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Letzte Aktualisierung: 01.04.2020

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Coronavirus: Videosprechstunde bringt Entlastung für Arztpraxen und Patienten

von Julia Abb

(12.03.2020) Aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) könnten Videosprechstunden ein guter Weg sein, um Arztpraxen in der aktuellen Situation deutlich zu entlasten.

"Nicht jeder physische Arztbesuch ist sinnvoll und notwendig. Nicht nur in der aktuellen Coronavirus-Krise könnte er sogar kontraproduktiv sein, denn in Wartezimmern ist die Gefahr, sich bei anderen Patienten anzustecken, schließlich besonders groß", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Die TK geht davon aus, dass die Patienten in Hessen das Angebot der Videosprechstunden auch gut annehmen würden. "Ein Aufenthalt in einem Wartezimmer voller schniefender und hustender Menschen dürfte für niemanden eine besonders reizvolle Vorstellung sein. Alternativen dazu sind erforderlich und gewünscht."

Aus aktuellem Anlass haben sich der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) darauf geeinigt, dass Ärzte in den kommenden vier Wochen alle Patienten, die über Beschwerden der oberen Atemwege klagen, nun auch nach einer reinen telefonischen Konsultation für maximal sieben Tage krankschreiben dürfen. "Das ist ein erster Schritt, aber ein Austausch per Videochat wäre noch sinnvoller, denn so könnten sich die Ärzte - im wahrsten Sinne des Wortes - ein besseres Bild von den Patienten machen. 

Doch auch völlig unabhängig von der aktuellen Situation wird sich die Videosprechstunde auf absehbare Zeit durchsetzen, weil sie für die Patienten praktisch ist. "Wer eine Erkältung oder eine leichte Magen-Darm-Verstimmung hat und deshalb eine Krankmeldung für den Arbeitgeber benötigt, wird künftig die Videosprechstunde in Anspruch nehmen", zeigt sich Voß überzeugt. Auch in den Arbeitsalltag ließe sich eine Videosprechstunde, z.B. um sich ein Folgerezept ausstellen zu lassen oder um ein Nachsorge-Gespräch mit dem Arzt zu führen, besser integrieren lassen als ein physischer Arztbesuch. Laut einer Studie der TK kann sich in Hessen etwa jeder dritte Patient vorstellen, künftig per Videochat mit Medizinern auszutauschen.

Ab 1. April erhalten niedergelassene Ärzte, die Patienten per Videosprechstunde behandeln, übrigens grundsätzlich mehr Geld. Darauf haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband im Rahmen einer Reform des einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) geeinigt. Im EBM ist geregelt, welche Leistungen in welcher Höhe von den Ärzten abgerechnet werden können. Die TK sieht in dieser Stärkung der Videosprechstunde ein wichtiges Signal.

www.tk.de/lv-hessen