Bauindustrie Hessen: "Wir brauchen dringend Investitionsanreize!“
Im Bereich des Neubaus wurden von Januar bis einschließlich Juni 2023 insgesamt 8 020 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt. Das waren 29,0 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2022. Von Januar bis Mai wurden preisbereinigt 25,6 Prozent weniger Aufträge vergeben. Für die ersten fünf Monate gibt es bereits einen Rückgang um 31,5 Prozent. Für das gesamte hessische Bauhauptgewerbe wurde für Januar bis Mai ein Auftragsrückgang von real 11,6 Prozent, für Mai von 10,7 Prozent gemeldet. „Zwar leben die Unternehmen heute noch von ihren Auftragsbeständen, aber spätestens im Herbst dürfte sich die Situation weiter verschärfen. „Es droht eine Rezession am Bau, und zwar nicht nur im Wohnungsbau, sondern über alle Bausparten hinweg. Auch im Bereich Infrastruktur beginnt die Fassade langsam zu bröckeln“, kommentiert Dr. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen die dramatische Lage.
Immer mehr Mitgliedsunternehmen berichten jedoch von rückläufigen Auftragszahlen und davon, dass Vorhaben geschoben werden. Während andere Industrien vielfältige Unterstützung erwarten dürfen, werden im Infrastrukturbereich Investitionsmittel nicht in ausreichendem Maße bereitgestellt. Und im Wohnungsbau werden die Hemmnisse sogar weiter erhöht. Die Probleme am Bau werden mittelfristig zur Krise der gesamten hessischen Wirtschaft führen. Von enormer Bedeutung ist daher, dass die Politik, und zwar auf allen Ebenen, die Wirklichkeit erkennt und sofort Anreize für Investitionen schafft! Das Bauen muss für Investoren wieder attraktiver werden! Denkbar ist etwa die Einführung einer degressiven Abschreibung für Wohngebäude, was zumindest einen kurzfristigen Investitionsanreiz für Bauherren bieten könnte. Die Anwendungsfälle für Sonderabschreibung im Mietwohnungsneubau sollte erweitert, das Zinsverbilligungsprogramms der Kreditanstalt für Wiederaufbau sollte ausgebaut werden. Auch eine Investitionszulage für öffentliche und private Wohnungsgesellschaften wäre hilfreich. Und vor allem: die Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen dringend beschleunigt werden.
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