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Letzte Aktualisierung: 27.02.2021

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Bundesbürger haben große Angst vor Corona-Ansteckung im Fahrstuhl

von Helmut Poppe

(17.02.2021) Die Lüftung in Aufzügen ist laut Wissenschaftlern mangelhaft. Die Aerosole halten sich ihnen zufolge bis zu 30 Minuten in der Aufzugskabine.

84 Prozent der Deutschen haben Angst, sich bei der Fahrt im Aufzug mit dem Corona-Virus anzustecken. Sie halten die Infektionsgefahr in den engen, schlecht belüfteten Kabinen für hoch. Rund 40 Prozent fahren deshalb nur noch allein, jeder Vierte steigt gar nicht mehr in den Fahrstuhl, wie eine aktuelle bevölkerungsrepräsentative Befragung von HUNDT CONSULT unter 1.000 Bundesbürgern zeigt. Die Ängste der Deutschen sind berechtigt, denn die Lüftung ist in den meisten Aufzügen absolut unzureichend, wie Forscher der Universität Amsterdam jetzt festgestellt haben.

Milliarden von Viren werden beim Sprechen, Husten oder Niesen in der Kabine durch kleine Schwebetröpfchen freigesetzt. "Wird ein Aufzug nach dem Husten nicht genutzt und steht mit geschlossenen Türen auf einer Etage, halten sich die Tröpfchen 30 Minuten in der Luft", hat Professor Daniel Bonn von der Universität Amsterdam nachgewiesen. Sein Fazit: "Die Lüftung funktioniert in den meisten Aufzügen eher mangelhaft. Bisher unternehmen die Betreiber zu wenig, um die Aerosole in der Fahrstuhlkabine zu verringern."

Ziel müsse es sein, die Belastung mit den Schwebetröpfchen so schnell wie möglich um 80 Prozent zu reduzieren. "Denn erst dann kann die Luft in der Kabine wieder bedenkenlos eingeatmet werden", so Bonn. Herkömmliche Lüftungen benötigen dafür viel zu lange. Sehr viel schneller geht es dagegen mit dem Einsatz von Plasmatechnologie. "Diese Technologie wird seit Jahren in OP-Sälen und Arztpraxen eingesetzt. Sie kann mittlerweile über 30 Wirksamkeitsstudien vorweisen", weiß Alexander Wüllner von HUNDT CONSULT. Die Aufzug-Experten bieten mit dem ELEVATAIR inzwischen einen solchen Plasma-Lüfter für Aufzugskabinen an. Bereits nach wenigen Sekunden nimmt die Aerosolbelastung deutlich ab; innerhalb von knapp vier Minuten sind 80 Prozent der Fahrstuhlluft desinfiziert und sie bleibt auf diesem nicht-infektiösen Niveau.

Für Wüllner ist es unverständlich, dass sich bisher so wenige Aufzugsbetreiber ernsthaft darum gekümmert haben, die Belastung mit Viren und Keimen zu verringern. "Dabei sind sie gesetzlich dazu verpflichtet, alles zu unternehmen, um die Fahrt mit dem Lift gefahrenfrei zu ermöglichen. "Und nicht erst jetzt, sondern schon vor der Corona-Pandemie hätte das Thema Hygiene bei den Betreibern auf der Agenda stehen müssen."

Jeder dritte Bundesbürger fordert, zumindest in der aktuellen Situation die Aufzüge möglichst für den Betrieb zu sperren. Zwei Drittel wünschen sich ergänzend gesetzliche Regelungen mit dem Ziel, die Gefahr von Krankheitsübertragungen durch Viren und Bakterien in der Kabine zu verringern. Schließlich sind Menschen mit körperlichen Einschränkungen auf die Fahrt mit dem Aufzug angewiesen. (ots)