Das Wanderbuch von Christoph Batz
Foto: Bad Soden am Taunus
Familie Batz: Gastwirte und Bürgermeister in Neuenhain
Der Name Batz hat für Neuenhain große Bedeutung. Christoph Batz, geboren am 10. Januar 1799 in Oberkaufungen bei Kassel, eröffnete zu Pfingsten 1833 die bald weithin bekannte Gastwirtschaft Batzenhaus direkt an der wenige Jahre zuvor entstandenen Königsteiner Chaussee. Heute steht dort ein 1979 errichteter Nachfolgebau im Fachwerkstil, der etwas zurückgesetzt steht und in dem ein koreanisches Restaurant betrieben wird. Zudem erbaute Christoph Batz gegenüber seiner Wirtschaft 1856 ein weiteres Haus, das ebenfalls eine beliebte Gastwirtschaft wurde. Sein ältester Sohn, Johann Georg Batz, wurde sogar Bürgermeister der Gemeinde Neuenhain.
Christoph Batz hatte bei der Ausstellung des Wanderbuchs bereits ein Jahr und neun Monate als Küfergeselle bei Meister Müller in „Cassel“, damals zu Kurhessen gehörend, gearbeitet. Küfer fertigen (noch heute) vor allem aus Holz Gefäße, vor allem Bütten und Weinfässer. Sein Lehrmeister bestätigte ihm: „Treu, fleißig, gesittetes Betragen, keine Schulden.“ Daraufhin begab sich der Geselle im Sommer 1819 auf Wanderschaft. Das Wanderbuch, dem ein „Auszug aus der kurhessischen Zunft-Verordnung“ vorangestellt ist, verrät, wo Christoph Batz hinwanderte und wie lange er dort jeweils blieb, um seine Ausbildung zu vollenden.
Ohne Arbeit zu finden, hielt sich Batz kurz in Marburg und Friedberg auf und wanderte dann über die damalige Landesgrenze aus Kurhessen nach Niederrad (heute Frankfurt-Niederrad), wo er 21 Wochen arbeitete, danach sieben Monate in Frankfurt am Main. Ende Juni 1820 wanderte er weiter über Darmstadt und Mannheim nach Mosbach südlich von Heidelberg, wo er vom Juli 1820 bis April 1821 sein Handwerk betrieb. Danach ging es nach Heidelberg, Mannheim, Mainz, Kaiserslautern und Zweibrücken, wo er am 19. Mai, ebenso wie in Saarbrücken am 21. Mai, abgewiesen wird, weil er sich außerhalb Kurhessens befand. Über Kusel und Meisenheim ging er nach Kreuznach. Dort schrieb man in sein Wanderbuch: „Das Fechten ist hier verboten“.
Über Mainz wanderte er nach Frankfurt, wo Batz von Juni bis Dezember 1821 beim Küfermeister Georg Leonhard Stilgenbauer arbeitete, der ihm seinen Fleiß bescheinigte. Im Januar 1822 setzte er seine Wanderung mit dem Ziel Heilbronn fort. Bereits Ende Januar 1822 kommt er nach Frankfurt zurück und tritt eine neue Arbeitsstelle an, die er über vier Jahre innehat. Sein Meister Johann Konrad Amelung vermerkt im Wanderbuch: „Hat sich brav aufgeführt“. Danach ging er nach Kassel zurück, wo er bis Oktober 1826 arbeitete – der Eintrag dazu: „Inhaber, welcher sich seither in der Heimat aufgehalten hat, ist laut beigebrachten Zeugnisses zum Militär unbrauchbar und darf im Auslande wandern.“
Familie lässt sich in Neuenhain nieder
Über Christoph Batz´ weiteren Werdegang wusste Pfarrer und Heimatforscher Otto Raven viel zu berichten, was er 1971 in einer Chronik über Neuenhain veröffentlichte. Nach Beendigung seiner Wanderschaft hat Batz wohl in Frankfurt im „Hainer Höfchen“ gearbeitet und dort oder schon 1824/25 seine spätere Frau, die Neuenhainerin Anna Maria Reul kennengelernt, die er am 19. Oktober 1828 in Neuenhain ehelichte und so als Bürger in Neuenhain aufgenommen wurde. Um 1830 wohnte Christoph Batz im evangelischen Pfarrhaus in Neuenhain beim Pfarrer und dessen Familie in einem Zwischenstock. Vom Pfarrer wird er als „stiller, fleißiger und sittlicher Mann“ bezeichnet. Sein Küferhandwerk, jetzt als selbständiger Meister, betrieb er in einem dem Pfarrhaus nahegelegenen Stall, wo er Bütten und Fässer, auch wohl kleine Branntweinfässer herstellte, die eine Höchster Firma in Auftrag gab. Wir erfahren davon nur durch eine Beschwerde gegen den Pfarrer, der seine Räume in seinem Haus an einen Küfer vermietet habe, dessen geräuschvolles Handwerk doch für die Leute, die sich geistig beschäftigen sollten, sehr störend sei. Im Auftrag der Behörde kam der Dekan zu einem Ortstermin und überzeugte sich, dass Küferwerkstatt und Studierzimmer weit genug auseinander lagen.
Erst mit dem Bau des Batzenhauses ist er wohl Gastwirt geworden. Das Ehepaar hatte drei Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn wurde wie sein Vater Küfer und Gastwirt und – wie bereits erwähnt – auch Bürgermeister. Noch heute wohnt die Urururenkelin von Christoph Batz in Neuenhain. Sie hatte mit ihrem Mann das neue Batzenhaus erbaut.
Das historische Wanderbuch ist, wenn es nicht als Museumsstück des Monats in einer Vitrine mit weiteren Erläuterungen zum Leben und Wirken von Christoph Batz liegt, im Stadtteilraum Neuenhain in einer Schublade des Kolonialwarenladens zu finden.
Die Öffnungszeiten des Stadtmuseums sind Mittwoch, Samstag und Sonntag von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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