Begegnung mit dem Google-Auto
Da fährt man an einem sonnigen Wochenendtag mit dem Fahrrad durch die Straßen und plötzlich steht es vor einem: eines der berühmten Google-Autos mit der markanten Kamera auf dem Dach. Im Vorbeifahren fiel auf, dass das Fahrzeug ein französisches Kennzeichen trug. Neugierig geworden, kommt man mit dem Fahrer ins Gespräch. Ein sympathischer Mann, vielleicht Anfang dreißig, der sich gerne ein paar Minuten Zeit nahm, um über seine Arbeit zu sprechen.
Foto: Poppe/frankfurtlive
Seine Aufgabe bestand darin, im Rhein-Main-Gebiet bereits vorhandene Aufzeichnungen zu ergänzen und zu aktualisieren. Vereinfacht gesagt: Er verpasste den vorhandenen Daten den letzten Schliff. Interessant war dabei vor allem die Frage, warum ein Fahrzeug mit französischem Kennzeichen in Deutschland unterwegs ist. Die Erklärung ist, dass Google europaweit mit spezialisierten Dienstleistern und Fahrzeugflotten arbeitet und die Autos dort eingesetzt werden, wo sie gerade benötigt werden. Sicher bestätigen konnte der Fahrer jedoch nur seinen aktuellen Auftrag in der Region.
Im Gegenzug erhielt er einige Tipps zu Frankfurt und seinen Freizeitmöglichkeiten. Auch das kam im Gespräch zur Sprache: Selbst mit Google Maps hatte er sich an einem Samstag nicht immer leichtgetan. Das Mainuferfest sorgte für gesperrte Straßen, Umleitungen und Menschenmassen. Da half auch moderne Technik nicht unbedingt weiter.
Damit stellt sich eine akute Frage: Warum häufen sich in letzter Zeit die Klagen über die Unzuverlässigkeit von Navigationssystemen? Wer in den vergangenen Sommerferien durch die hintere Wetterau unterwegs war, konnte leicht den Eindruck gewinnen, dass sowohl fest eingebaute Fahrzeugsysteme als auch Google Maps gelegentlich ihre Schwächen haben. Gesperrte Straßen, widersprüchliche Kartendaten oder kurzfristige Verkehrsänderungen können dazu führen, dass man sich trotz digitaler Helfer verloren fühlt.
Man erinnert sich dabei fast nostalgisch an frühere Zeiten zurück. Damals wurde bei Unsicherheit einfach der Shell-Autoatlas aus dem Handschuhfach geholt. Das dauerte zwar etwas länger, vermittelte aber oft einen besseren Überblick über die gesamte Region.
Auf der anderen Seite sind die Vorteile von Google Maps unübersehbar. Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten oder Freizeiteinrichtungen lassen sich innerhalb von Sekunden finden. Besonders praktisch sind die Echtzeitnavigation, die Darstellung von Verkehrsbehinderungen und die inzwischen beeindruckenden Ansichten aus der Vogelperspektive oder auf Straßenebene. Wer heute eine fremde Stadt besucht, kann sich so oft deutlich schneller orientieren als noch vor wenigen Jahren.
Für einen amüsanten Abschluss sorgten zwei junge Männer, die während des Gesprächs dazukamen. Sofort wollten sie unbedingt für Google Street View posieren, auch wenn die Aufnahme, wie sie selbst lachend zugaben, eher etwas „schräg“ geworden wäre. Der Fahrer erklärte ihnen jedoch, dass das System nach einer kurzen Pause von einigen Minuten erst wieder neue Aufnahmen verarbeiten könne. So blieb es bei einem kurzen Plausch und einer netten Begegnung am Straßenrand.
Manchmal sind es eben nicht die großen technischen Innovationen allein, die in Erinnerung bleiben. Oft sind es die kleinen Gespräche mit den Menschen dahinter, die einer Technologie ein Gesicht geben. Und so wurde aus einer zufälligen Begegnung mit einem Google-Auto eine interessante Unterhaltung über Karten, Navigation und die Frage, wie wir heute unseren Weg durch die Welt finden.
