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Letzte Aktualisierung: 10.12.2019

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Autos unter die Erde

Goethe-Uni präsentiert Forschungsergebnisse vor CDU-Fachausschuss

von Norbert Dörholt

(26.11.2019) Die Arbeitsgruppe Mobilitätsforschung der Goethe-Universität hat am 15. November auf Einladung des CDU-Fachausschusses Verkehr neue Befragungsergebnisse zum Thema Quartiersentwicklung und Mobilität vorgestellt. Initiiert wurde die Präsentation durch die Vorsitzenden der CDU-Fraktionen aus dem Ortsbeirat 3 (Nordend), Claudia Ehrhardt, und dem Ortsbeirat 4 (Bornheim und Ostend), Bodo Pfaff-Greiffenhagen.

Die wissenschaftliche Befragung des Frankfurter Professors Dr. Martin Lanzendorf und seiner Mitarbeiterin Franziska Kirschner thematisierte das städtische Parkraummanagement in Zusammenhang mit der Fahrradinfrastruktur, Sharing-Angeboten und dem Öffentlichen Personennahverkehr. Die Befragung von zufällig ausgewählten Haushalten in einem Bornheimer Quartier erfolgte im Rahmen eines groß angelegten Verbundprojekts, das sich mit Strategien zur Zukunft urbaner Mobilität befasst. Hierbei arbeiten Wissenschaftler, Planungsbüros sowie Städteplaner aus Frankfurt und Darmstadt zusammen, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter der Förderlinie „Umsetzung der Leitinitiative Zukunftsstadt“.

Frank Nagel, Vorsitzender des Fachausschusses Verkehr der CDU-Frankfurt, verweist auf die Bereitschaft vieler Befragter für neue Maßnahmen: „Das Auto ist weiterhin in vielen Situationen nicht ersetzbar. Aber die Wahrnehmung des Autos verändert sich. Auch in Haushalten mit einem oder mehreren Autos stimmen die Befragten einem veränderten Parkraummanagement zu. Und das wollen wir im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern angehen.“

„Oberirdisch Platz schaffen für mehr Aufenthaltsqualität, dafür Autos unter die Erde und zwar ziemlich schnell“, skizziert Claudia Ehrhardt die CDU-Position und ergänzt, dass dies auch im Koalitionsvertrag vereinbart sei. Das Verkehrsdezernat habe hierzu auch bereits im November letzten Jahres eine Ausschreibung für verschiedene Standorte in Frankfurt in Auftrag gegeben.

Aus Sicht des Fachausschusses ist es spannend, dass die Zustimmung zur Umwandlung von Parkraum allgemein recht groß ist. Dies gilt bei rund 40 Prozent der Befragten, die in Haushalten ohne Pkw leben. Dies gilt aber auch bei den Befragten aus Haushalten mit einem oder mehreren Pkw. So stimmen der Errichtung einer Fußgängerzone zwischen den U-Bahn-Stationen „Bornheim Mitte“ und „Höhenstraße“ 80 Prozent der Befragten „ohne Pkw“ und 69 Prozent der Befragten „mit Pkw“ zu. „Die Belange der Gewerbetreibenden auf der Berger Straße müssen wir aber im Blick behalten“, kommentiert Frank Nagel diese Idee.

Quartiersentwicklung und Mobilität, das interessiert die Bewohner. So ordnen die Forschenden den vergleichsweise hohen Rücklauf von 34 Prozent der ausgeteilten Fragebögen (1.027 von 3.000 wurden zurückgeschickt) ein. Zum Ergebnis gehöre auch der Befund, dass beide Gruppen die Umwandlung von Parkraum zugunsten neuer Möglichkeiten für andere Verkehrsmittel und Nutzer besonders dann befürworten, wenn diese dazu beitragen, die Attraktivität und Lebensqualität im Quartier zu erhöhen.

57 Prozent der Befragten „ohne Pkw“ finden, es sei nicht Aufgabe der Stadt, weitgehend kostenfreie Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Dem stimmen auch 33 Prozent der Befragten „mit Pkw“ zu. Dass alle Parkplätze in Bornheim gebührenpflichtig sein sollten, finden 50 Prozent der Befragten „ohne Pkw“ richtig, aber auch 22 Prozent der Befragten „mit Pkw“. Der Errichtung wettergeschützter Fahrradstellplätze in Bornheim stimmen die Befragten mit 79 Prozenbt (ohne Pkw) bzw. 73 Prozent (mit Pkw) zu. Der Errichtung weiterer Quartiersgaragen in Bornheim stimmen sogar beide Gruppen zu je rund 90 Prozent zu.

„Diese breite Zustimmung für Quartiersgaragen, über alle Interessengruppen hinweg, muss auf jeden Fall ihren Widerhall in den mittelfristigen Politikzielen finden“, sagte der Fraktionsvorsitzende der CDU im Ortsbeirat 4, Bodo Pfaff-Greiffenhagen. „Man scheint doch weit offener für die Umgestaltung von Parkraum zu sein, als oftmals aus der Politik und aus planungspraktischer Sicht angenommen wird“, fasste Frank Nagel, Vorsitzender des Fachausschusses Verkehr, seinen Eindruck zusammen.