Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 26.10.2020

Werbung
Werbung

Beziehung Mensch und Tier im Wandel

Ausstellung „tierisch ernst?“ im Ledermuseum Offenbach

von Karl-Heinz Stier

(02.10.2020) „Die in jüngster Zeit vermehrt geführten Debatten um das Tierwohl lassen ethische und ökologische Fragen lauter werden und regen zum Nachdenken an, wie sich die jahrtausendealte Beziehung zwischen Mensch und Tier heute unter nachhaltigen Aspekten gestalten lässt“, so begründete Museumsleiterin Dr. Ines Florschütz den Hintergrund der neuen Ausstellung, die am Samstag eröffnet wird und bis zum 30. Mai 21 dauert.

Bildergalerie
Plakat zur Ausstellung „tierisch schön?“
Foto: Foto: Karl-Heinz Stier
***
Pythonleder-Mantel
Foto: Copyright DLM, C. Perl-Appel
***
Krokodilleder-Handtasche mit Echse
Foto: Copyright: DLM, L.Brichta
***
Pumps mit Tierfell von Walter Steiger
Foto: DLM, M Özkilinc
***
Skulptur von Marcel Walldorf Frankfurt
Foto: Copyright: VG Bild-Kunst
***
Sessel der Campana-Brothers „Cake Stool“
Foto: Copyright: VG Bild-Kunst
***

Mit einem solchen Diskurs könne und solle ein Museum, dessen Sammlung auf Exponate aus tierischen Materialien spezialisiert ist, einen Beitrag leisten. Nicht zuletzt habe das Ledermuseum (DLM) in Offenbach mit seiner Fokussierung auf Leder und artverwandte Materialien weltweit ein Alleinstellungsmaterial in der Museumswelt. Über 30 000 Objekte zeugen von der globalen Verwendung und der kulturhistorischen Bedeutung des Werkstoffes Leder. Aber – so meinte Die Museumsleiterin – Bestände alternativer Materialien werden in den letzten Jahren gezielt um vegane und recycelbare Stoffe erweitert.

Mit der Ausstellung „tierisch schön?“ rückt das DLM auf acht Themenfeldern die vieldeutige Ästhetik der Exponate in den Fokus und nimmt seine eigene Sammlung kritisch in den Blick. Welche Rohstoffe  wurden und werden von Menschen genutzt und wozu? Welche Rolle spielen die Einteilung von Tierarten  in Nutz– und Haustiere? Wie kommt es zum Wandel in Moden? Was bedeuten Artenschutz und Veganismus? - fragt Dr. Florschütz.

Um dafür Antworten zu finden, führt ein Parcours durch die Ausstellungsräume und lädt die Besucher ein, die Objekte unter dieser Perspektive neu zu betrachten. Über 50 Exponate erzählen vom Umgang mit Tieren, ihrer Nutzbarmachung und Aneignung durch den Menschen und lassen auch den gesellschaftlichen Wandel ablesbar werden. Tierische, zu Kleidung verarbeitete Materialien dienen nicht nur als Schutz vor Kälte und Nässe, sondern auch als Schmuck sowie der gesellschaftlichen Repräsentation. So verdeutlicht ein Mantel aus Pythonhaut oder eine Handtasche aus Leguanleder mit aufgesetzter Echse den Wunsch, Extravaganz zum Ausdruck zu bringen. Seit einigen Jahren sind „Animal Prints“ überall zu sehen. Kunstdrucke werden dafür auf Textilien, zuweilen auch auf Tierfellen angebracht - wie zum Beispiel bei ausgestellten Pumps.

Felle und Federn werden als symbolisch-kulturelle Bedeutungsträger verwendet. So gilt eine Helmmütze aus dem Kongo oder ein Schild aus Nordamerika als Vorstellung, dass sich die Stärke eines Tieres durch die Übernahme von Löwenzähnen oder Adlerfedern auf den Menschen übertragen lässt. Die Macht über das erlegte Beutetier wird als Jagdtrophäe zur Schau gestellt.

Heute bevölkern Tiere mehr denn je die Wohnungen. Sowohl in Kinderzimmern als auch in Wohnräumen sind sie allgegenwärtig, zum Beispiel ein Hocker in Form eines Elefanten. Auch in Literatur und Film treten niedliche und vermenschlichte Tiere als Hauptakteure auf, wie die tierischen Charaktere der „Museumsratten“ einer Fernsehserie der Augsburger Puppenkiste (1967), von der eine Folge auch im DLM spielt.

Bereichert wird die Sammlung um zeitgenössische künstlerische Positionen, die mit den Exponaten in Dialog treten. Die Skulptur St. Bernetto von Marcel Walldorf aus Frankfurt kommentiert das Mensch-Tier-Verhältnis eines Hundes in italienischem Porzellan und Tierpräparat mit echtem Tierfell oder die Campana Brothers aus Brasilien mit einem humorvollen und surrealen Designobjekt, ein aus Dutzenden von Kuscheltieren gefertigten Sessel, auch Cake Stool genannt.

Die Ausstellung „tierisch schön?“ ist Teil des Kooperationsprojektes „Artentreffen“ entlang der S-Bahnlinie 8 mit der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden. Die drei Kulturinstitutionen beleuchten mit zeitgleichen Ausstellungen die verschiedenen Facetten der Beziehungen von Mensch und Tier.

Öffnungszeiten der Ausstellung: DI bis SO von 10 bis 17 Uhr und jeden zweiten DO im Monat bis 20 Uhr.

Weitere Infos unter www.ledermuseum.de und Tel: (069)829798-11.