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Letzte Aktualisierung: 25.01.2022

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Das Kino für Alle

Kulturdezernentin Hartwig gratuliert dem Kino des DFF zum 50. Geburtstag

von Ilse Romahn

(03.12.2021) Den stoischen Komiker Buster Keaton sah das Frankfurter Publikum vor 50 Jahren als erstes auf der Leinwand des neu gegründeten Kommunalen Kinos. Am 3. Dezember 1971 eröffnete die Stummfilmreihe das Programm – sofort mit großem Erfolg. Es war das erste Filmtheater in Deutschland, das als städtisch vollsubventioniertes Kino mit ständigem Programm den politischen Anspruch des damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann erfüllte, Film den anderen Künsten gleichzustellen.

„Es ist kaum einzusehen, warum das deutsche Theater […] subventioniert wird, warum Konzerte, Museen, Bibliotheken und Volkshochschulen, nicht jedoch dem Massenmedium Film eine bildungs- und gesellschaftspolitische Aufgabe zukommt“, erklärte Hoffmann 1971 im Rückblick auf ein Jahr der Kulturarbeit in Frankfurt. Den Film aus seinen wirtschaftlichen Zwängen zu lösen und einen bezahlbaren Ort für die Diskussion künstlerischer und gesellschaftspolitischer Filme für alle Bürgerschichten zu schaffen, das war seine Grundidee zur Gründung des Kommunalen Kinos. Denn, sagte Hoffmann: „Das Ziel ist die intensive Beschäftigung mit dem Medium Film als Kunstform und als Vehikel gesellschaftlicher Phänomene.“
 
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig sagt: „Heute, 50 Jahre später, ist das ehemalige Kommunale Kino Teil des international renommierten DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum und damit die wichtigste filmkulturelle Einrichtung in Frankfurt und Hessen. Es zählt zu den führenden internationalen Filmerbe-Institutionen. Hier am Museumsufer ist es ein Garant dafür, dass internationale Filmkultur in Frankfurt zu Hause ist, und dass Film als Kunst in allen Facetten erleb- und ehrfahrbar ist und bleibt.“
 
1971 war die Gründung des Kommunalen Kinos nicht nur eine kulturpolitische Pioniertat, es war auch eine Initialzündung für die Förderung und Pflege der Filmkunst in ganz Deutschland: Schon wenige Jahre später gab es deutschlandweit 150 kommunal geförderte Lichtspieltheater, deren Existenz Karrieren wie die von Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder beförderten und anspruchsvollen deutschen ebenso wie internationalen Filmen ein Forum gab.
 
Das gefiel nicht allen: Noch vor der Eröffnung, bereits im Mai 1971, klagten fünf kommerzielle Frankfurter Kinobetreiber wegen Wettbewerbsverzerrung. Doch die Klage wurde abgewiesen und ging als „Frankfurter Urteil“ in die Geschichte der Kommunalen Kinos ein.
 
1972 zog das Kommunale Kino vom Theater am Turm, wo es zunächst nur dreimal die Woche spielen durfte, ins Historische Museum am Römer und nahm seinen regulären Spielbetrieb unter der Devise „Andere Filme anders zeigen“ auf. 1984 zog das von den Frankfurtern liebevoll genannte KoKi auf Initiative von Hilmar Hoffmann in das neu gegründete Deutsche Filmmuseum am Schaumainkai, wo beide Institutionen zusammen mit dem Deutschen Filminstitut ein neues Zentrum der Filmkultur am Main bildeten. Als einzige Kinemathek in Deutschland bot das Haus nun die Möglichkeit, Ausstellungs- und Kinobesuch zu vereinen. Die größte Krise in seiner Geschichte überstand das Kino in den Jahren 1993 und 1994: Der Magistrat hatte im Zuge seines Sparkurses beschlossen, das Kommunale Kino zu schließen. Mehr als 200 Protestschreiben aus aller Welt gingen ein. Die Entscheidung wurde revidiert, aber der Beschluss offiziell nie zurückgenommen. In der Folge verlor das Kommunale Kino seine Eigenständigkeit: Zunächst als Abteilung des Deutschen Filmmuseums geführt, ist es nun zentraler Kern der 2006 mit dem Deutschen Filminstitut fusionierten Institution, die seit 2019 als DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum firmiert.
 
Beim Umbau des Hauses zwischen 2009 und 2011 wurde das Kino komplett renoviert und zusätzlich zu analoger mit neuester digitaler Vorführtechnik (2K-Digitalprojektion und 3D) ausgestattet. Der neue Saal an gleicher Stelle im Untergeschoss der Gründerzeitvilla erstrahlt nun in Rot und bietet Platz für 131 Besucher.
 
Mit der Wiedereröffnung schärfte das Kino ein weiteres Mal sein Profil. Neben altbewährten Formaten wie „Klassiker & Raritäten“ und „Was tut sich – im deutschen Film?“ wurden neue Angebote wie die Reihe „Lecture und Film“, das „Late Night Kultkino“ und ein wöchentlicher Programmplatz für „Specials“ eingeführt. Der von jungen Leuten organisierte Filmclub „Treppe 41“ lädt zum Austausch ein, alle Frankfurter sind eingeladen, dort ihre Lieblingsfilme vorzustellen. Verschiedene Filmfestivals strukturieren ferner das Jahresprogramm. Das Kino ist darüber hinaus durch zahlreiche Kooperationen in das Kulturleben der Stadt eingebunden. Darüber hinaus ist das DFF Mitglied in verschiedenen nationalen und internationalen Verbänden.
 
„Ich bedauere zutiefst, dass wir aufgrund der aktuellen Situation auf eine Jubiläumsfeier verzichten müssen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Der Rückblick auf die bisherige Kinogeschichte zeigt, dass das Kino, die Stadt und ihr Publikum den Widerständen trotzt. So werden wir auch jetzt gemeinsam durch die Pandemie kommen und baldmöglichst die große Feier nachholen. Doch jetzt schon gratuliere ich dem Kino im DFF zu seinem 50. Jubiläum und danke für die unermüdliche Arbeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erklärt Hartwig.
 
Das Kino des DFF nimmt den 50. Jahrestag seiner Gründung zum Anlass, mit seinen Besuchern auf eine bewegte Geschichte mit heftigen politischen und kulturellen Auseinandersetzungen zurückzublicken und sich einmal selbst zu feiern: Den gesamten Dezember über mit einem Filmprogramm, das Filme, die auch im Dezember 1971 liefen, wiederaufführt. Es gilt die 2G-Regelung für Personen ab 18 Jahren. Der Zugang zum Kino des DFF ist rollstuhlgerecht. (ffm)