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Letzte Aktualisierung: 01.07.2022

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Der Deutschlandfunk kommt nach Usingen

von Ilse Romahn

(22.06.2022) Für den Deutschlandfunk Kultur sind die Künstlerinnen und Künstler und das Programm von Allegro! Das Musikfest im Taunus 2022 ist so interessant, dass der offizielle Sender der Bundesrepublik Deutschland aus Köln nach Usingen kommt, um das Eröffnungskonzert am Freitag, 24. Juni. um 20 Uhr im Usinger Christian-Wirth-Saal, live aufzunehmen.

Ãtma Quartett
Foto: privat
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Aus der Dunkelheit ins Licht – ein „reflektiertes“ Konzertprogramm
Als die künstlerische Leitung von Allegro! Friederike Richter-Wedell und Karl-Werner Joerg 2017 das ensemble reflektor zum ersten Mal engagierten, konnte niemand mit dem Namen dieses Orchesters etwas anfangen. Mit seinen außergewöhnlichen Programmen und kreativen Ideen entwickelte sich das Ensemble inzwischen zu einem der spannendsten Klangkörper der europäischen Klassikszene. Solist des Abends ist der in Mainz geborene Juri Vallentin, der als erster Oboist überhaupt Preisträger des Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs wurde.

Das Interesse des Deutschlandfunk Kultur am Eröffnungskonzert von Allegro! ist neben der hervorragenden musikalischen Qualität von reflektor dem außergewöhnlichen Programm geschuldet. Ausgehend von Stücken zu Nacht und Tod der Renaissance-Komponistin Maddalena Casulana spannt das aktuelle Programm „awake“ einen 500 Jahre Musikgeschichte durchmessenden Bogen zum Oboenkonzert „Helios“ von Thea Musgrave, die in den USA lebt. Die romantische Sinfonie Nr. 2 von Louise Farrenc ist der Höhepunkt des Abends.

Ein Programm ohne einen „alten weißen Komponisten“
Einer der Konzertdramaturgen von reflektor, Micha Häußermann, beschreibt das so: „Für reflektor ist es substanziell, dass wir keine wahllose Aneinanderreihung von Werken auf die Bühne bringen, sondern eine Geschichte erzählen. Unserer Ansicht nach sind die Komponistinnen unseres aktuellen Programms „awake“ zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Gerade Louise Farrenc, die sich schon zu ihrer Zeit als Klavierprofessorin in Paris gegen die ungleiche Bezahlung von Dozentinnen und Dozenten auflehnte, bestätigt uns in unserem Anliegen dem Genderthema in der Gestaltung unserer Programme Raum zu geben. Und schließlich stellten wir uns die Frage, warum sollten wir nicht mal ein Programm gestalten ohne „alte weiße Komponisten“.“

Allegro! schreibt sich auf die Fahnen, Künstlerinnen und Künstler, die zu den Besten ihres Fachs gehören, im Usinger Land zu präsentieren.
Das junge Ãtma Quartett aus Polen ist eines der vielversprechendsten Streichquartette der jungen Generation. Einen ihrer größten Erfolge feierten Maria Sławek und Paulina Marcisz an den Violinen, Karalina Orsik an der Viola und der Cellist Maciej Kułakowski, beim internationalen Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ 2018 in Graz.

Musik aus Polen und Deutschland
Wie der Preisgewinn in Graz zeigt, sind die vier Streicherinnen und Streicher Franz Schuberts Œuvre, der in diesem Jahr seinen 225. Geburtstag feiern würde, besonders verpflichtet. In der evang. Kirche Grävenwiesbach wird das Ãtma Quartett am Samstag, 25. Jun, 19 Uhr einen Meilenstein der Quartettliteratur, das Streichquartett D 810 „Der Tod und das Mädchen“ aufführen. Basis des Werks ist Schuberts eigene Liedvertonung eines Textes von Matthias Claudius. Dem Gegenüber stehen Werke von zwei der bekanntesten polnischen Komponisten auf dem Programmzettel. Mit Stanisław Moniuszkos romantischem Streichquartett Nr. 1 d-Moll wird das Werk eines Komponisten gespielt, der sich in seinem Wirken ganz dem Patriotismus verschrieben hat. Anders bei Karol Maciej Szymanowski, der erst in der zweiten Lebenshälfte den Weg zu seinen volksmusikalischen Wurzeln fand. Seine Werke wurden in Polen zunächst abgelehnt und erst nach dem Gesinnungswandel vermehrt aufgeführt. Auf dem Höhepunkt seines folkloristischen Schaffens komponierte er 1927 das Streichquartett Nr. 2 op. 56, welches am Konzertabend gespielt wird. Eine große musikalische Aufgabe, der sich das Ãtma Quartett in diesem spannenden Konzert stellt.


Tickets für die Konzerte sind zum Preis von 24 bis 35 Euro im Bürgerbüro der Stadt Usingen, über die Tickethotline (069)1340400 und beim Veranstalter unter (06007)930076 sowie allen gängigen Vorverkaufsstellen im Rhein-Main-Gebiet erhältlich. Ausführliche Informationen gibt es auf der Internetseite www.allegro-musikfest.de.