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Colombine im Charleston-Look

„Der Bajazzo“ im Musikpavillon Palmengarten

In diesem Sommer zeigt die Kammeroper Frankfurt im Musikpavillon im Palmengarten „Der Bajazzo“ von Leoncavallo und auch die kurze Barockoper „Der Impressario von den Kanaren“ für ein spezielles Publikum und schließt damit eine Lücke im Kulturangebot Frankfurts. Gewohnt ist man, dass dem Bajazzo ansonsten „Cavalleria rusticana“ voran gesetzt wird. Die Kammeroper will andere Wege gehen. Nicht zwei Opern, die im dörflichen Süditalien spielen, sondern zwei aus ganz unterschiedlichem Milieu und aus verschiedenen Jahrhunderten kommen zur Aufführung.

Kurze Regenschauer brachten zunächst das Programm etwas aus  dem Konzept. Doch nachdem der Impresario gescheitert ist bei seinen Versuchen, die Sängerin Dorina zu verführen, konnte nach der Pause das Spiel um Betrug, Eifersucht und Mord mit dem bekanntesten, bittersten Lachen, das in einer Oper zu hören ist,  beginnen. Im Bajazzo vermischen sich Realität und Spiel auf der Bühne, wie im Prolog schon angekündigt wird,  bis der von seiner Frau Nedda  betrogene Canio, Principal einer Komödiantentruppe, Wirklichkeit und Spiel nicht mehr unterscheiden kann und zum Mörder wird.

In der süditalienischen Provinz  bringt die Truppe Abwechslung in das eintönige Leben der Menschen dort. Die bezaubernde Nedda, die als die Figur Colombine auftritt, beginnt eine Liebschaft mit dem Bauern Silvio. Der hässliche Tonio, der im kleinen Theater den Tölpelhaften spielt, beobachtet Nedda und bedrängt sie, auch ihn zu küssen.  Die Schöne weist ihn lachend ab. Tonio ist betroffen und wütend und verrät sie an ihren Ehegatten Canio. Dieser liebt seine Frau, ist verletzt und zornig, und während er sich als Bajazzo schminkt und umkleidet, singt er die berühmte Arie „Du bist Bajazzo! Hüll Dich in Tand nur..“ mit dem berühmten verzweifelten Lachen. Während die Landbevölkerung sich vor der kleinen Bühne versammelt, spielen Canio, Nedda, Tonio und Peppe die klassischen italienischen Figuren Bajazzo - den dummen  Clown -,  Colombine - die Kokette -,  Harlekin,  - den Verführer - , und Canio kann nicht mehr  zwischen Spiel und Realität unterscheiden. Er ersticht Nedda vor den Augen des entsetzten Publikums und eilt dem Bauern Silvio nach, den er ebenfalls tötet. Die Oper endet mit den lakonischen Schlussworten „Die Komödie ist zu Ende!“

So weit in Kürze die Geschichte um den unglücklichen Principal und Clown. Nun muss in der heutigen Zeit nicht unbedingt der Bajazzo geschminkt und im weißen Schlabberkostüm mit Bommeln auftreten. Aber eine zarte Andeutung – um die Figur in ihrer Tragik deutlich zu machen – hätte man sich gewünscht. Und dass Nedda-Colombine im Charleston-ähnlichen Kleid tänzelt, fanden wir ein wenig schade. Ach, unglückliche Colombine, Du tanzt in unsrer Erinnerung anders.

Die Leistungen der  Sänger und Sängerinnen waren sehr zufriedenstellend. Hervorzuheben ist aber Giancarlo Paola als Peppe bzw. Harlekin, der auch Zwischenapplaus bekam.

Mitwirkende sind Jörg, El Sigai, Peter, Pohnert, Ruggerio, Paola, Lozano, Mathes u.a.
Chor und Orchester der Kammeroper Frankfurt
Musikalische Leitung:  Jackson, Regie: Martin Pudenz

Weitere Vorstellungen jeweils 19.30 Uhr 8.,10.,11.,12.,15.,17.und 18.August 2018

Tickets: Tel. (069)1340400