Kultur

Das System Trump kritisch beleuchtet

Buch von Elmar Thevesen mit fundierten Analysen

In seinem Werk „Deadline“ beschreibt der renommierte Journalist Elmar Thevessen sachkundig die derzeitige politische Situation in den Vereinigten Staaten von Amerika. „Wie das System Trump die Demokratie aushöhlt und uns alle gefährdet“ lautet der Untertitel. Der Autor richtet hier einen geschärften Blick auf Entwicklungen, die rund um den Globus Besorgnis erregen.

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Der Journalist Elmar Thevessen beschreibt in seinem Werk düstere Aussichten
Foto: Piper

In seinem Werk „Deadline“ beschreibt der renommierte Journalist Elmar Thevessen sachkundig die derzeitige politische Situation in den Vereinigten Staaten von Amerika. „Wie das System Trump die Demokratie aushöhlt und uns alle gefährdet“ lautet der Untertitel. Der Autor richtet hier einen geschärften Blick auf Entwicklungen, die rund um den Globus Besorgnis erregen.

Thevessen bezeichnet in seinem sauber recherchierten und spannenden Buch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump als „Systemsprenger“, der die Demokratie umbauen oder gar abschaffen wolle. Rücksichtslos gehe dieser gegen kritische Politiker, Medien und Journalisten vor. Es geht etwas kaputt in den USA,  schreibt der Autor. Europa könne den USA durch entschlossenes Handeln entgegentreten.

Es ist ein düsteres Bild, welches der Autor zeichnet. Die Weltordnung zerbrösele, befeuert durch den US-Präsidenten. Trump zettele Handelskriege an, untergrabe multilaterale Bündnisse und greife die Schutzmechanismen der amerikanischen Demokratie an. Thevessen sieht ein Abgleiten in einen Autoritarismus. So etwa hebele Donald Trump Gesetze aus, er habe Exekutivbefehle unterzeichnet, die in Teilen rechtswidrig sind. Darüber hinaus missachte der Präsident die Grundprinzipien der Charta der Vereinten Nationen und behaupte, die Europäische Union gebe es nur, „um die Vereinigten Staaten zu bescheißen.“ Und bestimmte Menschen, etwa Andersdenkende oder Zuwanderer, nennt er Abschaum oder Ungeziefer.

Elmar Thevessen blickt in seinem Werk nicht nur auf den US-Präsidenten. Während eines Besuchs bei Steve Bannon, dem Vordenker und Strippenzieher Trumps, bekommt Elmar Thevesen haltlose Theorien, nachweisliche Lügen und düstere Drohungen zu einer Vielzahl von Themen zu hören. Bannon, so der Autor, habe sich beim Thema NATO in Rage geredet und zeigte sich sauer auf „die faulen Deutschen“, die sich auf Kosten der USA bereichert hätten. Steve Bannon, der auf seinem Tisch im Basement eine Büste des römischen Kaisers Augustus platziert hat, befindet auch noch, dass Westeuropa ein Protektorat der Vereinigten Staaten vom Amerika sei.

Dann ist da noch Vizepräsident J.D. Vance, von Multimilliardär Peter Thiel gefördert. Ihn nannte Donald Trump einst einen Betrüger. Doch Vance stieg in die Politik ein, großzügig mit Spenden unterstützt von Thiel. Vance will Amerika von Grund auf verändern. Als US-Senator zeigte er sich als glühender Nationalist, der gerne gegen Einwanderer wetterte. Er will nicht nur die nationale Ordnung auf den Kopf stellen, sondern auch die globale, schreibt Thevessen. Die Globalisierung der Handels- und Wirtschaftspolitik hält Vance für gescheitert. Und er warb bei seinen Republikanern auch für das Ende der Ukrainehilfe.

Ebenso beleuchtet das Buch den US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Dem hat eine junge Frau aus Kalifornien einen sexuellen Übergriff vorgeworfen, ein Polizeibericht weist auf eine Vergewaltigung hin. Hegseth widerspricht. Offenbar hat der Ex-Soldat ein Alkoholproblem, nach einem internen Bericht der Veteranenorganisation betrank sich Hegseth bei Veranstaltungen des Verbandes. In seinem Buch „Krieg gegen Krieger“ beklagt der Verteidigungsminister der USA die Verweichlichung der Streitkräfte.  Die NATO-Partner verunglimpfte er als „impotente Nationen“, nannte linke Politiker „Amerikas inländische Feinde“ und „Amerika-Zerstörer“.

Sehr kritisch setzt sich Thevessens Werk auch mit dem amerikanischen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy auseinander. Der behauptet, dass Autismus eine Nebenwirkung von Impfungen sei und bestreitet, dass das HIV-Virus AIDS verursacht. Daneben vertritt er die Verschwörungstheorie, dass Covid-19 ethnisch zielgerichtet sei und Kaukasier sowie Schwarze  betreffe.

Dass die Presse im Visier Donald Trumps widmet sich auch eine Passage in Elmar Thevessens Buch. Eine Aufsichtsbehörde, die eigentlich der Kontrolle des amerikanischen Kongresses unterliegt, könnte für den US-Präsidenten zum Werkzeug der politischen Auseinandersetzung werden, befürchtet der Autor. Trump hatte ja schon großen US-Sendern mit dem Entzug ihrer Lizenzen gedroht, wenn er sie für einseitig und parteiisch hielt. Im Oktober 2024 verklagte Trump die CBS-Sendung „60 Minutes“ weil sie ein Interview mit Kalela Harris verfälscht hätte. Diesen Vorwurf wiesen Kollegen entschieden zurück, so Thevessen. Einige eher liberal orientierte TV-Firmen bereiten sich inzwischen auf den Druck durch die Regierung vor. Und  im Februar 2025 verwehrte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, einem Reporter der Nachrichtenagentur Associated Press den Zugang zu Presseterminen mit dem Präsidenten. Grund: AP weigerte sich, den Golf von Mexiko nur noch als Golf von Amerika zu bezeichnen, so wie es Trump per Dekret angeordnet hatte.

 

Info: Elmar Thevessen: Deadline – Wie das Sytem Trump die Demokratie aushöhlt und uns alle gefährdet; Piper, ISBN 978-3-492-07332-5, 22 Euro