Vom Telefonbuch zu Google Maps - Der wahre Gewinner heißt Google
Die Begegnung mit dem Google-Fahrzeug wirft noch eine andere Frage auf: Wer bezahlt eigentlich den enormen Aufwand, Straßen auf der ganzen Welt zu fotografieren, Kartendaten zu pflegen und Navigationsdienste ständig zu aktualisieren?
Die Antwort liegt im Geschäftsmodell. Denn hinter Google Maps steht nicht nur ein praktisches Navigationswerkzeug, sondern ein milliardenschweres Werbe- und Datenökosystem.
Bis in die 1990er Jahre hinein verdienten Telefonbuch- und Branchenbuchverlage mit ihren gedruckten Verzeichnissen ausgezeichnet. Wer als Handwerker, Restaurant oder Hotel gefunden werden wollte, kam an den Gelben Seiten, dem Telefonbuch oder dem Örtlichen kaum vorbei. Die Werbeeinnahmen der Branche gingen in Deutschland zusammengenommen in die Hunderte Millionen D-Mark pro Jahr. Damals besaßen praktisch alle Haushalte ein Telefonbuch, und ein Brancheneintrag gehörte für viele Unternehmen zum Pflichtprogramm.
Heute hat sich die Welt grundlegend verändert. Die gedruckten Verzeichnisse existieren zwar noch, spielen aber wirtschaftlich nur noch eine Nebenrolle. Stattdessen suchen Verbraucher nach Restaurants, Hotels, Ärzten oder Handwerkern direkt bei Google oder in Google Maps. Die früheren Verlage haben ihre Angebote weitgehend ins Internet verlagert und kämpfen dort um Sichtbarkeit.
Google Maps selbst veröffentlicht keine Deutschland-Umsätze. Klar ist jedoch, dass der Dienst eng mit dem Werbegeschäft von Google verbunden ist. Unternehmen können in Google Maps gezielt Anzeigen schalten und erscheinen dann als hervorgehobene Einträge, wenn Nutzer in ihrer Umgebung nach passenden Angeboten suchen. Wie sehr die Digitalplattformen zum Beispiel das Werbegeschäft in Deutschland dominieren, zeigt eine Grafik. Mit bald Zweidrittel aller Werbeumsätze haben sie schon lange die klassischen Medien wie Zeitungen, Radio und andere überholt und stehen in der Kritik bezüglich unfairen Wettbewerbs.
Ihre Reichweite ist beeindruckend: Nach von Google veröffentlichten Zahlen wird Google Maps weltweit von mehr als zwei Milliarden Menschen pro Monat genutzt. Zudem sind rund 250 Millionen Orte und Unternehmen auf der Plattform verzeichnet.
Ein besonders interessanter Vergleich betrifft das Nutzerverhalten. In den 1990er Jahren griff praktisch jeder Telefonbesitzer bei Bedarf zum örtlichen Telefonbuch. Heute erfolgt die lokale Suche überwiegend digital. Restaurants, Tankstellen, Hotels, Freizeitangebote oder Handwerker werden meist direkt über Google Maps oder die Google-Suche gefunden. Genaue Vergleichszahlen für Deutschland gibt es zwar nicht, doch die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte zeigt eindeutig, dass digitale Kartendienste die klassischen Telefon- und Branchenbücher weitgehend abgelöst haben
Klassische Werbe- und Informationsmedien wie Müllers Telefonbuch, Das Telefonbuch oder die Gelben Seiten waren über Jahrzehnte wichtige Werkzeuge zur Suche nach Personen, Unternehmen und Dienstleistungen. Mit der Verbreitung des Internets verloren die gedruckten Verzeichnisse jedoch zunehmend an Bedeutung. Google übernahm die Funktion der schnellen Informationssuche, während Google Maps die lokale Suche um Karten, Navigation, Öffnungszeiten, Fotos und Nutzerbewertungen ergänzte. Dadurch verlagerte sich die Aufmerksamkeit von gedruckten Verzeichnissen auf digitale Plattformen. Viele traditionelle Anbieter bestehen zwar weiterhin, haben sich jedoch von gedruckten Telefonbüchern zu Online-Portalen und Apps entwickelt. Heute dienen sie vor allem als digitale Branchenverzeichnisse und ergänzende Informationsquellen, während Google und insbesondere Google Maps die zentrale Rolle bei der lokalen Suche übernommen haben.
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