Blumen des Unerwarteten
Ein Buch für die Seele von Gabriele Böhning
Hier kann man in Gefühlen baden, ohne befürchten zu müssen, unterzugehen. Die Hofheimer Schriftstellerin Gabriele Böhning, einem breiten Publikum besonders in der Region bereits bestens bekannt durch zahlreiche Werke mit gefühlsintensiver Lyrik, ergreifender Poesie, weisen Lebensbetrachtungen und Nachdenklichem über Mensch und Natur, gibt dem Leser damit die Möglichkeit, abzuschalten, nachzudenken und für eine Weile dem stressigen Alltag zu entfliehen. Danke Gabi!
Die Komplexität und Vielschichtigkeit des Lebens aufzuzeigen sei ihr Anliegen, hat sie auf einer ihrer Vorlesungen einmal gesagt. Und der Liebe mit ihren zahllosen Facetten, müsste man noch hinzufügen. Für diejenigen, die bislang mit der Autorin noch nicht in Kontakt gekommen sind, hier ein paar Daten zu ihrem Schaffenswerk: 1995 erschien ihr erstes eigenes Buch „Feuervögel“ – Gedicht und Fabeln. Es folgten „Das Lächeln des Wanderers“ – Gedichte und Erzählungen, „Der Hammel Neid und Andere“ – satirische Verdichtung (ausgezeichnet und im Fernsehen präsentiert), „Vögel im Wind“ – Naturlyrik, „Unterhalb der Ravensburg“ – Jugend-Biografie, „Ein Lächeln am Horizont“ – Gedichte zum Trauern.
Gabriele Böhning ist vertreten in zahlreichen Anthologien und Literatur-Zeitschriften, hauptsächlich im renommierten Lyrik-Verlag Edition L. Aufnahme in das „Deutsche Schriftstellerlexikon“ des Bundes Deutscher Schriftsteller, in die „Frankfurter Bibliothek“ und „Das Buch der Dichterhandschriften“ der Brentano-Gesellschaft Frankfurt. Aufnahme in einige Haiku-Anthologien (Ausschreibungen), Mitglied des Freien Deutschen Autorenverbands (FDA)bis 2015.
Es geht noch weiter: Vertonung einiger Gedichte durch Musikdirektor Walter Scharf und deren Aufführung als Chorwerke in Kirchen. Förderung der Lyrik durch Organisation von öffentlichen Lesungen in Hofheim in einem Garten unter Einbeziehung aller Generationen, vor allem neuer junger Talente. Jurytätigkeit zur Ermittlung von Förderpreisen des Lyrikverlags Edition L. Zahlreiche Lesungen in ganz Deutschland, u.a. in Weimar im Goethehaus zugunsten der Rettung verbrannter Bücher der Anna-Amalia-Bibliothek.
Lassen wir´s dabei bewenden und wenden uns den „Blumen des Unterwarteten“ zu. Der Untertitel lautet „Das „Intensive des Lebens“. Das Buch enthält auf 212 Seiten Gedichte, Erzählungen, Märchen und Betrachtungen. Der Inhalt ist entsprechend vielschichtig und, wie Gabriele Böhning bekannte: „Einen Titel dafür zu finden, war nicht einfach.“ Beim Durchsehen der Gedichte und der Märchen fiel ihr allerdings eine Gemeinsamkeit auf, ein roter Faden gewissermaßen, der beinahe alle Texte miteinander verbindet: „Die Vielfältigkeit der Sichtweisen auf ein und dasselbe Geschehen, das durchaus nicht eindeutig ist. Eine einzige ´Tatsache´ hat so viele Facetten, so viele verschiedene Möglichkeiten des Betrachtens oder Bewertens – je na eigenem Erleben, eigener Biografie – dass es nahezu unmöglich ist, d i e eine, einzige Wahrheit davon abzuleiten. Es gibt unzählige Wahrheiten.“
Das Buch enthält, wie gesagt, also Märchen und Gedichte. Beide Literaturformen ermöglichen ein gleichnishaftes, mehr vom Gefühl als vom Verstand her annehmbares Verstehen, Erkennen. Die zahlreichen teilweise archaischen Metaphern verschaffenen einen Zugang zum Unbewussten. Die kleine schwarze Schlange beispielsweise in dem Märchen „Tanz der Kraniche“ verkörpert eine tiefe Weisheit, die der von der reinen Logik besessene Prinz erst mühsam und über schmerzliche Erfahrungen erkennen, erlernen muss. Er ist nicht nur der „kalte Mensch“, der die arme idealistische Prinzessin nur benutzt. Auch er hat Sehnsüchte, kann sie aber (noch) nicht umsetzen, weil ihm die inneren Möglichkeiten dazu fehlen. Die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit des Tanzes der Kraniche wiederum steht für da Sichfallenlassen, das Abgeben der Kontrolle, das reine Empfinden und Erleben. Die Liebe ist eines der großen Themen in diesem Buch, und gerade diese geheimnisvolle Kraft bereitet große Widersprüche.
Eines der Gedichte trägt den Titel „Zerstörerische Kräfte“. Darin kommt ein dämonischer Mensch mit suggestiver, aber auch destruktiver Energie vor. Die Verführung pur. Dennoch wäre es verfehlt, die Verführte als reines Opfer zu betrachten. Sie hat sehr wohl diesen Zauber, diese „süße Sucht“ (ein anderer Gedicht-Titel) genossen, trotz einer latenten Ahnung. Sehr lesenswert! Hier eine köstliche Kostprobe aus der üppigen Fülle des literarischen Menus von Gabriele Böhning, Lesekost eben – die auch nicht so ohne ist, wie schon der Titel „Reisstier“ vermuten lässt:
„Du bist ein gefährlicher Panther. Ich glaube, Du brichst mir das Herz.
Kommst nur so im Unschuldsgewand her, tust so, als sei alles nur Scherz.
Dein Eckzahn verrät Dich als Reisstier, das alles frisst und auch verschlingt.
Du bist ein ganz sich´rer Beweis mir, dass der – der Dir traut, ganz versinkt …
(„Blumen des Unerwarteten“ von Gabriele Böhning, EPLA-Verlag sowie bei der Autorin, ISBN 978-3-945441-34-3)
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