Archiv-Nachrichten

Besatzung des Patenschiffs der Stadt Frankfurt hilft im Kinder- und Jugendheim der Stiftung Waisenhaus

Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler und Ordnungsamtleiter Jörg Bannach unterstützen Hilfsprojekt

Wenn die 21 Kinder und Jugendlichen des Sachsenhäuser Kinder- und Jugendheims der Stiftung Waisenhaus aus der Schule kommen und ihre Hausaufgaben gemacht haben, dann gehen sie gerne auf ihren Spielplatz. Dort stehen ein Fußballtor, ein Bauwagen mit einer Veranda, ein kleines Karussell und eine Wiese zum Spielen und Toben.
2018-08-23_Besatzung_des_P_1_(c)Rainer_Rueffer.jpg
Marinesoldaten des Einsatzgruppenversorgers \'Frankfurt am Main\' überreichen Infotafel an Jörg Bannach und Stephan Siegler
Foto: Rainer Rüffer

Genau dieser Spielplatz war in den vergangenen Tagen Arbeitsplatz von sechs Marinesoldaten des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“. Die Abordnung des Patenschiffs der Stadt ist wie jedes Jahr gekommen, um den Spielplatz der Kinder auf Vordermann zu bringen. Dieses Mal wird das Dach des Bauwagens neu abgedeckt, sein Inneres bekommt eine Vertäfelung. Für das Spielhaus gibt es Türen.

„Uns macht es großen Spaß. So können wir auch dem Alltag entfliehen und dabei den Kindern etwas Gutes tun“, sind sich die Soldaten einig. Sie nehmen an der freiwilligen Aktion in ihrer Freizeit teil. Die sechs Mann starke Abordnung ist mit verschiedenen Berufen vertreten: Zu ihnen gehören unter anderem ein Schreiner, ein Elektriker, ein Fahrzeuglackierer und ein Garten- und Landschaftsbauer. Die Expertise der Berufs- und Zeitsoldaten kommt hier wie gerufen.

Mehr Bewerber, als Plätze zur Verfügung stehen
Für den Einsatz beim Kinder- und Jugendheim hätten sich viele Kameraden gemeldet, berichten die Soldaten. Über alle Dienstgrade hinweg können sie sich für den freiwilligen Einsatz bewerben – und es gibt jedes Jahr mehr Bewerber, als Plätze zur Verfügung stehen. Sechs fahren nach Frankfurt und helfen im Heim. Diese Patenschaft existiert bereits seit über 15 Jahren.

Unterstützt wird die Aktion des Marineschiffs von Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler und Jörg Bannach, dem Leiter des Ordnungsamtes. Gemeinsam mit dem FSV Frankfurt haben sie die Soldaten auf dem Spielplatz besucht. Doris Mollath-Zündorf, Leiterin des Kinder- und Jugendheims der Stiftung Waisenhaus, zeigt ihren Besuchern das Haus und berichtet von der Arbeit im Heim. „Es ist schön, von außen Unterstützung zu bekommen. Unser Budget ist zwar ausreichend, aber für Extras, zum Beispiel zur Ausgestaltung der Zimmer, Ferienfahrten und dergleichen sind die Mittel nicht ausreichend. Es tut den Kindern unheimlich gut, zu erleben, dass andere etwas für sie tun – und das Ganze unentgeltlich und in ihrer Freizeit. Damit wird ihnen Wertschätzung und Anerkennung entgegengebracht“, sagt Mollath-Zündorf, die seit 1989 das Kinder- und Jugendheim leitet.

Freier Wille statt Befehl
Die Patenschaft mit dem Kinderheim hat Tradition. Seit gut zehn Jahren betreut Jörg Bannach diese. Bannach ist selbst Reserve-Offizier und leitete jahrelang die Frankfurter Reservistenkameradschaft. Deshalb war es für ihn auch keine Frage, sowohl die Patenschaft als auch die Abordnung der „Frankfurt“ zu betreuen und zu unterstützen. Als Reservist versteht sich der Ordnungsamtsleiter als Bindeglied zwischen den Soldaten und der Stadtverwaltung. Anfangs sei die Abordnung per Befehl nach Frankfurt gekommen. „Das ist aber lange nicht mehr so. Die Idee, die Patenschaft für das Kinderheim zu übernehmen, kam selbst aus der Besatzung der ‚Frankfurt am Main‘“, berichtet er. Das Erfolgsrezept sei, dass sich alle Beteiligten mit der Patenschaft identifizieren, betont Bannach. „Es ist der Spirit des Gemeinschaftlichen. Er trägt das Projekt seit Jahren. So haben sich viele gute Freundschaften entwickelt.“

