Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ auf der Bühne der Idsteiner Stadthalle
Mit diesen (fast) letzten Worten steigt Zuckmayers Hauptperson, General Harras, der sich aus Liebe zur Fliegerei mit den Nazis eingelassen hat, wissentlich in ein defektes Flugzeug und stürzt sich in den Tod. Doch wie kam es dazu? Mitten im Krieg, mitten in Nazideutschland beunruhigt eine Reihe von Abstürzen eines neuen Flugzeugtyps die Wehrmachtsführung. Fliegergeneral Harras, auch für die Materialkontrolle verantwortlich, ist ein Kerl von echtem Schrot und Korn: aufrichtig, trinkfest und dazu ein Frauenheld. Er ist zwar kein Nazi, doch eben ihr Handlanger. Er macht einerseits ohne Parteibuch Karriere und profitiert vom Krieg, andererseits macht er aus seiner Abneigung gegenüber dem nationalsozialistischen Gedankengut keinen Hehl. Insgeheim verdächtigt ihn die Gestapo, in die Sabotageaffäre verwickelt zu sein. NS-Kulturleiter Schmidt-Lausitz stellt ihm ein Ultimatum: Innerhalb von zehn Tagen muss er herausfinden, wer der Urheber der Sabotageakte ist. Doch erst als ein guter Freund von Harras mit einem defekten Flugzeug tödlich verunglückt und Harras’ engster Mitarbeiter Oderbruch, dem er bis dahin blind vertraut hatte, ihm gesteht, dass er – als Akt des Widerstands gegen den Wahnsinn des Hitler-Kriegs – Sabotage verübt hat, muss der Fliegergeneral zum ersten Mal seine Rolle in der NS-Maschinerie überdenken…
Mit Fliegergeneral Harras hat Zuckmayer eine Figur geschaffen, deren unwiderstehliches Charisma bei gleichzeitiger politisch wie moralisch fragwürdiger Handlungsweise auch heute noch ebenso fasziniert wie entsetzt. Die Fragen nach Schuld und Verantwortung, Selbstbestimmung und Zivilcourage, die Zuckmayers Drama aufwirft, lassen sich nicht auf das Dritte Reich beschränken. Die Inszenierung von Klaus Kusenberg betont die aktuelle und zeitlose Bedeutung des Stücks, indem sie bewusst auf NS-Insignien verzichtet. Der bekannte Schauspieler Gerd Silberbauer spielt den Harras als einen Menschen, der sich auch heute noch aktuellen Fragen stellt wie: Welcher Zweck heiligt welche Mittel? Oder: Darf man sogar den Tod Unschuldiger in Kauf nehmen, wenn es der gerechten Sache dient?
Über diese und andere Fragen kann das Publikum beim Gastspiel der Euro-Studio-Produktion „Des Teufels General“ am Donnerstag, 15. Februar 2018, um 20.00 Uhr in der Stadthalle Idstein nachdenken.
Weitere Informationen bei der Stadt Idstein, Tel. (06126)78622.
Restkarten gibt es im Freiverkauf bei „Optik-Studio Noé“, Schulze-Delitzsch-Straße 28, 65510 Idstein, Tel. (06126)570008
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