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Beinahe ausgebrannt – und das dauerhaft

Was über das Burn-on-Syndrom bekannt ist

In der Welt der Psychotherapie gibt es ständig neue Erkenntnisse und Begriffe, die das Verständnis psychischer Belastungen vertiefen. Aktuell rückt ein Phänomen verstärkt in den Fokus, das als Vorstufe des Burn-outs betrachtet wird: das Burn-on-Syndrom. Anders als beim klassischen Burn-out, bei dem Betroffene bis zur vollständigen Erschöpfung ausbrennen, äußert sich das Burn-on-Syndrom auf subtilere Weise.

Dr. med. Steffen Häfner, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und ärztlicher Direktor der Klinik am schönen Moos, erklärt: „Personen, die unter Burn-on leiden, zeigen zwar noch die Fähigkeit, ihren alltäglichen Aufgaben nachzukommen. Gleichzeitig fühlen sie sich aber dauerhaft überfordert und ausgelaugt. Die Bewältigung des Alltags erfolgt praktisch mit letzter Kraft und in der Regel müssen als Erstes Freizeitaktivitäten dem Druck weichen.“

Jenseits der Belastungsgrenze
Dauerhafte Erschöpfung, Schlafprobleme, Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder Verspannungen – die gängigen Symptome des Burn-ons zeigen sich am ganzen Körper. Doch im Gegensatz zum Burn-out bleibt der komplette Zusammenbruch aus. Um weiterhin die To-dos des Alltags bewältigen zu können, leiden häufig Hobbys und soziale Beziehungen. Hinzu kommt: Beim Burn-on bleibt, trotz der Überforderung, eine positive Einstellung, beispielsweise gegenüber der Arbeit, erhalten. Betroffene von Burn-out entwickeln hingegen eher eine resignierende und ablehnende Einstellung zum Auslöser der Belastung. Ein weiterer Unterschied zwischen Burn-out und Burn-on liegt in der zeitlichen Dimension. „Während Burn-out akut ist, manifestiert sich Burn-on chronisch, was den Ausstieg aus dem Teufelskreis erschwert. Betroffene neigen dazu, ihre anhaltenden körperlichen Symptome wie Verspannungen oder Schlafprobleme isoliert zu betrachten. Viele suchen daher oft Hilfe bei Physiotherapeuten, ohne die eigentliche Ursache zu erkennen“, erklärt Dr. Häfner.

Neues Phänomen
Burn-on als Begriff ist noch relativ neu und aussagekräftige Studien fehlen bislang. Dennoch gibt die Beschreibung vielen Betroffenen die Gewissheit, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind. „Die Gründe für das Auftreten von Burn-on sind vielfältig und spiegeln die Belastungen unserer Leistungsgesellschaft wider. In der Regel spielen ständige Erreichbarkeit, hohe eigene Ansprüche, Herausforderungen der Kinderbetreuung oder finanzielle Nöte eine wichtige Rolle. Und auch Studenten und Berufseinsteiger sind von diesem anhaltenden Druck betroffen“, erklärt Dr. Häfner.

Wege aus dem Hamsterrad
Wer dauerhaft vor Erschöpfung ächzt, sollte seine Symptome ernst nehmen. Dr. Häfner gibt einige Tipps, um dem Burn-on-Syndrom entgegenzuwirken.

1.     Stress erkennen: „Als A und O erweist sich, überhaupt zu erkennen, dass die Belastung auf lange Sicht überhandnimmt. Sobald immer mehr freudebringende Aktivitäten aus dem Alltag verschwinden, gilt es zu handeln.“

2.     Leben entschleunigen: „Momente der Ruhe und Entspannung kommen bei vielen Menschen häufig zu kurz. Um dem ständigen Druck entgegenzuwirken, müssen Betroffene aber nicht gleich ihr komplettes Leben umkrempeln. In vielen Fällen helfen bereits kurze Rituale der Achtsamkeit, Social-Media-Pausen und feste Zeiten für Hobbys.“

3.     Resilienz ausbauen: „Wichtig ist es, die mentale und emotionale Widerstandskraft zu stärken. So lassen sich die Anforderungen des Alltags besser bewältigen. Mehr Akzeptanz, Optimismus und eine weniger perfektionistische Einstellung lassen sich wie ein Muskel trainieren.“

4.     Professionelle Hilfe: „Wer sich dauerhaft überfordert fühlt, sollte nicht zögern, Unterstützung bei der Stressbewältigung in Anspruch zu nehmen. Hausärzte und Psychotherapeuten können Betroffenen weiterhelfen.“

Weitere Informationen unter www.klinik-a-s-moos.de