Aus der Zeit gefallen?
Ein bemerkenswertes Buch wider den Zeitgeist
Foto: Umschlaggestaltung: Sibylle Schug, Umschlagmotive: oben privat, unten IMAGO/Eibner Europa
Nicht irgendeines natürlich, nein, ein ganz besonderes, das Freude bereitet, oder auch Ärger hochkochen lässt, jedenfalls sich emotional wunderbar in die weihnachtliche Welt der Gefühle fügt. Neugierig geworden? Lüften wir also das Geheimnis. „Aus der Zeit gefallen?“ lautet der originelle Titel des hier angepriesenen Buches. Da hatte nämlich jemand die wahrlich gute Idee, die beherrschenden Themen dieser Zeit aus der Sicht von drei Generationen kommentieren zu lassen. Die Themen sind die fragwürdige Klima- und Energiepolitik, die regulierungswütige Europäische Union, die Flüchtlings- und Migrationsproblematik sowie die verbissene Political Correctness mit Genderzwang.
Die drei Autoren sind hochkarätig: Der bewunderungswürdige Jürgen Großmann (Baujahr 1952), vormals neben tausend wichtigen anderen Funktionen auch Vorstandsvorsitzender der RWE AG, ferner der promovierte Orthopäde Dominik Pförringer, geboren 1980, und, keineswegs Quotenfrau, sondern ein Gewinn für die ganze Gesellschaft, der Embryo unter den Dreien mit dem Geburtstag 1998, ist Franca Bauernfeind, die derzeit an der Universität Erfurt im Masterstudiengang Staatswissenschaften studiert. Vielen ist sie trotz ihrer jungen Jahre bereits bestens bekannt: Die begeisterte Leistungsschwimmerin, Geigerin und Chorsängerin ist Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung, engagiert sich in verschiedenen Hochschulgremien und ist publizistisch tätig. Bundesweit bekannt wurde Franca Bauernfeind als Bundesvorsitzende des Rings Christlich-Demokratischer Studenten RCDS und Mitglied im CDU-Bundesvorstand.
Diese drei Generationen also fühlen sich momentan „aus der Zeit gefallen“ – und empfinden dies als durchaus positiv. Sie stellen sich gemeinsam und jeder für sich den oben genannten beherrschenden Themen mit Scharfsinn, gesundem Menschenverstand sehr, sehr viel Wissen und, ganz wichtig, auch mit Humor, was das Lesen vergnüglicher macht. Sie schreiben keineswegs mit Schaum vor dem Mund, was man ihnen, falls es so wäre, auch nicht verdenken könnte. Nein. Sie bewahren stets Augenmaß und haben selbst bei intensiver Beleuchtung mannigfaltiger Missstände nie den Glauben an den Standort Deutschland in einem starken Europa verloren. „Im Gegenteil“, kann man schon auf dem Buchrücken lesen, „für dieses, unser Land lohnt es sich zu kämpfen, zu streiten und zu arbeiten, physisch wie geistig. Seien wir also unerschrocken, sprechen wir unsere eigene Interpretation des Zeitgeistes und unsere Meinung aus, seien wir klar und deutlich.“
Das sind sie in der Tat. Es fällt schwer, eine Lesepause zu finden, wenn man einmal angefangen hat, sich über die 317 Seiten herzumachen. Genauso wie der Autor dieses Beitrags damit hadert, sich bei der Vorstellung gerade dieses Buches zeilenmäßig bescheiden zu müssen, denn wenn der Text zu lang wird, liest ihn keiner mehr. Er wird deshalb in den nächsten Wochen immer wieder einmal einen Auszug veröffentlichen, der dann leichter zu verdauen sein wird als ein literarisches Festmenü mit 14 Gängen.
Ach ja, es gibt auch ein Vorwort, geschrieben von Harald Schmidt. Es beginnt mit den Worten: „Leck mich, so ein Vorwort macht ganz schön viel Arbeit! Dieser rustikale Einstieg muss erlaubt sein. Schließlich geht es darum, die schweigende Mehrheit zurück zwischen die Buchdeckel zu holen. In Zeiten, in denen sich auch Spitzenpolitiker sprachlich der Proktologie öffnen, kann klare Kante nur in brutalstmöglicher Lautstärke auf den Gemeinplätzen der Republik gezeigt werden. Genau mein Ding.“
Also denn, geneigte Leser, Weihnachten ist gerettet.
(„Aus der Zeit gefallen? Drei Generationen wider den Zeitgeist“, Autoren: Jürgen Grossmann, Dominik Pförringer, Franca Bauernfeind, erschienen im Langen Müller Verlag GmbH LMV München, ISBN 978-3-7844-3995-1, www.langenmueller.de, 25 Euro)
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