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Letzte Aktualisierung: 12.08.2020

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Beim Glas der bayerischen Könige

von Karin Willen

(14.07.2020) Tierwelt, Abenteuer in der Natur und Wald: Da fehlt doch noch was im Bayerischen Wald! Natürlich, die Glastradition. Ein Besuch in der Kristallglasmanufaktur Theresienthal.

Bildergalerie
Nach alter Tradition: Glasmacher in Theresienthal
Foto: Karin Willen
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Jeder Schritt mit der Hand: In unzählige Schritten wächst das kleine Glaskunstwerk
Foto: Karin Willen
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Auslage im Verkaufsraum: Gläser für den Gebrauch
Foto: Karin Willen
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Noch ehe sich im im Bayerischen Wald die Holzindustrie etablierte, bestanden schon Glashütten. Wahrscheinlich ist die Kunst des Glasmachens durch den Handel auf dem Goldenen Steig vom Salzkammergut nach Böhmen ins Waldland gekommen. Dieser Handelsweg ist seit 1010 nachgewiesen.

Die Vorbedingungen waren optimal: Quarz und Holz waren genug vorhanden. Die erste Zwieseler Glashütte wurde 1421 im heutigen Ortsteil Rabenstein gegründet. Im Nachbarortsteil Theresienthal wird Kristallglas auf Geheiß Ludwig I. seit 1836 hergestellt. Bis heute, und zwar in Handarbeit.

Luxusglashersteller

Die Bautätigkeit Ludwigs II. verschaffe der Hütte bis 1886 zahlreiche Aufträge. In einer Zeit, in der Pioniere wie Johann C. Weck ab 1900 die Herstellung von Gebrauchsgläsern industrialisierten, belieferte die Manufaktur auch andere europäische Königshäuser und den Zarenhof mit ihren Pretiosen. Seit Ende des II. Weltkrieges erwarb sich die Kristallglasmanufaktur Theresienthal international einen Ruf als handwerklich geprägter Luxusglashersteller. Noch heute entstehen in der denkmalgeschützten Ofenhalle Weingläser, Krüge oder Vasen von Meisterhand und in reiner Handarbeit.

Sicher: Modern und praktisch geht anders, ist bezahlbarer und sieht vor allem schlichter aus. Wie anders auch die Arbeitsbedingungen sind, zeigt die Führung durch die Manufaktur. Ruhe, Geschick, Präzision und viel Erfahrung zeichnen die verschiedenen Handwerke des Glasgewerbes aus. Die vielen Arbeitsschritte vom Vorbereiten der Formen über das Glasblasen bis hin zum Gravieren, Schleifen, Malen und Vergolden rechtfertigen den Preis.

In der historistischen Villa nebenan sind die königlichen Pretiosen zu sehen. Das private Glasmuseum stellt aber auch moderne Glaskunst aus.

Theresienthal liegt an der Glasstraße. Die 250 Kilometer lange Ferienstraße in Ostbayern verbindet Hütten, Ateliers und Museen der bedeutendsten deutschen Glasregion, die an den Nationalpark grenzt.