Blau! Weiss! Rot! Die aktuell restaurierte Maria aus Grabungsfunden von St. Leonhard
Foto: Uwe Dettmar
Im Zuge der archäologischen Ausgrabungen in der St. Leonhardskirche wurden im Jahre 2012 in der Bodenaufschüttung und in der Vermauerung des Durchgangs zwischen der äußeren Sakristei (auch Brommenchörlein genannt) und der Salvatorkapelle 137 Steinfragmente von Architekturen und Skulpturen gefunden. Die Stücke konnten nun dem Heilig-Grab-Altar, einem zerstörten Ausstattungsstück von St. Leonhard, zugeordnet werden. Von dessen Existenz ist bislang hauptsächlich aufgrund seiner Abbildungen aus dem 18. Jahrhundert bekannt.
Die Marienfigur, die durch die Restaurierung ihre leuchtende Farbigkeit wiedergewonnen hat, ist Teil dieser gotischen Figurenfunde. Dass sie nun ein Jahr vor den Feierlichkeiten zum 800. Geburtstag von St. Leonhard am 15. August 2019 im Dommuseum gezeigt werden kann, ist den Freunden Frankfurts zu verdanken. Ihr eigens gegründeter Förderkreis St. Leonhard hat die Kosten für die Restaurierung übernommen. Um weitere Skulpturenfunde und Fragmente des Heilig-Grab-Altars restaurieren zu können, sind zusätzliche Spendengelder nötig.
Das Landesamt für Denkmalpflege unterstützt die konzeptionellen und restauratorischen Maßnahmen in besonderer Weise und begleitet die Arbeiten auch durch intensive Forschungen zu diesem außerordentlich bedeutenden Neufund.
Es nehmen teil: Birgit Schwieder (Restauratorin, Köln), Gabriele Gillner (Freunde Frankfurts e.V.), Dr. Andrea Hampel (Denkmalamt der Stadt Frankfurt), Robert Sommer (Dombaumeister, Hochbauamt Frankfurt), Christine Kenner (Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden), Dr. Wolfgang David, Dr. Carsten Wenzel (beide Archäologisches Museum Frankfurt) und Dr. Bettina Schmitt (Dommuseum).
Die Präsentation der Marienfigur ist darüber hinaus der Startschuss für die Planung und Realisierung einer Ausstellung über Sankt Leonhard, die das Dommuseum in Kooperation mit dem Archäologischen Museum sowie der staatlichen und städtischen Denkmalpflege für den August 2019 plant. Neben den sensationellen Funden wie dem Atzmann, einer um 1430/40 entstandenen Beweinungsgruppe aus Ton und dem Heilig-Grab-Altar, werden Säulenkapitelle, Pilgermuscheln, Fußbodenfliesen und Münzen neue, bislang unbekannte Episoden aus der wechselvollen und beeindruckenden Geschichte St. Leonhards erzählen.