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Letzte Aktualisierung: 05.08.2020

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Arbeitsmarkt im Juli / Arbeitslosigkeit steigt weniger deutlich an

Arbeitslosenquote bei 5,9 Prozent

von Ilse Romahn

(30.07.2020) „Im Juli zeichnete sich insgesamt eine gewisse Entspannung hinsichtlich der Folgen der Corona-Pandemie auch am hessischen Arbeitsmarkt ab, die Krise bleibt jedoch in ihrem Ausmaß weiterhin präsent“, so Dr. Bettina Wolf, Geschäftsführerin operativ der Regionaldirektion Hessen.

Insgesamt waren im Juli 2020 in Hessen 204.241 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren rund 7.100 mehr als im Vormonat und 51.097 mehr als im Juli 2019. Die Rekordwerte aus der Finanzkrise 2009/2010 werden bislang noch nicht erreicht. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 5,9 Prozent und lag somit 1,4 Prozentpunkte höher als im Juli 2019. 

Entwicklung Kurzarbeit: Deutlicher Rückgang an Neuanzeigen
Die Zahl der neuen Anzeigen auf Kurzarbeit hat sich im Juli nach dem historischen Hoch im April wieder auf niedrigerem Niveau stabilisiert. Für den Zeitraum März bis Juli waren bei den hessischen Arbeitsagenturen insgesamt rund 64.500 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen. Angezeigt wurde Kurzarbeit für knapp 874.000 potentiell betroffene Personen. 

„Die Anzahl der Neuanzeigen ist mit knapp über 1.000 zwar deutlich zurückgegangen. Die Zahl der Betriebe, die nach einer Anzeige tatsächlich abrechnen, ist jedoch mit 82 Prozent unverändert hoch“, erklärt Bettina Wolf. „Das zeigt, dass Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit zur Vermeidung von Entlassungen weiterhin stark in Anspruch nehmen. Im April, dem Monat der Hochphase, haben wir für mehr als 500.000 Beschäftigte in hessischen Betrieben Kurzarbeitergeld ausgezahlt.“ 

Arbeitslosigkeit in Hessen: Negative Effekte verlieren an Intensität
Im Juli waren in Hessen 204.241 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betrifft alle Personengruppen. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung fällt der Anstieg mit +62 Prozent zum Vorjahr am stärksten aus. Entlassungen erfolgten im Juli insbesondere auch von qualifizierten Mitarbeitern auf Fachkräfteniveau. 

In der Grundsicherung fällt der Anstieg mit rund 17 Prozent deutlich moderater aus. Rückläufig ist insbesondere die Zahl der Personen, die Grundsicherung unter den erleichterten Voraussetzungen im Rahmen der aktuellen Krise bezogen haben. Insgesamt zählten im Berichtsmonat 45 Prozent (91.359 Personen) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und 55 Prozent (112.882) zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung). Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im Juli 2020 auf 254.738 Personen. Das waren 39.994 mehr (+18,6 Prozent) als vor einem Jahr. 

Offene Arbeitsstellen: Leichtem Zuwachs gemeldeter Stellen stehen Stellenstornierungen gegenüber
Im aktuellen Monat meldeten hessische Arbeitgeber rund 9.000 offene Stellen. Im Vergleich zum Vormonat zieht die Zahl der Stellenmeldungen somit um rund 10 Prozent an. Das Meldeverhalten vor der Corona-Krise wird aktuell jedoch nicht erreicht. Gleichzeitig liegt die Zahl an stornierten Stellen vergleichsweise hoch: Aktuell wird jede vierte von zehn gemeldeten Stellen durch die Unternehmen storniert. Der Bestand an offenen Arbeitsstellen, die bei den hessischen Agenturen gemeldet sind, sinkt auf 38.186 (-32,3 Prozent) zum Vorjahr. Die meisten offenen Stellen gibt es derzeit in den Bereichen Verkehr/Logistik, Verkauf, medizinische Gesundheitsberufe, Mechatronik/Energie/Elektro sowie Fahrzeugführung. 

