Archiv-Kultur

Bodyfotografien, Silberkannen, Jade-Edelsteine

Museum für angewandte Kunst mit außergewöhnlichen Ausstellungen

Das Museum für angewandte Kunst will in diesem Jahr mit seinem neuen Ausstellungsprogramm an das erfolgreiche Programm von 2017 anknüpfen, das – so Direktor Matthias Wagner K - in seine Museumsgeschichte einging. Acht neue Ausstellungen stehen diesmal auf der Agenda, die er zusammen mit Dorothee Maas, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in den Räumlichkeiten im Schaumainkai 17 präsentierte.

Zunächst wird die Exposition „Präsens von Jil Sander“ bis zum 6. Mai fortgeführt. Seit der Eröffnung im Dezember zieht die Ausstellung, die viel Raum im Museum in Anspruch nimmt, immer wieder neues Publikum an. Jil Sander ist eine der einflussreichsten Modedesignerinnen ihrer Generation. Ihre Bedeutung beruht nicht zuletzt auf einer außerordentlichen Sensibilität, mit der sie Zeitströmungen und Veränderungen in der Gesellschaft erspürt, sie zu deuten und in eine neue Form zu bringen weiß. Wie sich Material und Form von Mode- und Produktdesign auf Modefotografie, Architektur und Gartenkunst auswirkt, das zeigt ihre Gestaltungsfähigkeit. Es ist eine Erzählung im Präsens – daher auch der Titel - , in einer Zeitform also, mit der ein Geschehen als gegenwärtig charakterisiert wird.

Die erste neue Ausstellung (vom 24. Mai bis 9. September) trägt den Titel „RAY Fotografieobjekte Frankfurt/Rhein-Main: Extreme. Bodies“. Sie zeigt zeitgenössische Fotografien und verwandter Medien an über zehn Standorten in Frankfurt und der Region. Was gilt angesichts der digitalen Flut ungefilterter, unzensierter Bilder überhaupt noch als extrem? – so die Fragestellung der Künstler.

Es ist das Extreme, das die Begehrlichkeit weckt, es ins Bild zu bannen und für die Nachwelt sichtbar zu machen, der Ausdruck einer Faszination für das Außergewöhnliche.

Vom 31. Mai bis 26. August werden Lore Kramers Keramiken, ihre Schalen, Vasen, Teller, Dosen und Tassen gezeigt. Sie dienen dem praktischen Gebrauch. Die künstlerischen Arbeiten der heute 92jährigen Dame reichen weit über die Bedeutung Frankfurts und Umgebung hinaus. Diese umfangreiche Ausstellung  zeigt Lore Krämers Zeichentalent und wie sie sich ihrer Tätigkeit an der Werkunstschule Offenbach (heute Hochschule für Gestaltung) intensiv widmete. Sie war später Professorin im Fachbereich Produktgestaltung mit Schwerpunkt Designgeschichte.

„Geraubt, gesammelt, getäuscht. Die Sammlung Pinkus/Ehrlich“ (vom 7. Juni bis 14. Oktober) geht der Raubkunst der Nationalsozialisten nach. NS-Funktionäre beschlagnahmten die kostbaren Silberkannen, –schalen und-bestecke des jüdischen Sammlers Joseph Pinkus bzw. seiner Erbin und Tochter Hedwig Ehrlich. Laut Inventarbuch verbrannten die Artefakte. 2017 konnten jedoch diese Silberobjekte aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Museumsbestand identifiziert werden. Bewusst hatte das Museum nach dem Zweiten Weltkrieg die Herkunft der Stücke verschleiert. Die Schau thematisiert den NS-verfolgungsbedingten Verlust, die Umstände ihrer Erwerbung durch das Museum und den Verbleib der Objekte bis heute.

„Die Farbe von Jade und ihre Bedeutung für die Ewigkeit“ ist Gegenstand einer weiteren Ausstellung ab 14. Juni. Jade ist in China seit jeher kostbarer als Silber und Gold. Mit seinem grau-grünen Glanz gilt der Edelstein in der chinesischen Kultur als Symbol für ein langes Leben und Unsterblichkeit. Daraus erklärt sich die Beliebtheit jadefarbener Keramikglasuren in China seit dem ersten Jahrtausend v. Chr. Eine Auswahl solcher Produkte zeigt das Veranstaltungsforum meet asian art - und die Kunstfertigkeit, wie Menschen in der Lage sind, mit eigenen Händen solche Kunstkeramiken zu schaffen.

Weitere Ausstellungen:

„Michael Riedel. Grafik als Ereignis“ (9. Juni bis 14. Oktober), „Lara protects me. Eine georgische Erzählung“ (22. September bis 20. Januar 2019), „Breaking the Code“ (29. September bis 10. März 2019), „Geburtstort Yokohama. Der Unternehmer Werner Reimers und seine Asiatica-Sammlung“ (25. Oktober bis 24. Februar 2019). Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Dauerausstellungen.

In ihrer Bilanz für das Jahr 2017 verkündeten Matthias Wagner K und Dorothee Maas eine Zunahme der Besucherzahlen auf 131 381  (2016: 130 100). Ihr Durchschnittsalter ist auf 38 Jahre gesunken im Vergleich zu 2013, wo das Alter noch bei 56 Jahren lag. Die Besucherzahlen von Kindern und Jugendlichen habe sich von 2016 auf 2017 mehr als verdoppelt und die Einnahmen durch verkaufte Tickets haben sich in 2017 um etwa 34 Prozent erhöht. Die Stiftung Museum Angewandte Kunst sammelte 2017   450 000 Euro ein, die 1:1 an das Museum übergeben wurden.

Vom Rückblick zum Ausblick auf 2019:

Geplant sind:

„Moderne am Main im Bauhaus-Jahr“

„Stefans Sagments Beauty Show“

„Muslims Frauen Fashion now“

Und „Home of Norway“ unter der Schirmherrschaft der norwegischen Kronprinzessin. Norwegen ist Partner der Frankfurter Buchmesse 2019.