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Letzte Aktualisierung: 21.11.2019

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Der „Stadtteil der Quartiere“ geht voran

Mike Josef zu den nächsten Schritten zum Stadtteil im Norden

von Karl-Heinz Stier

(04.11.2019) In die Diskussion um den geplanten neuen Stadtteil im Nordwesten Frankfurts kommen neue Erkenntnisse aus Untersuchungsergebnissen zu Landschaftsraum, Biotop- und Nutzungsstrukturen sowie Lärm, Klima, Verkehr und Entwässerung auf den Tisch.

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Die neuen Ideen zur Planung im Norden Frankfurts stellten vor (v.r.n.l.): Planungsdezernent Mike Josef, Stadtplaner und Vorsitzender des Consiliums Uli Hellweg und der Frankfurter Baudirektor Martin Hunscher
Foto: Karl-Heinz Stier
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Uli Hellweg erläutert Einzelheiten im Planungsareal
Foto: Karl-Heinz Stier
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Den aktuellen Sachstand und die weiteren Schritte der vorbereitenden Untersuchungen legten Planungsdezernent Mike Josef und Uli Hellweg, der Vorsitzende des Consiliums, vor. Dieses Gremium - mit externen Experten unterschiedlicher Disziplinen besetzt - setzt sich mit Fragen zur Stadtentwicklung, zur Architektur, zum Verkehr und zur Freiraumplanung sowie zu Beteiligungsverfahren auseinander und bringt Erfahrungen in anderen Städten und seinen Expertisen in das Verfahren ein.

Nach Mitteilung von Planungsdezernent Josef und Baudirektor Martin Hunscher stellen die Gutachten grundsätzlich keine „unüberwindlichen Hürden“ für den neuen Stadtteil dar. Wichtigste Erkenntnis: Das geplante Siedlungsgebiet mit seinen 550 Hektar großem Areal beidseits der Autobahn A 5 (40 Prozent in städtischem Eigentum), das bis zu 12 000 Wohnungen bringen soll, wird in mehrere Teile  zerlegt, einen sogenannten „Neuen Stadtteil  der Quartiere“. Danach könne „auf Bedarf“ gebaut und zeitlich gestreckt werden. Er soll nach Empfehlung des Consiliums dicht bebaut werden – überwiegend mit vier bis fünf Geschossen. Auf Hochhäuser und Ein-Familienhäuser solle verzichtet werden. Hochhäuser seien sehr teuer und nicht immer wirtschaftlich, meint der frühere Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung in Hamburg. Josef wies auf die Wohnungssuche vor allem von Beziehern mittlerer und kleineren Einkommen hin. „Für uns ist das auch eine Gerechtigkeitsfrage bei der Wohnqualität, mit anderen Worten: wie groß und wie bezahlbar soll die Wohnqualität sein“.

Hellweg empfahl „auf die Umlandgemeinden zuzugehen und deren eigene Interessen einzubinden“. Das müsse auch in deren eigenem Interesse liegen. Zugleich warnte er vor „Isolationismus. Wenn auf Frankfurter Gebiet nicht gebaut wird, wird woanders gebaut, zum Beispiel in einem dritten Ring um Frankfurt. Dann stellten sich dort  dörfliche Strukturen in Frage“.

Dezernent Josef will im neuen Wohngebiet den Anteil des öffentlichen Nahverkehrs deutlich erhöhen. Statt bisher 30 Prozent sollen es 50 Prozent werden, schließlich böten S- und U-Bahn und die geplante Regionaltangente West die besten Voraussetzungen  dafür.

Bei den ersten Untersuchungen, die Planungsamtsleiter Hunscher bekannt gab, sind keine streng geschützten Arten entdeckt worden, Lärmquellen seien die Autobahn und verschiedene Industriebetriebe. Hier müssten teilweise bis zu 280 Meter Abstände zur Wohnbebauung eingeplant werden. Zu den Stromtrassen seien Abstände bis 150 Meter notwendig. Was das Klima angehe, so sei das bisher als landwirtschaftlich genutzte Gebiet eine wichtige Frischluftschneise.

Die Gutachten werden im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 28. November um 18 Uhr im Planungsdezernat vorgestellt. Hier besteht für  die Bürger die Möglichkeit, sich detailliert über die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen und die weiter geplanten Schritte zu informieren. In mehreren Dialogveranstaltungen sollen dann Bürger/Innen den Entwurf-Teams direkte Hinweise geben können. Parallel dazu werden – so Mike Josef weiter – Gespräche zur politischen Abstimmung des Projekts fortgeführt, insbesondere mit den regionalen Gremien und den Nachbargemeinden. Außerdem würden Teams aus Stadt– und Landschaftsplaner/Innen räumliche Studien und Planungsvorschläge zu Städtebau und Landschaft erarbeiten. Ergebnisse sollen im November 2020 vorliegen.