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Letzte Aktualisierung: 26.11.2022

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Bären, Bullen, Tulpen & Frankfurt – die Geschichte der Börse

von Bernd Bauschmann

(16.11.2022) Es erscheint für uns heute selbstverständlich, dass wir online rund um die Uhr Wertpapiere kaufen und verkaufen können. Aber das war natürlich nicht immer so. Erst nach und nach hat sich der Börsenhandel zu dem entwickelt, was er heute ist. Dabei mussten so manche Hürden genommen und Rückschläge verkraftet werden.

Foto: Pixabay / Brigitte Werner
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In diesem Artikel erzählen wir eine kleine Geschichte der Börse, in der auch Frankfurt eine wichtige Rolle spielt.

Was ist eine Börse?
Eine Börse ermöglicht Börsenmaklern den Handel mit Devisen, Rohstoffen, Unternehmensaktien und anderen Wertpapieren. Sie hilft also Unternehmen bei der Beschaffung von Kapital durch die Ausgabe von Aktienanteilen, die an Anleger verkauft werden.

Heutzutage können auch Privatleute an der Börse handeln – Interessierte können unter anderem hier einfach Trading lernen.

Meilensteine des Aktienhandels
Ende des 15. Jahrhunderts wurde Antwerpen zum Zentrum der internationalen Handelswelt. Kaufleute kauften Waren in der Erwartung, dass die Preise steigen werden, um einen Gewinn zu erzielen. Auch mit ersten Anleihen wird bereits gehandelt. Bis zur Ausgabe der ersten Aktie sollte es aber noch einige Jahrzehnte dauern.

Die frühen Anfänge des Aktienhandels
Die erste moderne Börse wurde 1611 in Amsterdam gegründet. Ein Jahr später wurden hier auch die ersten Wertpapiere gehandelt – die Dutch East India Company (VOC) wurde zum ersten börsennotierten Unternehmen. Viele Jahre lang war sie das einzige Unternehmen, das an der Börse tätig war.

In New York City schloss Ende des 18. Jahrhunderts eine kleine Gruppe von Kaufleuten das Buttonwood Tree Agreement ab. Die Männer trafen sich täglich, um Aktien und Anleihen zu kaufen und zu verkaufen. Daraus ging schließlich die New Yorker Börse hervor.

Krisen und Neustarts
Die niederländische Tulpenmanie gilt als eine der berühmtesten Spekulationsblasen und Zusammenbrüche überhaupt. Sie ereignete sich Anfang bis Mitte des 17. Jahrhunderts, als Spekulationen den Wert von Tulpenzwiebeln ins Unermessliche trieben. Zum Höhepunkt des Marktes wurden die seltensten Tulpenzwiebeln für das Sechsfache des Jahreseinkommens einer Durchschnittsperson gehandelt, bis der Markt 1637 von einem Tag auf den anderen zusammenbrach.

Gegen Ende der Goldenen Zwanziger stürzte der US-Aktienmarkt 1929 ab, als Spekulanten mit Hebelwirkung auf den Aktienmarkt setzen und die Kurse in die Höhe trieben. Dieser sogenannte Schwarze Freitag, der auf den Zusammenbruch der Londoner Börse im September folgte, signalisierte den Beginn der Weltwirtschaftskrise.

Der Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers war der Höhepunkt der Hypothekenkrise 2008. Auch der Aktienmarkt brach nach dem Boom und dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes zusammen mit der Verbreitung von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren im Finanzsektor ein. Es folgte eine globale Finanzkrise, die zahlreiche Gegenmaßnahmen erforderte.

Aktienhandel in Deutschland
Die Hamburger Börse – auch Hanseatische Wertpapierbörse genannt – ist die älteste der noch aktiven Wertpapierbörsen in Deutschland. Sie wurde im Jahr 1558 gegründet und ist damit knapp drei Jahrzehnte älter als die heute deutlich bedeutendere Frankfurter Börse.

Einen Boom erlebte der Handel mit Aktien Mitte der 1990er-Jahre durch den Börsengang der Deutschen Telekom AG. Nie zuvor haben sich so viele Privatanleger für Aktien interessiert. Neben der sogenannten T-Aktie war der Medienkonzern EM.TV der Shooting-Star der deutschen Börsenszene. Diese Ära ging mit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 zu Ende.

Die Frankfurter Börse
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte Frankfurt großen Wohlstand erlangt und konnte sich damals bereits als Zentrum des Bankenwesens etablieren. Um den Handel in einheitliche Bahnen zu lenken, wurde die Frankfurter Wertpapierbörse 1585 gegründet. Heute ist sie der zwölftgrößte Handelsplatz der Welt für Wertpapiere. Mit einem Umsatzanteil von rund 90 Prozent ist sie die mit Abstand größte der sieben deutschen Wertpapierbörsen.

Fazit – Geschichte des Börsenhandels
Es hat Jahrhunderte gedauert, bis der heute bekannte Aktienmarkt entstanden ist. Mittlerweile können sowohl professionelle als auch private Anleger unkompliziert über einen Börsenmakler Anteile an Unternehmen kaufen. Gleichzeitig entwickeln sich Börsen ständig weiter. In den vergangenen Jahren sind neue Anlageformen wie Kryptowährungen entstanden.