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Letzte Aktualisierung: 01.07.2022

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Betriebliche Krankenversicherung

Wenn der Chef den Chefarzt bezahlt

von Adolf Albus

(22.06.2022) Rund 40 Prozent der Ausbildungsplätze in Deutschland sind im vergangenen Ausbildungsjahr nicht vergeben worden, belegt eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Besonders in Süddeutschland und den neuen Bundesländern spitzt sich der Fachkräftemangel aufgrund der alternden Gesellschaft zu.

Wer beruflich weiter Karriere machen oder nach dem Schul- oder Studienabschluss eine Ausbildung oder eine Festanstellung beginnen möchte, hat gute Chancen auf Zusatzleistungen seines Arbeitgebers.

Mehr als jedes zweite Unternehmen sieht laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWI) im Fachkräftemangel die größte Gefahr für seine Geschäftsentwicklung. Immer mehr Arbeitgeber werden daher aktiv, um erfahrene Mitarbeiter zu halten oder neue zu gewinnen. „Zusatzleistungen des Arbeitgebers wie eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) stehen bei Mitarbeitern hoch im Kurs. Haben Bewerber die Wahl zwischen mehreren Stellenangeboten, geben sie oft den Ausschlag“, sagt Philipp Köster, Leiter des Vertriebszentrums der Barmenia Versicherungen Frankfurt am Main.

Privatpatient im Krankenhaus
Laut Köster ist eine betriebliche Krankenversicherung auch ein Zeichen für einen besonders fürsorglichen Arbeitgeber, denn über eine bKV lassen sich meist auch Familienangehörige versichern. Welche Leistungen ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern auf diesem Wege zukommen lässt, ist unterschiedlich. Am verbreitetsten ist die Versicherung eines Krankentagegelds, der Zahnvorsorge oder von zusätzlichen Gesundheitschecks. „Manche Arbeitgeber bezahlen ihren Mitarbeitern auch die komplette Behandlung als Privatpatienten, wenn sie doch einmal ins Krankenhaus müssen. Der Chef zahlt gewissermaßen den Chefarzt“, sagt Köster.

Entscheidungsfreiheit für die Mitarbeiter
Einige Versicherer bieten Arbeitgebern inzwischen sogenannte Budget-Tarife an: Hier haben die Mitarbeiter selbst die Wahl, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen möchten. Ob ambulante und zahnärztliche Versorgung, Naturheilverfahren, Vorsorge und Schutzimpfungen, Beratungs- und Assistance-Leistungen, nur innerhalb des festgelegten Jahresbudgets muss es sein. Vor allem für gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer sind solche Budget-Tarife attraktiv. Mithilfe ihres Arbeitgebers können sie Leistungen in Anspruch nehmen, die die Krankenkassen nicht bezahlen.

Auch für Arbeitgeber attraktiv
Was Arbeitgeber von einer betrieblichen Krankenversicherung haben, außer der Aussicht auf gute Mitarbeiter und ein positives Image? Zwar bedeutet eine bKV zusätzliche Kosten, doch ist die Versicherung einer Gruppe von Menschen günstiger als die von Einzelpersonen. Das hat mit Risikostreuung zu tun. Vor allem aber zeigen Untersuchungen, dass bKV-Versicherte seltener langzeiterkranken und auch die Anzahl ihrer Fehltage deutlich niedriger ist als bei Unversicherten. Zumindest ein Teil der Kosten für eine betriebliche Krankenversicherung dürfte also durch eine höhere Produktivität wieder hereinkommen.