Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

Werbung
Werbung

Der Frankfurter Krisenstab wird zum Wirtschaftsstab

von Ilse Romahn

(23.06.2020) Unter Federführung von Wirtschaftsdezernent Markus Frank kamen bereits zum 13. Mal wichtige Akteure der Frankfurter Wirtschaft zusammen.

Von nun an wird der Krisenstab „Wirtschaft & Corona“ unter dem Namen „Wirtschaftsstab Frankfurt am Main“ geführt. Stadtrat Markus Frank zur Namensänderung: „Wir möchten ein zukunftsweisendes Signal senden. Uns ist bewusst, dass die Krise noch nicht überwunden ist, dennoch wollen wir positiv in die Zukunft blicken. Der neue Name ist ein erster Schritt.“

Als einen weiteren wichtigen Schritt im Zuge der Corona-Pandemie bewerten die Teilnehmenden die neue Corona-App. Alle Beteiligten freuen sich, dass diese nun zum Download bereitsteht und schon von über 7 Millionen Menschen in Deutschland installiert wurde. „Die Nutzung der App ist essentiell, um zukünftig weitere Lockerungen anstreben zu können“, so Friedrich Avenarius, Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände Rhein-Main-Taunus. Die hohen Sicherheitsmaßstäbe, die bei der Corona-App greifen, stimmen die Teilnehmenden zufrieden. „Ich möchte alle Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich für die Corona-App begeistern und für eine Nutzung motivieren. Jeder kann damit einen kleinen Beitrag leisten, um die Gesundheit aller zu schützen“, bekräftigte Wirtschaftsdezernent Markus Frank.

Eduard Singer und Kerstin Junghans (DEHOGA) hoffen, dass die Corona-App zukünftig auch verwendet werden kann, um die Aufzeichnungspflicht in der Gastronomie zu lockern. Diese Aufzeichnungspflicht sorgt in einigen Fällen für großes Unverständnis bei den Gästen und birgt damit ein Konfliktpotenzial. Dies sei für viele Gastronomen eine große Herausforderung, so Singer und Junghans. Kritik äußern die Vertreter der Hotel- und Gastronomiebranche z.B. über das Missverhältnis der Regelungen von privaten Veranstaltungen gegenüber vergleichbaren professionell organisierten Feierlichkeiten. Hier müsse unbedingt nachjustiert werden.

Besorgniserregende Zahlen über die gesamte Tourismusbranche liefert Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main. So gab es im April 92 % weniger Übernachtungen als man es ansonsten gewohnt sei und insgesamt ca. 650 Mio. Euro Umsatzausfälle in den touristischen Betrieben in März und April. „Diese Zahlen machen die riesigen Dimensionen des Shutdowns deutlich, den die Pandemie mit sich gebracht hat“, berichtet Feda.

Auch in der Industriebranche entwickeln sich die Zahlen weiterhin kritisch. 43% der Unternehmen geben an, dass ihre Geschäftslage schlecht sei. Neun von zehn Industrie-Unternehmen müssen ihre Produktion einschränken. Signifikante Umsatzrückgänge führen zudem zum Zurückfahren von Investitionen, verdeutlicht Avenarius in seiner Funktion als Geschäftsführer des Verbands der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen. Hoffnung mache dagegen, dass über 600 freie Ausbildungsplätze von Industrie-Unternehmen auf einer eigens geführten Online-Ausbildungsbörse angeboten werden.

Ein anderes Bild zeichnen dagegen Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer. Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt, und Dr. Christof Riess, Hauptgeschäftsführer der HWK Frankfurt, sorgen sich aktuell sehr, wie es mit der Ausbildung in den Betrieben weitergeht. Riess erklärt im Wirtschaftsstab, dass HWK und IHK aktuell all ihre Kräfte bündeln, um Unternehmen für mehr Ausbildungsangebote zu motivieren. In diesem Zusammenhang spielt auch die von der Bundesregierung geplante Ausbildungsprämie eine wichtige Rolle. Hierüber herrscht aber noch keine Klarheit, wie genau diese umgesetzt werden soll. Alle Teilnehmenden des Wirtschaftsstabs sind sich jedoch darüber einig, dass eine Ausbildungsprämie ohne große Hürden zur Verfügung gestellt werden muss. „Wer seine Ausbildungsquote erhöht, soll in diesen Zeiten schnell und unbürokratisch belohnt werden“ so Wirtschaftsdezernent Markus Frank. 

Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, und Silvio Zeizinger, Geschäftsführer des Handelsverbands Hessen-Süd, sorgen sich darüber hinaus über die Situation des (Einzel-)Handels. Die neuesten Meldungen über Filialschließungen von Galeria Karstadt Kaufhof trüben die ohnehin schon schwierige Stimmung. Doch Schwebel versucht dagegenzuhalten: „Wir tun alles, um die Attraktivität des lokalen Einzelhandels hochzuhalten und zu stärken.“ Erst letzte Woche hat die Wirtschaftsförderung die Kampagne #EinkaufenInFrankfurt an den Start gebracht und versucht über Plakate und Radiospots die Frankfurter auf lokales Shopping aufmerksam zu machen. Wichtig sei, dass man die Freude am Einkaufen nicht verliere, bestärkt Schwebel und gibt sich zuversichtlich: „Der Einzelhandel ist bereit, sicher und freut sich auf die Kunden. Frankfurt hat die besten Voraussetzungen um schnell wieder durchzustarten.“