Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 06.12.2019

Werbung
Werbung

Burgen- und Schlossschönheiten am Saaleradweg

von Angela Zimmerling

(02.12.2019) An keinem anderen Fluss in Europa stehen mehr Burgen, Dome und Schlösser als an der Saale. So wird eine Reise auf dem Saaleradweg, der das Gewässer von der Quelle bis zur Mündung begleitet, zum Kulturerlebnis.

Bildergalerie
Das Unesco-Welterbe Naumburger Dom wird am Ende von Etappe sechs auf dem Saaleradweg erreicht.
Foto: Vereinigte Domstifter, F. Matte
***
Blick vom Saaleradweg, Etappe sechs, auf die Rudelsburg
Foto: Vincent Grätsch
***

„An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn; ihre Dächer sind verfallen, und der Wind streicht durch die Hallen, Wolken ziehen drüber hin.“ Als der Historiker und Schriftsteller Franz Kugler 1826 seine Zeilen für eines der bekanntesten deutschen Volkslieder mit Kreide auf eine Tischplatte kritzelte, hatte er die Rudelsburg bei Bad Kösen vor Augen, die auf einem Muschelkalkfelsen hoch über der Saale aufragt. Im 10. Jahrhundert als Grenzbefestigung errichtet, seit der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg Ruine, wird sie im 19. Jahrhundert plötzlich als „schönste aller Saaleburgen“ Sehnsuchtsort von Romantikern und Wanderern.

Die Burgenromantik ist bis heute geblieben: Brautpaare lassen sich hier trauen, Fotografen versuchen ihre Mystik im Bild einzufangen und Radfahrer nehmen den steilen Anstieg in Kauf, um von oben den traumhaften Blick ins Saaletal zu genießen. Der 403 Kilometer lange Saaleradweg, der Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt verbindet, führt auf Etappe sechs zwischen Jena und Naumburg direkt an der Rudelsburg vorbei.

Für Trauungen bietet auch die Leuchtenburg bei Kahla, die „Königin des Saaletals“, eine romantische Kulisse. Schon von weitem können Radfahrer sie auf Etappe fünf des Saaleradweges zwischen Saalfeld und Jena erblicken. Das rund 800-jährige Burgenensemble mit Wallgräben und Wehrtürmen ist fast vollständig erhalten geblieben und aufwendig saniert worden. Seit 2014 beherbergt es die sehenswerte Ausstellung „Porzellanwelten Leuchtenburg“ mit der größten Vase der Welt. Vom „Steg der Wünsche“, einer Aussichtsplattform, können Besucher Porzellan werfen und zerschellen lassen. Nach dem Motto „Scherben bringen Glück“ sollen sich die Wünsche, die auf das Porzellan geschrieben wurden, erfüllen.

Nur noch als Ruine zeigt sich die Lobdeburg aus dem 12. Jahrhundert auf einer Anhöhe oberhalb des Jenaer Ortsteils Lobeda. Am Ende von Etappe fünf wird sie über einen kleinen Abstecher vom Saaleradweg erreicht. Sehenswert ist der dreistöckige Wohnturm mit Fensteröffnungen im romanischen Stil. Von hier reicht der Blick weit über Jena, das Saaletal bis zur Leuchtenburg.

Eine Reise in die Ritterzeit erleben Radfahrer auch auf Etappe eins des Saaleradweges. Von der Burgruine Waldstein bei Zell im Fichtelgebirge, in der Nähe des Startpunkts des Saaleradweges, sind heute nur noch die Grundmauern erhalten. Die Ritter von Sparneck bauten sie im 14. Jahrhundert auf dem Großen Waldstein (877 Meter). Truppen des Schwäbischen Bundes brannten sie im 16. Jahrhundert nieder. Vom Aussichtspavillon auf dem Gipfel genießen Ausflügler den Blick über das Nördliche Fichtelgebirge. Am Fuß des Berges ist die Saalequelle eingefasst. Besuchermagnet sind die alle zwei Jahre auf einer Bühne an der Burgruine stattfindenden Waldstein-Festspiele, die von der bewegten Geschichte des Berges im Mittelalter erzählen.

Residenzschlösser: Schloss Burgk und Schloss Weißenfels
Liebhaber sakraler Musik sollten auf Etappe drei des Saaleradweges im thüringischen Burgk Halt machen. Auf einem dicht bewaldeten Hügel hoch über einer Saaleschleife thront Schloss Burgk, das 1365 erstmals urkundlich erwähnt wird. Die einstige Residenz des Fürstenhauses Reuß beherbergt heute ein Museum, eine der größten Exlibris-Sammlungen Deutschlands sowie eine Silbermann-Orgel von 1743, die zu Konzerten erklingt. Bei einem Rundgang können die historischen Wohn- und Schauräume besichtigt werden, darunter ein Rittersaal und eine Schlossküche. Der etwa 22 Meter hohe pyramidale Kamin der historischen Küche ist eine architektonische Rarität.

