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Letzte Aktualisierung: 18.02.2020

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Bürgermeister Becker: ‚Erinnerungskultur ist Teil unserer gesellschaftlichen Identität‘

von Ilse Romahn

(28.01.2020) Am Montag, 27. Januar, jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal. Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker betont aus diesem Anlass die besondere Bedeutung der Erinnerungskultur:

„Schon die Bilder, die Erzählungen und Berichte über die Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus übersteigen das, was man sich als Mensch vorstellen kann, was viele ertragen können. Heute daran zu erinnern, dass Menschen dies angetan wurde, dass sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden erst entrechtet und dann bestialisch ermordet wurden, ist das Mindeste, was wir den Opfern und ihren Angehörigen schuldig sind. Unsere Erinnerungskultur ist Teil unserer gesellschaftlichen Identität.“

Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen im Jahr 2005 erklärt.

Bürgermeister Becker nimmt am 27. Januar an einigen der zahlreichen Gedenkveranstaltungen teil, unter anderem an der Erinnerungsstätte der Europäischen Zentralbank, in der Frankfurter Paulskirche sowie bei der Veranstaltung der Internationalen Zionistischen Frauenorganisation WIZO.

„Die Erinnerung sind wir den Opfern des Holocaust schuldig, ein Gedenken, aus dem jedoch unsere Verantwortung dafür erwächst, dass sich derartiges nie mehr wiederholen darf. Auschwitz steht für eine entmenschlichte Maschinerie des staatlich organisierten, industriellen Massenmordes, dem Millionen von Menschen auf grauenhafteste Weise zum Opfer gefallen sind. Der Holocaust ist auch in Frankfurt nicht über die Menschen hereingebrochen, sondern er wurde von Frankfurtern an Frankfurtern verbrochen und er war nur deshalb in solch schrecklicher Kaltblütigkeit möglich, weil zu viele mitgemacht und zu viele weggesehen haben“, betont Becker.

„75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz müssen wir in Europa wie auch bei uns in Deutschland wieder eine Zunahme des Judenhasses feststellen. Dem aus unterschiedlichen Richtungen betriebenen Judenhass wird viel zu halbherzig begegnet. Unsere Gesellschaft ist zu träge und hat sich an zu vielen Stellen bereits wieder an antisemitische Stereotype gewöhnt. Jene, die Judenhass verbreiten, sind in den letzten Jahren lauter und aggressiver geworden, deshalb müssen wir als Gesellschaft auch lauter und konsequenter im Kampf gegen Judenfeindlichkeit werden. Nicht an den Rändern, sondern in der Mitte unserer Gesellschaft wird die Frage beantwortet, welches Land wir morgen haben. Kränze vergehen, aber mit ihnen darf unser Engagement für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus nicht schwinden, es ist mehr denn je gefragt, gerade hier in unserer vom Wirken jüdischer Familien so stark geprägten Stadt Frankfurt am Main“, ergänzt Becker. (ffm)