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Buchmarkt geprägt von starker Belletristik, Sachbuch-Rückgängen

Trotz niedrigerer Preissteigerungen ist dennoch eine gewisse Zurückhaltung bei den Lesern und Käufern zu vermerken. Zahlen für Deutschland stehen in dieser globalen Betrachtung allerdings aus.
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Globaler Buchmarkt 2024
Foto: GfK Entertainment GmbH

Der globale Buchmarkt ist 2024 von einem herausfordernden Umfeld geprägt. Dies zeigt der gemeinsame Report von GfK Entertainment und Nielsen BookData für die Monate Januar bis August. Während das Belletristik-Segment in 14 der 16 untersuchten Länder gestiegene Erlöse verzeichnet und auch Kinder- und Jugendbücher in immerhin neun Regionen zulegen, schneiden Sachbücher bzw. Ratgeber deutlich schwächer ab. Nur fünf Länder vermelden hier ein Plus, was auch Auswirkungen auf den Gesamtmarkt hat. Dieser wächst - bei Umsatz und Absatz - lediglich in sechs analysierten Ländern.

Umsatzentwicklung zwischen +18,3 Prozent in Indien und -9,3 Prozent in Neuseeland
Auf ein besonders gut laufendes Jahr blicken die spanisch- bzw. portugiesischsprachigen Buchmärkte zurück. Sowohl Mexiko (+16,1 Prozent) und Spanien (+12,3 Prozent) als auch Brasilien (+9,5 Prozent) und Portugal (+9,0 Prozent) können sich über steigende Gesamterlöse freuen. In Indien beträgt das Umsatzwachstum sogar +18,3 Prozent, allerdings bei einem vergleichsweise moderaten Gesamtvolumen von 27 Millionen verkauften Büchern. Frankreich (-0,6 Prozent) und Großbritannien (-0,8 Prozent), mit 191 Millionen bzw. 116 Millionen abgesetzten Titeln die größten Buchmärkte innerhalb der Auswertung, liegen hingegen leicht im Minus. Der offizielle Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2024, Italien, registriert mit -0,1 Prozent ein nahezu gleichbleibendes Umsatzniveau, während Neuseeland mit Rückgängen von -9,3 Prozent das Schlusslicht bildet.

Preise steigen weniger stark
Ein weiteres Ergebnis des Reports: Die Preissteigerungen fallen nicht mehr so stark wie in den Vorjahren aus. Zwar klettern die Durchschnittspreise in zwölf der untersuchten Länder weiter in die Höhe, so beispielsweise in Großbritannien um 1,9 Prozent auf 9,02 Pfund. Doch ebenfalls zwölf Regionen registrieren im Vergleich zum Vorjahr niedrigere Steigerungen bzw. sogar fallende Preise, wie u. a. Irland (-1,0 Prozent auf 12,57 Euro) und die Niederlande (-1,0 Prozent auf 16,30 Euro).

TikTok pusht Umsätze bei Krimis, Fantasy- und Liebesromanen
Zu den Belletristik-Warengruppen, die am stärksten zulegen, gehören Krimis und Thriller, die in drei Vierteln der Länder ein Plus erzielen. Die Umsatz-Zugewinne reichen von +3 Prozent (Wallonien) bis +56 Prozent (Portugal). Noch besser läuft es für Science-Fiction- bzw. Fantasy-Bücher, die überall zweistellige Wachstumsraten vorweisen. Auch Liebesromane sind im Trend. Als wichtiger Treiber dieser und vieler weiterer Genres dient die TikTok-Community BookTok, die Autorinnen wie Freida McFadden ("The Housemaid"-Reihe), Rebecca Yarros ("Empyrean"-Reihe) oder Colleen Hoover ("Lily, Ryle und Atlas"-Reihe) viel Aufmerksamkeit beschert. Lesen Sie dazu unseren Beitrag an anderer Stelle in dieser Ausgabe.

James Clears "Die 1%-Methode" ist weltweiter Bestseller
Die Rückgänge bei den Sachbüchern sind zum Teil auf den Wegfall von Top-Titeln wie Prinz Harrys Biografie "Reserve" zurückzuführen, die im vergangenen Jahr hohe Stückzahlen absetzen konnte. Trotzdem hat auch 2024 einige Weltbestseller in diesem Bereich zu bieten. Dazu zählt etwa James Clears Verhaltensratgeber "Die 1%-Methode", der in 13 Ländern die Top 5 der meistverkauften Non-Fiction-Titel erobert. Auf Warengruppen-Basis sind viele Segmente, u. a. auch die nach Corona wieder sehr erfolgreichen Reisebücher, hingegen rückläufig. Verhältnismäßig gut laufen noch Geschichtsbücher und Lifestyle-Ratgeber.

Zur Studie: Basis der Auswertung sind die physischen Point-of-Sale-Daten der Monate Januar bis August 2024 für die Länder Australien, Belgien (Flandern/Wallonien), Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Indien, Irland, Italien, Kolumbien, Mexiko, Niederlande, Neuseeland, Polen, Portugal, Spanien, Südafrika und Schweiz.

Deutschland hierbei:
Die Umsätze im deutschen Buchhandel haben in den letzten Jahren einige Herausforderungen gemeistert. Im Jahr 2021 konnte der Buchhandel trotz rückläufiger Buchkäuferzahlen einen Umsatz von über 9,6 Milliarden Euro erzielen. Der E-Commerce-Handel, einschließlich des Internethandels, hat dabei eine steigende Tendenz.

Im Jahr 2022 ging der Branchenumsatz jedoch um 1,9 Prozent zurück. Die Polykrise, bestehend aus Corona- Pandemie, Beschaffungsengpässen und Energiekrise, hat die Kaufkraft der Verbraucher beeinträchtigt. Dennoch zeigt die Halbjahresbilanz 2023 ein gemischtes Bild: Während der Umsatz über alle Vertriebswege leicht gestiegen ist, bleibt die allgemeine Kauf-zurückhaltung spürbar. (Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels)