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Letzte Aktualisierung: 30.09.2022

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Bildungsdezernentin Weber eröffnet ersten Maker Space für die Lehrerfortbildung

von Ilse Romahn

(15.09.2022) Der gegenwärtige Transformationsprozess von Industrie, Arbeitswelt und Freizeit, oft beschrieben mit den Schlagworten Industrie 4.0, Arbeit 4.0 und Freizeit 4.0 oder den Megatrends, leitet auch einen tiefgreifenden Wandel der arbeits- und lebensweltbezogenen Bildung ein.

Insbesondere die umfassende Digitalisierung aller Lebensbereiche ermöglicht und/oder erzwingt technische, ökonomische und soziale Neuerungen im Spannungsfeld von Innovation und Risiko.

Dieser Prozess stellt Schule und alle am Bildungsprozess Beteiligte vor neue Herausforderungen und Aufgaben, etwa die Entwicklung neuer curricularer und methodisch-didaktischer Konzepte, welche die Kompetenzen von Lehrkräften und Schülerinnen sowie Schülern für die Gestaltung des technischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandels in Arbeit, Bildung und Lebenswelt stärken. Damit sie als emanzipierte Bürgerinnen und Bürger die Gesellschaft mitgestalten können.
 
Als Antwort auf diese Fragen hat das Medienzentrum Frankfurt in Kooperation mit dem Dezernat Medien der Hessischen Lehrkräfteakademie einen Makerspace errichtet: das makerLAB@medienzentrum
 
Ein MakerSpace ist eine offene Lernwerkstatt, in der Menschen zusammenkommen, um Dinge zu erschaffen. Dort kann im Prozess des „Making“ nach Herzenslust experimentiert und produziert werden. Im Unterschied zur traditionellen offenen Werkstatt stehen den Nutzerinnen und Nutzern hier jedoch nicht nur die klassischen Produktionswege zur Verfügung, sondern angelehnt an eine real existente Arbeitswelt kommen computergesteuerte Fertigungsverfahren, beispielsweise 3D-Drucker, Plotter, Lasercutter, und dergleichen zum Einsatz.
 
Zudem können neben klassischen Werkstoffen und Materialien wie Pappe, Kunststoff, Holz und Metall auch Mikrocontroller, Mini-Computer, verschiedene Sensoren und Aktoren zur Produktumsetzung genutzt werden.
 
Making steht somit für das kreative Tüfteln, bei dem sich analoger und digitaler Techniken und Materialen bedient wird, um ein für die Gemeinschaft interessantes Problem, bevorzugt in Teamarbeit, zu lösen, Produkte zu entwickeln oder Produkthaltbarkeiten zu verlängern.

„Ziel des ‚entdeckenden Lernens‘ ist der Lernerfolg durch learning by doing beziehungsweise Making, wobei der Fokus auf der konkreten, kreativen Arbeit liegt und nicht auf dem von den Lehrkräften vorgegebenen Lösungsschema und dem damit provoziertem angepassten Erwartungshandeln der Lernenden“, sagt Merten Giesen, Leiter des Medienzentrums.
 
Pädagogisches Making eröffnet Erfahrungsräume im technischen, künstlerischen und sozialen Bereich. Für das Initiieren von Lernanlässen nach dem Making-Prinzip ist zu beachten, dass diese Form des Lernens geprägt ist durch Freiwilligkeit, Interessens- und Lebensweltorientierung, das Generieren neuer Erfahrungen, das Erleben von Erfolg sowie das Arbeiten als Teil einer Gemeinschaft. Dies stellt im schulischen Kontext sowie im Fortbildungsbereich mit den dort vorherrschenden Strukturen zweifellos eine Herausforderung dar.
 
 „Unsere Schulen sind heutzutage in einem echten Transformationsprozess und hierbei reicht es nicht, Technik in die Klassenräume zu stellen, sondern es braucht kluge Konzepte, um damit sinnvoll umzugehen und Mut, neue Wege zu beschreiten“, sagt Sylvia Weber, Dezernentin für Bildung, Immobilien und Neues Bauen. „Ein echter Makerspace für die Lehrerbildung unterstreicht unsere Ambitionen, die Schulen in Frankfurt hierbei bestmöglich zu unterstützen.“
 
Das makerLAB@medienzentrum dient daher als Schmelztiegel für ein neues pädagogisches Denken im Rahmen der aktuellen Herausforderungen von Schulen, adäquate didaktische und methodische Konzepte für die Bildung in der digitalen Welt zu erstellen. Deshalb dient der Raum vor allem der Fortbildung der Lehrenden. So wollen Medienzentrum und Lehrkräfteakademie zukünftig gemeinsam ein breites Angebot an Fortbildungen von hier aus anbieten. Die Spannweite, der etwa 150 jährlich hier stattfindenden Veranstaltungen, soll von „Coding und Robotik in der Grundschule“ über „Physical Computing“, computergestützte Fertigungsverfahren, bis hin zu 3D Modellierung reichen.
 
Die Veranstaltungen orientieren sich hierbei neben den digitalen Kompetenzen auch an den SDGs den Sustainable Development Goals, den Zielen für nachhaltige Entwicklung, so kann beispielsweise mithilfe von Virtual Reality etwas über Textilproduktion gelernt werden, oder der Einfluss von Lärm auf die Gesundheit und Wohlbefinden mithilfe der Programmierung einer Lärmampel mit dem Calliope erkundet werden.
 
Die Eröffnung des makerLAB@medienzentrum findet am Dienstag, 20. September, ab 11.30 Uhr im stadtRAUMfrankfurt, Mainzer Landstraße 293, statt.
 
Neben kurzen Grußworten aus dem Bildungsdezernat Frankfurt, dem Medienzentrum Frankfurt und der Hessischen Lehrkräfteakademie wird es zahlreiche Gelegenheiten geben, einen genauen Blick auf die zahlreichen Tüftelmöglichkeiten zu werfen. Expertinnen und Experten aus der Lehrerfortbildung stehen an verschiedenen Stationen Rede und Antwort. (ffm)