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Letzte Aktualisierung: 26.02.2020

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Denkmal Kindertransporte: Jury entscheidet sich für Entwurf von Yael Bartana

von Ilse Romahn

(13.02.2020) Die Jury für das geplante Denkmal Kindertransporte hat sich für den Entwurf „The Orphan Carousel“ der israelischen Künstlerin Yael Bartana entschieden.

Entwurf Denkmal Kindertransporte
Foto: Stadt Frankfurt / Studio Yael astam
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Kulturdezernentin Ina Hartwig und Planungsdezernent Mike Josef stellten den Siegerentwurf gemeinsam mit Bärbel Schäfer, der Schirmherrin des Kindertransportdenkmals, und Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins und Vorsitzende der Jury, im Rahmen einer Pressekonferenz im Frankfurter Kunstverein am Dienstag, 12. Februar, vor.

Der prämierte Entwurf der Künstlerin Yael Bartana stellt eine Replik eines drehbaren Kinderkarussells aus den 1930er Jahren dar. Auf seinen Flanken sind drei kurze Texte zu lesen, die Zitate der geretteten Kinder und ihrer Eltern sein könnten: „Auf Wiedersehen, Mutter“, „Auf Wiedersehen, Vater“ und „Auf bald, mein Kind“. Das Karussell ist benutzbar und dreht sich stark verlangsamt.

Die Jury unter dem Vorsitz von Franziska Nori kam nach intensiver Beratung zu diesem Ergebnis: „Wir haben hart gerungen, der Wettbewerb brachte ein breites Spektrum unterschiedlicher und künstlerisch sehr starker Entwürfe. Yael Bartana gelingt es in ihrem Beitrag, die komplexe Geschichte der Kindertransporte auf ein allgemein bekanntes Spielgerät herunterzubrechen. Die Jury überzeugte Bartanas Stringenz und Mut zur Reduktion. Das Karussell kann von den Passant*innen als solches in einer schwerfälligen Form verwendet werden, lässt sowohl eine reflektierte Annäherung als auch ein kindliches Erkunden zu und lädt zu einen permanenten Perspektivwechsel zwischen Gegenwart und Geschichte, Eltern und Kindern, Rettung, Verlust und Zivilisationsbruch. Mit seinen Inschriften ‚Auf Wiedersehen, Mutter‘, ‚Auf Wiedersehen, Vater‘ und ‚Auf bald, mein Kind‘ erinnert ‚The Orphan Carousel‘ nicht nur an die aus Frankfurt geretteten jüdischen Kinder, sondern auch an ihre in vielen Fällen ermordeten Eltern. Als vertrauter Fremdkörper inmitten des gegenwärtigen öffentlichen Raumes reflektiert es die Möglichkeiten des Gedenkens am Ende der Ära der Zeitzeugenschaft.“

Kulturdezernentin Hartwig stellt heraus: „Die Erinnerung an die Kindertransporte wird mit diesem Denkmal eindrücklich in der Stadtlandschaft verankert werden. Es steht ebenso für die zahlreichen geretteten Leben wie für die Traumata der auseinandergerissenen Familien. Yael Bartanas Entwurf verdeutlicht die universale Tragik einer historisch spezifischen Situation und lässt Parallelen zu, ohne zu relativieren.“

„Dieser Entwurf erinnert eindrucksvoll daran, dass es auch in den dunkelsten Stunden Hoffnung gibt“, äußert sich Planungsdezernent Josef. „Der öffentliche Raum ist auch dafür da, auch auf solche schwierigen Themen hinzuweisen. Denn eine seiner Funktionen ist es, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen; mit einem dem Thema angemessenen, würdigen künstlerisch gestalteten Denkmal in zentraler Lage.“

Das Kunstwerk soll an der Kreuzung Gallusanlage/Kaiserstraße entstehen und an die Kindertransporte der Jahre 1938/39 erinnern. Die Stadt hatte 2019 einen künstlerischen Wettbewerb ausgelobt, für den namhafte internationale Künstler gewonnen werden konnten. Das Kunstwerk ist auch ein Statement der Stadt, sich gegen den wachsenden Antisemitismus zu stellen und die Geschichte der Shoah im Rahmen des mahnenden Gedenkens in Frankfurt im Stadtbild zu verankern.

Der Jury gehörten an: Tamara Grcic, Bildende Künstlerin, Werner Hanak, stellvertretender Direktor Jüdisches Museum Frankfurt, Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Salomon Korn, Vorstand Jüdische Gemeinde Frankfurt, Till Lieberz-Gross, Expertin zum Thema Kindertransporte, Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein, Susanne Pfeffer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst Frankfurt, Nicolaus Schafhausen, Kurator NS-Dokumentationszentrum München, und Oliver Strank, Ortsvorsteher Ortsbeirat 1. (ffm)