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Letzte Aktualisierung: 03.12.2021

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Bianca Andrew mit dem Anny Schlemm-Preis ausgezeichnet

von Karl-Werner Joerg

(23.11.2021) Aus Neuseeland kommt die neue Gewinnerin des Anny Schlemm-Preis der Stadt Neu-Isenburg, Bianca Andrew. Im Finale am 13. November setzte sich die Mezzosopranistin gegen ihre Konkurrentinnen aus Schweden, die Sopranistin Karolina Bengtsson, und Karolina Makuła aus Polen, Mezzosopran, durch.

Bianca Andrew
Foto: Leo F. Postl
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Als Nachfolgerin von so erfolgreichen Sängerinnen wie Julia Dawson und vor allem Paula Murrihy, die in der Zwischenzeit die großen Bühnen der Welt erobert, ist sicher auch Bianca Andrew eine große Karriere vorherzusagen.

Zu Ehren von Kammersängerin Anny Schlemm, dem langjährigen und populären Ensemblemitglied und seit 1999 Ehrenmitglied der Oper Frankfurt, hat ihre Geburtsstadt Neu-Isenburg den mit 6.000 € dotierten Anny Schlemm-Preis gestiftet, der 2011 erstmals ausgelobt wurde und alle fünf Jahre in Kooperation mit der Oper Frankfurt an eine junge Sängerin verliehen wird.

Kooperation mit der Oper Frankfurt
Die Qualifikation für das Finale des mit 6.000 € dotierten Preises für Frauenstimmen erfolgt über eine Vorauswahl an der Oper Frankfurt. Teilnahmeberechtigt sind junge Sängerinnen, die von Intendant Bernd Loebe an das Opernstudio der Oper Frankfurt geholt wurden. Als anerkannter Fachmann und Entdecker vieler Weltklasse-Sängerinnen und Sänger gelingt es Bernd Loebe immer wieder, junge Talente zu entdecken und in seinem Opernstudio zu Stars zu formen. So geschehen unter anderem mit Paula Murrihy, die von Bernd Loebe entdeckt wurde, 2011 den Anny Schlemm-Preis gewann und heute bei den Salzburger Festspielen, in der Mailänder Scala, dem Moskauer Bolshoi Theater, dem Londoner Royal Opera House und mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Kirill Petrenko auftritt, um nur einige ihrer Stationen zu nennen.

Ein brillanter Auftritt von Bianca Andrews
Die Final-Jury beim diesjährigen Anny Schlemm-Preis beeindruckte Bianca Andrews mit einem leidenschaftlichen Vortrag der Arie der Marguerite „D'amour l'ardente flamme“ aus Hector Berlioz‘ Oper „La Damnation de Faust“, in der sie die innere Zerrissenheit Marguerites nuancenreich und für das Publikum nahezu körperlich erfahrbar interpretierte. Ihre bewegliche Stimme kam dann beim zweiten Vortrag, der Arie des Xerxes „Crude furie dell'orride abissi“ aus der gleichnamigen Oper Georg Friedrich Händels zum Tragen. Mit perfekter Technik setzte Andrews auch in den schnellsten Läufen, einer Perlenkette gleich, Ton an Ton. Ein auch in den Spitzentönen brillanter Auftritt, der verdient mit dem Anny Schlemm-Preis 2021 ausgezeichnet wurde.

