer und ließ durch seinen Energieminister Singh erklären: „Wenn die Wirtschaft um sieben Prozent wächst, wächst die Stromerzeugung durch Kohle ebenfalls". Die unbequeme Wahrheit sei, dass Erneuerbare Energien keine realistische Alternative zu fossilen Energien sind. Weiter betonte er: „Die Notwendigkeit eines backups für Wind und Solar durch Batterien erhöht die Kosten fast um das Fünffache. Zudem stiegen seit 2022 erstmals die Kosten für Lithiumbatterien um sieben Prozent auf Grund verteuerter Rohstoffe.“

Diese Erkenntnis versuchen wir ja schon seit einiger Zeit unserer Bundesregierung zu vermitteln – bisher ohne Erfolg. Schon einige Wochen zuvor musste der Klimabeauftrage der US-Regierung, John Kerry, bei seinem Besuch in China feststellen, dass China sich mittlerweile sogar von seinen eigenen Zielen zur CO2-Reduktion verabschiedet hat. Noch 2015 hatte China erklärt, 2030 sein CO2-Emissionsmaximum erreichen zu wollen. Präsident Xi erklärte nun, dass China keine Kohlekraftwerke durch Erneuerbare Energien ersetzen werde, solange dies nicht wirtschaftlich sei. Im Übrigen werde China weitere Kohlekraftwerke hinzubauen.

2022 wurden 106 GW (Gigawatt = 1000 Megawatt) Kohlekraftwerke in China genehmigt. Ein Kohlekraftwerk hat durchschnittlich eine Leistung von einem GW. Im ersten Halbjahr 2023 wurden in China weitere Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 52 GW genehmigt. Das sind zwei Kraftwerke pro Woche. Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 136 GW befinden sich in China im Bau. Allein dieser Zuwachs entspricht der vierfachen Kapazität aller deutschen Kohlekraftwerke (35 GW), die ja spätestens 2038 auf Null gestellt sein sollen.

Was bedeutet Chinas Ausbau der Kohlekraftwerke?

Mit den 136 GW neuen Kohlekraftwerken werden etwa 700 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich emittiert. Das entspricht etwa dem 70 fachen der CO2-Einsparung, die die Bundesregierung durch das Wärmepumpengesetz erzielen will. Dieses Gesetz soll 2030 etwa 10,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Die Kosten dafür sollen rund 130 Miliarden Euro betragen. Das entspricht staatlichen und privaten Ausgaben in Höhe von rund 12.500 Euro pro eingesparter Tonne CO2.

Damit gehört dieses Gesetz wahrscheinlich mit zu den teuersten Maßnahmen zur CO2-Reduktion weltweit – ohne auch nur eine wirksame, globale CO2-Reduktion zu bewirken. Unsere Bundesregierung stellt offensichtlich keinerlei Kosten-Nutzen Betrachtungen für Ihre „Klimaschutzmaßnahmen“ an. Damit ist ihr die Verhältnismäßigkeit ihrer Politik völlig aus dem Blick geraten.

Ist es schlimm, wenn China und Indien auf Kohle setzen?

Das UN-Ziel von Netto-Null CO2 in 2050 hat sich nach dem G20 Gipfel endgültig in Schall und Rauch aufgelöst, denn die Kraftwerke, die jetzt weltweit gebaut werden, sind dann noch mit Sicherheit am Netz. Es wäre schon viel erreicht, wenn bis 2050 die Emissionen nahezu halbiert werden könnten. Die gute Nachricht ist, dass diese Verringerung ausreichen würde, ein Anwachsen der CO2-Konzentration zu stoppen. Schon heute werden 29 Prozent der Emission von den Pflanzen aufgenommen und 26 Prozent durch die Ozeane, zusammen also 55 Proszent aller CO2 Emissionen weltweit.

Professor Ganteför aus Konstanz hat sich dieser Position mittlerweile angeschlossen und beruft sich dabei - wie ich - auf die Langfassung des IPCC (Working Group 1, FAQ 5.3, S.32).

Wieso reicht eine Verringerung der CO2-Emissionen um 45 Prozent?

Pflanzen und Ozeane wissen nichts von der CO2-Emission aus den Schornsteinen. Sie saugen das CO2 aus der Luft auf in Abhängigkeit von der CO2-Konzentration in der sie umgebenden Luft. Halbiert man die Emission, nehmen Pflanzen und Ozeane immer noch die gleiche Menge an CO2 auf, die dann der Emission entspricht. Der Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre wird gestoppt.

Die Wirkung der CO2-Halbierung fußt auf den Rechenmodellen des IPCC

Berücksichtigt man ergänzend die Ergebnisse der oben genannten Studie der 37 Wissenschaftler, so ist die Wirkung des CO2 auf die Temperaturentwicklung noch deutlich geringer: dann wäre nicht einmal eine Halbierung des CO2 erforderlich. Doch schon, wenn wir nur die Halbierung der CO2-Emissionen anstreben, können wir auf den größten Schwachsinn der Energiewende verzichten: Wärmepumpe bei alten Häusern, Verbot von Diesel und Benzinmotoren, Belastung der Industrie durch CO2 Kosten, die sie aus dem Land treibt. Die Deindustrialisierung könnte gestoppt werden und Millionen Bürger müssten keine zerstörerische Wertvernichtung ihrer Immobilie als Altersvorsorge erdulden.

Warum nicht Schiefergasförderung und Kernerenergie?

Warum führt aber die Politik den selbstmörderischen Kurs ohne Rücksicht bis zum bitteren Ende, so dass schon ausländische Zeitungen wie der britische Telegraph titeln: How Olaf Scholz turned Germany into the sick man of the world. Warum sperrt sich die Politik gegen den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken mit CO2-Abscheidung, verzichtet ohne Not auf Kernenergie oder Schiefergasförderung? Sie glaubt, „diese Regierung ist die letzte, die noch aktiv Einfluss auf die Klimakrise nehmen kann" (Bärbock). Diesen Glaubenskrieg gegen die eigenen Bürger, Unternehmen, Arbeitnehmer wird sie nicht durchhalten können. Die Vernunft wird sich durchsetzen.“