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Letzte Aktualisierung: 18.05.2022

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Ausflug in den Jura – Wasserfälle, Seen, weite Landschaften und Holunderkonfitüre

von Helmut Poppe

(29.04.2022) Eine Abwechslung zu den Vogesen, zu dem für Frankfurter ziemlich nahen Elsass oder der Westschweiz bietet das Département Jura mit dem gleichnamigen Gebirgsmassiv.

Bildergalerie
Lac de Vouglans
Foto: Wikipedia / Parrad.Adrien
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La ferme du bois joli
Foto: Poppe, frankfurtlive
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Les cascades du hérisson
Foto: Poppe, frankfurtlive
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Biegt man von der A 36 Richtung Süden gegen Osten ab und wählt man hierfür eine späte Stunde, fühlt man sich leicht versetzt in einen Roman von Stephen King: die Straßen, obwohl gut ausgebaut, führen in immer unbewohntere Landschaften, Häuser tauchen nicht mehr auf, die Landschaft ist nach einer ersten Steigung flach und gleichförmig. Ganz selten kommt man durch einen kleinen Weiler in dem schätzungsweise – und wenn überhaupt – dreißig Menschen wohnen mögen.

Was bringt einen Ballungsraummenschen dazu, solch eine ausgesprochen ruhige, fast schon monoton wirkende Gegend zu besuchen? Die Weite ist es und seltene Naturschauspiele.

Der Jura zählt zu einer der dünnbesiedelten Regionen in Westeuropa, auf den Quadratkilometer kommen 52 Einwohner, im Gegenzug rangiert das Departement zu den Gegenden in Frankreich mit dem geringsten Arbeitslosenanteil. Die Branchen, die hierfür sorgen lauten Tourismus, Feinmechanik und Milchwirtschaft, nicht umsonst kommt der berühmte Morbierkäse aus der Gegend. Herausragende Anziehungspunkte für Reisende sind die Salinen von Salins les Bains, zahlreiche Seen und die archäologischen Pfahlbaustätten von Clairvaux et Chalain.

Aufs Geradewohl abgereist und mithilfe eines der bekannten Unterbringungsportale im Web stießen wir auf die Ferme du Bos Joli, was soviel bedeutet wie ‚Der Hof im schönen Wald‘. Den Wald erblickt man in weiter Ferne, das Gebäude entspricht von außen der im allgemeinen eher schmucklosen Gebäudearchitektur der Region, die ausgeprägt wurde von dem rauhen Klima im Winter auf dem Hochplateau und vielleicht auch von der Nähe zur calvinistischen Schweiz. Das Haus des Betreibers wurde nach sage und schreibe hundert Jahren Leerstand mit eigenen Händen umgebaut und auf den Stand der heutigen Zeit gebracht. Die Zimmer sind funktional ausgestattet, haben hochmoderne Badezimmer, WLAN und das alles in einem Dekor mit dem im Ursprung belassenen offenen Balken und Holzgemäuer. Hier lässt es sich gut schlafen.

Das Frühstück teilt man sich mit den anderen Gästen an einem langen Tisch, und so lassen sich rasch Kontakte knüpfen, wobei erstaunlich ist, wie viele des Deutschen mächtig sind.

Zum Frühstück gab es nichts Standardisiertes sondern zum knusprigen Baguette, Joghurt vom Bauern nebenan, Schinken und selbst gemachte Holunderkonfitüre (confiture de sureau). Die jungen Gastgeber – stolze Eltern von vier Kindern – sind um das Wohl ihrer Gäste in sympathischer Weise bemüht. Entspannt kann der Chef auch sein, denn Hopfen und Malz sollen ja auch eine beruhigende Wirkung haben. Als Braumeister seiner eigenen Bierkreationen nennt er diese „Bières du hérisson“, den Igel hat er sich bei der Namensfindung abgeschaut von den naheliegenden Wasserfällen mit dem gleichen Namen „Les cascades du hérisson“. Angeblich sind sie höher als die Niagarafälle, ein sehenswertes Schauspiel sind sie allemal wie auf der hier beigefügten Bildergalerie ersichtlich.

Empfehlenswert ist der Jura also insgesamt für Menschen, die eine touristische Abwechslung in der Dreifalt Ruhe, Weite und Natur suchen. Im Winter lässt es sich hier gut skilanglaufen. Im Sommer bieten sich die kühlen Seen an. Im Herbst und Frühjahr haben die Wanderer ihren Spaß. Die Entfernung von Frankfurt beträgt ca. 450 Kilometer, die Gegend ist auch als Zwischenstopp geeignet auf oder vom Weg zum Mittelmeer.

Ort: 1 Rue du Bois Joli, 39130 Marigny, France, Telefon: 0033 6 03 30 72 25

Übernachtungskosten für 2 Personen inkl. Frühstück: 84 €.