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Letzte Aktualisierung: 08.02.2023

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Ausstellungsvorschau 2023 im Städel

von Karl-Heinz Stier

(02.12.2022) Das Jahr beginnt mit Italien vor Augen – einer Schau mit frühen Meisterwerken der Italien-Fotografie. Auf dem Canal Grande schippernde Gondolieri, der schiefe Turm von Pisa oder die Altertümer Roms: Zahlreiche Fotografien von Giorgio Sommer, dem Unternehmen der Gebrüder Alinari, von Carlo Naya oder auch von Robert Macpherson prägten das Bild von Italien als Sehnsuchtsort.

Philipp Fürhofer : Ersatzwelt 2022. Öl, Acryl und Buntstifte auf Scrylglas
Foto: Foto: Henning Moser
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Das Städel Museum präsentiert vom 23. Februar bis 3. September mit 90 Werken eine Auswahl der frühen Italienfotografie von 1850 bis 1880 aus der eigenen Sammlung.

An der Schnittstelle von Installation und Malerei bewegen sich die Arbeiten des Künstlers Philipp Fürhofer. In seinen Leuchtkästen offenbart sich unter aufgeplatzten Schichten von Malerei die Frage nach der existenziellen, wechselseitigen Beeinflussung von Mensch und Natur, einer kapitalistischen Zivilisation und der stetigen Zerstörung ihres eigenen Lebensraums. Das Zentrum der Einzelausstellung vom 13. Mai bis 8. Oktober bildet eine wandfüllende raumspezifische Arbeit, in der Fürhofer einen Dialog mit den architektonischen wie künstlerischen Elementen des Raumes eingeht.

Ist es Malerei, ist es Skulptur? Kein anderes künstlerisches Medium sprengt die Grenzen unseres Sehens wie das Relief. Es ist diese Unbestimmtheit, die es für die berühmtesten Künstlerinnen und Künstler seit jeher so reizvoll macht. Mit Herausragend! Das Relief von Rodin bis Picasso präsentiert das Städel Museum vom 24. Mai bis 17. September eine große Überblicksausstellung über die Möglichkeiten des Reliefs. Gezeigt werden im wahrsten Sinne des Wortes herausragende Arbeiten aus rund 150 Jahren von Künstlerinnen und Künstlern wie Bertel Thorvaldsen, Jules Dalou, Auguste Rodin, Medardo Rosso, Paul Gauguin, Henri Matisse, Pablo Picasso und Alexander Archipenko sowie Hans Arp, Kurt Schwitters, Sophie Taeuber-Arp, Yves Klein, Louise Nevelson oder Lee Bontecou.

Der Schweizer Künstler Ugo Rondinone verwandelt im Sommer 2023 den markanten Hügel des Städel Gartens in eine sonderbare Landschaft. In der Werkgruppe Sunrise. East ordnet Rondinone jedem Monat einen Kopf mit charakteristischen und gleichsam stark reduzierten Gesichtszügen zu. Überlebensgroß und in silbern glänzendem Aluminium gefasst sind die klobigen Skulpturenköpfe auf ihre Mimik reduziert. Sie lösen die unterschiedlichsten Assoziationen aus, lassen an rituelle Masken und Geister, aber auch an die Bildsprache von Comics, Emoticons oder Memes denken.

Intime, vorrangig kleinformatige und der Zeit scheinbar entrückte Gemälde zeichnen das Schaffen des rumänischen Künstlers Victor Man aus. Subtile Einflüsse der Vorrenaissance, aber auch Anklänge an den Symbolismus scheinen in seiner melancholischen Bildwelt auf. Inmitten der Sammlung Alte Meister des Städel Museums sind vom 14. Oktober 2023 bis 4. Februar 2024 Selbstbildnisse und Porträts des Künstlers zu sehen.

Die Maler Hans Holbein der Ältere und Hans Burgkmair der Ältere gelten neben Albrecht Dürer als Wegbereiter einer neuen Kunst: der Malerei der Renaissance. Das Zentrum dieser Kunst ist die Reichs- und Handelsmetropole Augsburg, die sich in nur wenigen Jahrzehnten zur Hauptstadt einer deutschen und zugleich internationalen Renaissance entwickelte. Das Städel Museum widmet dieser Zeitenwende in der Geschichte der Kunst vom 2. November 2023 bis 18. Februar 2024 eine große Sonderausstellung. Diesseits. Renaissance im Norden führt erstmals eine bedeutende Anzahl der wichtigsten Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken von Hans Holbein d. Ä. und Hans Burgkmair d. Ä. in einer Ausstellung zusammen. Ergänzt werden sie um Arbeiten weiterer Augsburger Künstler aus der Zeit von ca. 1480/90 bis etwa 1530 sowie um ausgewählte deutsche, italienische und niederländische Kunstwerke u. a. von Albrecht Dürer, Andrea Solario oder Hugo van der Goes, die entweder für städtische Auftraggeber entstanden oder aber das Schaffen von Holbein und Burgkmair vorbildhaft prägten.

Der rumänisch-deutsche Künstler Miron Schmückle gehört zu den singulären Protagonisten der Gegenwartskunst. Aufgewachsen in Rumänien unter Ceausescu, träumte sich der Künstler bereits als Kind in andere Welten, die durch den Eisernen Vorhang jedoch für immer unerreichbar schienen. Die früh einsetzende Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte einerseits wie mit der Flora und Fauna ferner Länder andererseits mündete in einem einzigartig kohärenten künstlerischen Werk. Das Städel Museum präsentiert ab November 2023 seinen einzigartigen Bilderkosmos.