„Bei knapp 60 Prozent der gemeldeten Arbeitsstellen suchen die hessischen Unternehmen Arbeitnehmer auf Fachkräfteniveau“, so Bettina Wolf. „Aktuell stehen die Chancen für die Betriebe gut, Mitarbeitende zu finden, die dem gesuchten Qualifikationsniveau entsprechen. Denn die Situation zeigt auch, dass Fachkräfte weiterhin stark nachgefragt werden und eine abgeschlossene Ausbildung die Beschäftigungschancen erheblich erhöht. Aus diesem Grund setzen auch in diesem Jahr die hessischen Agenturen und Jobcenter ihren Qualifizierungsschwerpunkt auf Maßnahmen, die auf den Erwerb eines Berufsabschlusses abzielen.“ Frau Dr. Wolf betont: „Wer einen Berufsabschluss nachholen möchte, hat jetzt die beste Gelegenheit dazu. Bis zum Weiterbildungsbeginn, klassischerweise im Herbst, beraten die Agenturen und Jobcenter jeden Interessierten gern umfassend dazu.“ 

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Beschäftigungswachstum erstmals unterbrochen
Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen belief sich im Monat Mai auf 2.626.000 und lag somit mit 0,3 Prozent oder 8.000 Personen unter dem Vormonat. Damit wurde das Beschäftigungswachstum erstmals seit Februar 2010 unterbrochen. Der coronabedingte Beschäftigungsverlust in Hessen summiert sich im Zeitraum März bis Mai 2020 auf rund 37.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Mit erheblichen Rückgängen fallen insbesondere das verarbeitende Gewerbe (-3,0 Prozent), die Arbeitnehmerüberlassung (-17,4 Prozent) und das Gastgewerbe (-7,7 Prozent) auf. Im Mai waren erstmals auch weniger Kulturschaffende und Mitarbeitende im Bereich privater Dienstleistungen (-0,8 Prozent) sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 

Entwicklung in den Regionen: 11 Kreise weiter unter 5-Prozent-Marke
Aktuell weisen 11 der 26 hessischen Kreise eine Arbeitslosenquote von unter 5,0 Prozent auf. Der Landkreis Fulda liegt mit einer Quote von 3,8 Prozent im Vergleich am niedrigsten. Unter der Fünf-Prozent-Marke lagen ebenfalls die Landkreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Marburg-Biedenkopf, Vogelsberg, Wetterau, Main-Taunus, Rheingau-Taunus und der Kreis Bergstraße. Zwischen 5,1 und 6 Prozent liegen die Kreise Hochtaunus, Werra-Meißner, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Main-Kinzig, Odenwald, die Kreise Darmstadt-Dieburg und Offenbach. Die höchsten Quoten weisen die Städte Offenbach (10,7 Prozent), Wiesbaden (8,1 Prozent), Frankfurt (7,5 Prozent), Darmstadt (6,8 Prozent) und die Kreise Groß-Gerau (6,6 Prozent) und Gießen (6,4 Prozent) auf. 

Ausbildungsmarkt: “Auf die Zukunft setzen heißt, jetzt eine Ausbildung zu machen.“
Von Oktober 2019 bis Juli 2020 meldeten sich 36.125 Bewerberinnen und Bewerber bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern. Das sind 3.061 Bewerber weniger (-7,8 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Im gleichen Zeitraum meldeten hessische Betriebe 33.268 Ausbildungsstellen, 3.143 (-8,6 Prozent) weniger als noch im Juli 2019. 

„Obwohl wir unsere Dienstleistungen in der Berufsberatung aktuell ganz überwiegend telefonisch und online anbieten, stellen wir fest, dass unser Angebot gerade von jungen Menschen sehr gut angenommen wird. So können wir sagen, dass sich im aktuellen Monat noch über 1.800 junge Menschen bei den hessischen Agenturen ausbildungssuchend gemeldet haben. Das sind über 12 Prozent mehr als im Juli 2019. Auch für einen Ausbildungsbeginn in diesem Jahr ist es noch nicht zu spät“, so Bettina Wolf weiter. All denjenigen, die noch in diesem Jahr in eine Ausbildung starten wollen, rät Dr. Wolf dringend, sich bei der Berufsberatung ihrer Agentur für Arbeit zu melden: Denn rein rechnerisch sei für jeden Bewerber noch eine Ausbildungsstelle vorhanden. Viele Betriebe in Hessen bemühen sich gerade jetzt noch um passende Auszubildende. Um die Chancen zu erhöhen, ist jedoch regionale und inhaltliche Flexibilität bei der Berufswahl immer noch entscheidend.