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Letzte Aktualisierung: 15.07.2024

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Bregenzer Festspiele: Wer singt wann und warum?

Die Besetzungen des Spiels auf dem See sind fixiert

von Adolf Albus

(08.07.2024) Traditionell verpflichten die Bregenzer Festspiele beim Spiel auf dem See mehrere Sänger für einzelne Rollen. Bis zu drei Mitwirkende wechseln sich in einem Rotationssystem ab. Das schützt die Stimme vor Überbelastung und gewährt damit höchste Gesangsqualität.

Probeneinblick "Der Freischütz"
Foto: Bregenzer Festspiele / Eva Cerv
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Insgesamt 28 Mal steht die romantische Oper von Carl Maria von Weber bei den Bregenzer Festspielen in diesem Jahr auf dem Programm. Das ist nur mit Mehrfachbesetzungen zu bewerkstelligen. Wer aber singt wann und wer entscheidet nach welchen Kriterien? Außergewöhnlich wie das Spiel auf dem See selbst sind auch bestimmte Notwendigkeiten zur Durchführung des Aushängeschildes der Bregenzer Festspiele. Weil in kurzer Zeit sehr viele Aufführungen über die Bühne gehen, sind es beim Freischütz gleich vier große Rollen, die dreifach besetzt werden: Agathe, Ännchen, Kaspar und Max. »Die Partien sind nicht nur stimmlich extrem anspruchsvoll, auch körperlich verlangen wir unseren Sängern einiges ab«, erklärt der künstlerische Betriebsdirektor der Bregenzer Festspiele, Michael Csar. »Wind und Wetter, die enormen Dimensionen der Seebühne und ein Regiekonzept, bei dem die Darsteller am, im und manchmal sogar unter Wasser spielen – all das ist mit einer normalen Opernbühne kaum vergleichbar.«

Auch wenn jeder topfit ist, gegen Krankheit ist niemand gefeit. Es reicht eine Verkühlung, um pausieren zu müssen. Bei einer Dreifachbesetzung der großen, und doppelter Besetzung der anderen Partien sitzt das Leading Team ruhiger. Man weiß, es ist immer jemand da, der eventuelle Ausfälle abdeckt. Die Mehrfachbesetzungen sind – bei rund 7000 Besuchern pro Vorstellung – auch betriebswirtschaftlich sinnvoll, um mögliche Risiken zu reduzieren.

Wenn die einzelne Künstlerin und der einzelne Künstler normalerweise nur alle drei Nächte an der Reihe sind, ergibt sich daraus auch ein gewisser Luxus, den sich Bregenz leisten kann: Nach Probenbeginn bleiben rund drei Wochen Zeit herauszufinden, wer mit wem optimal harmoniert – sowohl musikalisch als auch szenisch. »Es werden alle Konstellationen durchgespielt«, sagt Michael Csar, »und am Ende gibt es keine bessere oder schlechtere Besetzung, sondern drei sehr gut aufeinander abgestimmte, wo Klang und Chemie stimmen.«

Die Entscheidung wird in sehr enger Abstimmung zwischen Intendantin Elisabeth Sobotka, Michael Csar, der Musikalischen Leitung und dem Regieteam etwa zwei Wochen vor der Premiere gefällt. Zu den Kriterien gehört auch die Einschätzung, ob sich jemand auf der riesigen Seebühne bis zum Anschlag gefordert fühlt oder tiefenentspannt mit der Gesamtsituation zurechtkommt. Das kann das Regieteam aus der Nähe am besten beurteilen.