Zusammenbringen, was zusammenpasst
Stephan Siegler ist für derartige Projekte immer zu begeistern: „Ich bringe gerne Leute zusammen, die zusammenpassen. So haben alle etwas davon. Denn freiwillige Projekte leben von der Motivation und dem Spaß an alledem. Es ist eine gute Sache, die den Kindern hilft und den Helfern einen Sinn gibt. Das ist auch unsere Aufgabe als Stadt: Leute zusammenzubringen zum Vorteil derjenigen, die Hilfe brauchen.“ Als Vize-Präsident des FSV Frankfurt hat Siegler auch sportliche Verstärkung mitgebracht: FSV-Stürmer Vito Plutt, der Sportliche Leiter des FSV Thomas Brendel und Christian Sollich, Leiter Marketing. Denn der FSV möchte die Patenschaft des Einsatzgruppenversorgers unterstützen. „Der Einsatz und die Aktion der Abordnung haben uns überzeugt. Es ist toll mit welcher Leidenschaft alle Beteiligten dabei sind. Das passt gut zu unserem Verein. Deshalb wollen wir die Abordnung und das Heim langfristig unterstützen. Das war kein einmaliger Besuch unsererseits“, sagt Christian Sollich. In den nächsten Wochen werde man mit der Heimleitung überlegen, was der FSV für das Projekt und die Kinder- und Jugendlichen machen kann.

Wertschätzung entgegenbringen und motivieren
Stadtverordnetenvorsteher Siegler weiß, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist. Auch er hat als junger Mensch im Fußballverein gespielt und vom Ehrenamt profitiert. Und als Stadtverordneter hat er sich über 20 Jahre mit dem Thema Erziehungshilfe beschäftigt: „Ich kenne daher auch das Kinder- und Jugendheim der Stiftung Waisenhaus, und ich weiß um die Nöte und Sorgen.“

Diese kennt auch die Besatzung der „Frankfurt am Main“ und schickt jedes Jahr auch eine Abordnung auf den Frankfurter Weihnachtsmarkt. Dort verkaufen die Kameraden Glühwein, warmen Kakao und Kinderpunsch – die Einnahmen gehen an das Kinder- Jugendheim. Ein Teil der Einnahmen wird dann für die Pflege des Spielplatzes verwendet. Denn die Soldaten wollen nicht einfach Geld überreichen, sondern den Kindern zeigen, dass sie wichtig sind. „Es ist ein guter Geist, der sich über die Jahre entwickelt hat und bei jedem Einsatz von Neuem erweckt wird“, sagt Bannach. Diesen nehmen die Soldaten mit aufs Schiff und er wirkt auch im Kinder- und Jugendheim: als Wertschätzung und Motivation für die Kinder.

Auch die Stadt wurde dieses Mal mit einem Geschenk bedacht: Die Abordnung überreichte Siegler und Bannach eine Infotafel für das Modell des Einsatzgruppenversorgers, das vor dem Plenarsaal im Römer ausgestellt ist. Die Infotafel wurde bereits im Mai im Rahmen der Jubiläumsfeier des Schiffes in Wilhelmshaven offiziell übergeben und fand nun ihren Weg in die Patenstadt.

Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“
Das Patenschiff „Frankfurt am Main“ ist in Wilhelmshaven stationiert und gehört zum Trossgeschwader der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven. Der Einsatzgruppenversorger der Klasse 702 bildet zusammen mit den Schwesterschiffen „Berlin“ und „Bonn“ die größte schwimmende Einheit der Marine. Das Schiff dient als Hauptversorgungsplattform einer Einsatzgruppe bestehend aus mehreren Schiffen und ermöglicht einem solchen Einsatzverband, bis zu 45 Tage ohne Versorgung vom Land zu operieren.

Am 5. Januar 2001 taufte Oberbürgermeisterin Petra Roth das Schiff auf den Namen der Stadt. Mit einer Stammbesatzung von 13 Offizieren, 26 Portepeéunteroffizieren, 44 Unteroffizieren und 72 Mannschaften ist das Schiff weltweit im Einsatz.