Bianca Andrew – Stationen
Die junge Bianca Andrew hat ebenso wie ihre Vorgängerinnen das Rüstzeug, eine große Sängerin zu werden. Gerade aufgenommen in das Ensemble der Oper Frankfurt – im Übrigen auch ein Teil des Anny Schlemm-Preises – begeisterte sie bei den coronabedingt seltenen Aufführungen als Anna in „L’Africaine“ und Enrichetta di Francia in „I puritani“. In der aktuellen Saison debütiert sie als Adalgisa in „Norma“, als Laura in „Iolanta“, als Zarin in „Die Nacht vor Weihnachten“ und in der „Hosenrolle“ als Dimitri in „Fedora“. Die Gewinnerin des Song Prize beim renommierten Kathleen Ferrier Award 2016 ist eine einfühlsame Interpretin, die ihre Rollen nicht nur singt, sondern im besten Sinne verkörpert. Beim englischen Opernfestival Garsington Opera überzeugte sie ebenso wie bei den Bregenzer Festspielen. Andrew, die nach dem Studium in Neuseeland ihre weitere Ausbildung an der Londoner Guildhall School of Music and Drama fortsetzte, kehrte 2017 für eine konzertante Aufführung der Manon Lescaut an die New Zealand Opera zurück, wo sie als Emerging Artist ihre Opernlaufbahn begann und jüngst als Cherubino zu erleben war.

Die Jury
Zur Jury des Preises gehörten am Finalabend Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, Almut Hein, die Künstlerische Betriebsdirektorin, und Takeshi Moriuchi, Studienleiter, beide auch an der Oper Frankfurt, sowie der Kulturmanager Karl-Werner Joerg, der den Preis im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg konzipiert hat; weiterhin der Bürgermeister der Stadt Neu-Isenburg Herbert Hunkel und Berthold Depper, der langjährige Vorsitzende der Franz Völker-Anny Schlemm-Gesellschaft e. V. in Neu-Isenburg.

Der Anny Schlemm-Preis
Alle fünf Jahre vergibt die Stadt Neu-Isenburg den mit 6.000 € dotierten Anny Schlemm-Preis. Neben dem Preisgeld bekommt die spätere Gewinnerin die Möglichkeit, ihre Ausbildung im Opernstudio der Oper Frankfurt zu vervollkommnen bzw. bei entsprechender Eignung ein Engagement an dem mehrfach als „Oper des Jahres“ ausgezeichneten Haus.

Kammersängerin Anny Schlemm – 50 Jahre auf der Bühne in 135 (!) verschiedenen Partien
Während ihrer über 50 Jahre andauernden Bühnentätigkeit hat Anny Schlemm mehr als 135 Partien gesungen. Dabei entwickelte sich ihre Stimme vom lyrischen und jugendlich-dramatischen Sopran über das Mezzo-Fach bis hin zum dramatischen Alt. Sie wurde 1963 an der Oper Frankfurt zur Kammersängerin ernannt und ist außerdem Ehrenmitglied des Opernhauses in Halle, der Komischen Oper Berlin (1998) und der Oper Frankfurt (1999).

Triumphale Erfolge von San Francisco bis Bayreuth
Anny Schlemm wurde in Neu-Isenburg geboren und erhielt ihre Gesangsausbildung in Halle an der Saale. Bereits im Alter von 17 Jahren wurde sie am dortigen Landestheater engagiert. In 275 Aufführungen gab sie die Boulotte in Offenbachs Ritter Blaubart und in mehr als 175 Vorstellungen feierte sie als Klytämnestra in Strauss‘ Elektra triumphale Erfolge. Sie sang unter anderem in Moskau, Stockholm, Budapest, an den Staatsopern von München, Stuttgart, Hannover, Hamburg und Berlin sowie den Opernhäusern von Köln, Düsseldorf, Dresden und Wien. Auch sang sie in Amsterdam, Genf, Paris, London, Barcelona, Rom, Toronto und San Francisco. Daneben war sie bei den Festspielen von Schwetzingen, Edinburgh und Glyndebourne zu Gast und verkörperte 1978 in Bayreuth die Mary in Wagners „Der fliegende Holländer“. Zahlreiche Schallplatteneinspielungen, Radio- und Fernsehproduktionen runden die künstlerische Tätigkeit Anny Schlemms ab, die im Alter von über 70 Jahren noch als Mama Lucia in Mascagnis „Cavalleria rusticana“ in Frankfurt auf der Bühne stand.