Hinter Jena, auf Etappe sechs, ragen die drei Dornburger Schlösser auf einem Muschelkalkfelsen über der Saale auf. Schon Goethe war fasziniert von der Aussicht und dem friedvollen Charisma der Anlage. Ein Landschaftsgarten vor dem Renaissanceschloss und ein geometrisch gestalteter Garten mit Rosenlaubengang am Rokokoschloss laden zum Lustwandeln. Die Fahrräder parken derweil am Bahnhof.

Auf Etappe sieben wartet eine weitere Schlossschönheit auf Radfahrer: die monumentale barocke Dreiflügelanlage Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels. Sie diente als Residenz der kursächsischen Nebenlinie Sachsen-Weißenfels. Sehenswert sind das Schuhmuseum inklusive einer Promi-Ecke mit Schuhen von Dirk Nowitzki, Helmut Kohl und Nina Hagen sowie die Fürstengruft mit ihren prunkvoll verzierten Zinn- und Holzsarkophagen.

Perlen am Wegesrand: Schloss Ostrau und Schloss Plötzkau
Nördlich von Halle, auf einem Abstecher von Etappe acht kann eine weitere barocke Dreiflügelanlage besichtigt werden: Das Barockschloss Ostrau wurde vom Kurfürstlich-Hannoverschen Hofarchitekten Louis Rémy de la Fosse entworfen und ab 1710 errichtet. Ein 14 Hektar großer Schlosspark mit Landschaftsgärten nach englischem Vorbild umgibt das Gelände. Radfahrer können hier auf Rikscha „Anita“ umsteigen, um den Park zu erkunden.

Auf Etappe acht, 50 Kilometer nördlich von Halle, erreichen Radfahrer schließlich das Schloss Plötzkau des ehemaligen Fürstentums Anhalt-Plötzkau, das im 16. Jahrhundert im Renaissancestil umgebaut wurde. Das Fürstentum war einst eines der kleinsten in Deutschland. Ein Verein kümmert sich heute um die Erhaltung der Anlage und das Museum im Turm. Ausstellungen berichten von der wechselhaften Geschichte des Schlosses als Münzprägeanstalt, als Fabrik für japanische Lackmalerei und Tabakwaren, als Gefängnis, als landwirtschaftliche Domäne, als Flüchtlingsunterkunft und als Museums-Depot. Vom obersten Turmzimmer genießen Besucher den Ausblick auf den Naturpark Unteres Saaletal und den Plötzkauer Auwald. 

Sakralarchitektur: Naumburger Dom und Merseburger Dom
Die wahrscheinlich bedeutendste Sehenswürdigkeit entlang der Saale ist das Unesco-Welterbe Naumburger Dom St. Peter und Paul. Das Bauwerk zählt zu den bedeutendsten architektonischen Zeitzeugen des europäischen Hochmittelalters und wird am Ende von Etappe sechs auf dem Saaleradweg erreicht. Berühmt sind die überraschend lebensnah gestalteten, ausdrucksstarken Stifterfiguren im Westchor, darunter Uta von Naumburg, die „schönste Frau des Mittelalters“. Täglich erleben Besucher während einer Führung die Meisterwerke des Doms.

40 Fahrradkilometer weiter nördlich, auf Etappe sieben, liegt ein weiteres Juwel aus der europäischen Blütezeit des Hochmittelalters: der Merseburger Dom. Sehenswert sind die im Dom und Domschatz präsentierten Altarretabel, Skulpturen sowie Handschriften, darunter die berühmten Merseburger Zaubersprüche. Führungen werden täglich angeboten. Friedrich Ladegast, Vater der romantischen Orgel in Mitteldeutschland, baute hier Mitte des 19. Jahrhunderts eine der größten Orgeln Deutschlands. In ihrer Klangvielfalt erlebbar wird sie unter anderem zu den Merseburger Orgeltagen im September.

Saaleradweg: Informationsportal
Der Saaleradweg führt auf neun Etappen durch die Bundesländer Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Startpunkt ist Zell im Fichtelgebirge, Ziel ist die Mündung der Saale in die Elbe bei Barby.

Über die einzelnen Etappen, An- und Abreisemöglichkeiten sowie Gastgeber informiert der Verein Saaleradweg unter www.saaleradweg.de.