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Letzte Aktualisierung: 15.10.2021

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Breitbandausbau schreitet in Frankfurt voran

von Bernd Bauschmann

(12.10.2021) Ohne Internet funktioniert heute nicht mehr sehr viel. Umso bedenklicher ist es, dass Deutschland in Sachen Breitbandausbau im weltweiten Vergleich hinterherhinkt. Vor allem Großstädte wie Frankfurt haben hier Vorteile gegenüber den ländlichen Regionen der Republik. In der Main-Metropole läuft der Ausbau des Breitbandinternets via Glasfaser deutlich schneller als in kleineren und kleinen Städten.

Frankfurt am Main ist bekannt für seine Skyline und als Bankenmetropole
Foto: Unsplash / Igor Flek
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Frankfurt auf den vordersten Plätzen beim Breitbandausbau
Wirft man einen Blick auf die Statistiken zum Breitband-Internet auf dslregional.de, so fällt auf, dass die Stadt am Main gar nicht so schlecht dasteht. Immerhin sind mehr als 90 Prozent der Stadt mit mobilem Internet ausgestattet. Zudem schreitet der Ausbau von DSL und Kabel-Internet gut voran.

Hinsichtlich der Verfügbarkeit bietet Frankfurt bereits zwei Anbieter für Glasfaser-Internet, drei Unternehmen bieten LTE und drei weitere Kabel-Internet. Fünf Anbieter stellen DSL zur Verfügung. Mit bisher nur zwei Anbietern für Glasfaser-Internet ist die Verfügbarkeit des ultraschnellen Internets mit seinen bis zu 1.000 Mbit/s bzw. 1 Gbit/s in der Stadt zwar noch sehr begrenzt, die anderen Internet-Zugangsmöglichkeiten gleichen dies aber einigermaßen gut aus.

Spitzenreiter im deutschlandweiten Ausbau-Wettkampf ist die Hansestadt Hamburg mit 71 Prozent Glasfaseranteil in sämtlichen Haushalten. In Frankfurt sollen es bis 2022 immerhin 42.000 Haushalte sein, was bei insgesamt 408.000 Haushalten etwa 10 Prozent ergibt. Frankfurt könnte es hinsichtlich Breitbandausbau deutlich schlechter ergehen, denn in Bremen sind gerade 3 Prozent mit der schnellen Glasfaser-Internetverbindung ausgestattet.

Die Notwendigkeit für schnelles Internet
Dass aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft eine Notwendigkeit für den Netzausbau in Deutschland besteht, gehört zu den Themen, bei denen ein breiter politischer Konsens besteht. Nicht umsonst wird der Ausbau des schnellen Internets bereits seit 2009 von der Bundesregierung vorangetrieben. Dazu wurde die sogenannte „Breitbandstrategie“ entwickelt.

Bisher lief der Ausbau des Internets deutschlandweit und damit auch in Frankfurt allerdings eher schleppend. Von den insgesamt durch den Staat bereitgestellten 11 Milliarden Euro für den Gigabit-Netzausbau gelten zwar 6,6 Milliarden Euro als ­verplant, allerdings wurden bis Mitte 2020 lediglich 570 Millionen Euro abgerufen. Hier könnte mehr Tempo nicht schaden, denn gerade für die Corona-bedingt angeschlagene Wirtschaft wäre der Zugriff auf die schnelle „Datenautobahn“ aus Glasfaser eine Möglichkeit, große Datenmengen zügig zu versenden, die Geschäfte wieder anzukurbeln und im globalen Wettbewerb zu bestehen.

Deutschland bleibt hinter den eigenen Möglichkeiten zurück
In einem weltweiten Vergleich aus dem Jahr 2020 lag Deutschland bei der Verbreitung von Hochgeschwindigkeits-Breitbandnetzen mit 115,83 Mbits/s lediglich auf Platz 33. Leider ist bereits jetzt deutlich, dass diese Geschwindigkeit für eine intensive Nutzung moderner Anwendungen nicht ausreichen wird. Um Videostreaming, digitalen Unterricht, vernetztes Arbeiten oder Telemedizin effizient nutzen zu können, müssen bestehende Netze unbedingt ausgebaut werden.

Auch beim Breitbandausbau in Frankfurt ist der entscheidende Faktor für die letztendlich zur Verfügung stehende Geschwindigkeit der Datenverbindung die sogenannte „letzte Meile“ und die für sie genutzte Technologie. Um den nächstgelegenen Verteilerkasten mit dem jeweiligen Haushalt zu verbinden, werden Breitbandnetze aus Kupfer-, Kabelfernseh- oder Glasfaserleitungen genutzt. Nicht selten werden verschiedene Technologien miteinander kombiniert.

Die Defizite der deutschen Netzqualität werden durch die bisher sehr häufig verwendeten Kupferkabel verursacht. Die Bundesregierung förderte diese im Zuge des Breitbandausbaus, weil sie schon vorhandene Infrastruktur nutzen wollte. Selbst das Drängen anderer Parteien im Jahr 2015, endlich die Glasfaser stärker zu fördern blieb unerhört und erst im Jahr 2018 distanzierte sich die Bundesregierung von ihrem bisherigen Konzept.

Breitbandausbau wichtig für Telekommunikationsunternehmen
Sowohl private Haushalte in Frankfurt als auch kleine, mittlere und große Unternehmen haben je eigene Ansprüche an das Internet. Allerdings sind die Grenzen fließend, da während der Corona-Pandemie viele Unternehmen ihre Mitarbeitenden ins Homeoffice geschickt haben, wodurch der private und berufliche Bereich miteinander vermischt wurden.

Durch die Tätigkeit vom heimischen Arbeitszimmer aus muss auch das sonst privat genutzte Internet möglichst störungsfrei und vor allem schnell arbeiten, weil neuerdings auch große Datenmengen zwischen dem Unternehmen und dem Mitarbeitenden im Homeoffice hin- und hergeschickt werden müssen. Das Wohnzimmer ist zum zusätzlichen Büro geworden und das reibungslose miteinander arbeiten funktioniert eben nur dann, wenn für Up- und Download wichtiger Dokumente, Grafiken oder Statistiken nicht unnötig viel Zeit vergeht.

Aus diesem Grund bemühen sich die in Frankfurt aktiven Kommunikationsunternehmen, also die deutsche Telekom, Vodafone, 1&1, o2, easybell, eazy, PYUR und vor allem fiberONE darum, die Kunden mit möglichst schnellen Internetzugängen zu versorgen.

Was dem Ausbau häufig im Weg steht, ist die Bürokratie. Denn man darf auch als Telekommunikationsunternehmen in Deutschland nicht einfach die Straße aufreißen, um die begehrten Glasfaserkabel zu verlegen. Hierzu bedarf es zahlreicher, sehr komplexer Verwaltungsvereinbarungen zwischen Bund und Bundesländern. Zudem müssen Richtlinien geschaffen und beachtet werden. Nächste Hürde ist die Ausschreibung und nach dem Zuschlag die aufwendige Planung des Ausbaus, an dem neben dem Telekommunikationsunternehmen weitere Unternehmen beteiligt sind. Auch hier braucht es eine detaillierte Abstimmung.

Bis endlich mit dem Breitbandausbau begonnen wird, können jeweils Monate oder eher Jahre vergehen. Aus diesem Blickwinkel ist es nicht erstaunlich, warum Deutschland beim Ausbau des schnellen Internets auch in Frankfurt nicht so vorankommt, wie es wahrscheinlich gerne würde. Letztlich sind es also vor allem bürokratische Hürden, die dafür sorgen, dass auch die Digitalisierung nicht schnell genug realisiert wird.