Der französische Herbst in Frankfurt
Wenn Frankreich im Herbst seine traditionsreiche rentrée littéraire mit mehr als 450 Neuerscheinungen feiert, steht Frankfurt dem in nichts nach. Mit der Frankfurter Buchmesse, den Jüdischen Filmtagen und einer neuen Ringvorlesung zur Frankreichforschung erwartet Frankophile im Oktober ein dichtes Kulturprogramm voller Literatur, Film und wissenschaftlicher Debatten.
Foto: Institut français Frankfurt
Im Mittelpunkt steht die Frankfurter Buchmesse vom 7. bis 11. Oktober, die erneut zahlreiche französischsprachige Autorinnen und Autoren, Übersetzer und Wissenschaftler zusammenbringt. Zu den Gästen zählen unter anderem Mokhtar Amoudi, Delphine Minoui, Isabelle Maroger, Asma Mhalla sowie der Historiker Patrick Farges. Das Institut français Frankfurt lädt Besucher zudem an seinen Stand in Halle 5.0 (A19) ein.
Bereits vor Messebeginn ist die französische Schriftstellerin Colombe Schneck mit ihrem Roman „Lügen im Paradies“ (Mensonges au paradis) in der Romanfabrik zu Gast. Ein weiterer Blickfang wird die inzwischen traditionelle Bilderbuchpräsentation des Instituts français im REWE-Markt an der Bockenheimer Warte sein. In diesem Jahr steht dort Olivier Charpentiers Werk „Wofür Tiere ihren Schwanz brauchen“ im Mittelpunkt.
Ein besonderer Programmpunkt der Buchmesse ist die Veranstaltung „Penser en langues – In Sprachen denken“ am 7. Oktober auf der Inspiration Stage. Die Berliner Literaturübersetzerin Sula Textor und der französische Historiker Patrick Farges diskutieren über Erinnerung, Familiengeschichten und die Wege, wie Lebensgeschichten zwischen Archiv, Literatur und Übersetzung vermittelt werden. Ausgangspunkt ist der vielbeachtete Debütroman „Mein wahrer Name ist Elisabeth“ (Mon vrai nom est Élisabeth) der französischen Autorin Adèle Yon, der in Frankreich zu einem Überraschungserfolg wurde.
„Übersetzen wird dabei zu einer Bewegung zwischen Generationen, historischen Kontexten und kulturellen Räumen“, heißt es im Begleittext zur Veranstaltung. Im Zentrum steht die Frage, wie Geschichten sichtbar gemacht werden können, deren Stimmen lange überhört oder aus den offiziellen Überlieferungen ausgeblendet wurden.
Auch Cineasten kommen auf ihre Kosten. Die Jüdischen Filmtage präsentieren mehrere französischsprachige Produktionen, darunter Claude Lanzmanns monumentalen Dokumentarfilm Shoah. Zur Eröffnung wird Regisseur Lionel Baier seinen Film La Cache (The Safe House) vorstellen, der auf einer Vorlage des französischen Künstlers und Autors Christian Boltanski basiert.
Den wissenschaftlichen Schlusspunkt des Monats setzt die Ringvorlesung „Die Welt & Frankreich“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Die dritte Ausgabe der Vortragsreihe startet am 28. Oktober und widmet sich aktuellen Perspektiven der Frankreichforschung aus internationalen und interdisziplinären Blickwinkeln.
Mit Literatur, Film und Wissenschaft schlägt Frankfurt damit im Oktober einmal mehr eine kulturelle Brücke nach Frankreich und bestätigt seinen Ruf als wichtiger Treffpunkt des deutsch-französischen Austauschs.
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