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Letzte Aktualisierung: 17.06.2021

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Arbeitslosenquote in Frankfurt erstmals seit Mai 2020 wieder unter 7,0 Prozent

von Ilse Romahn

(02.06.2021) Die Lage auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt hat sich im Mai 2021 leicht entspannt. Dennoch wird die Gesamtsituation weiterhin von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Pandemiegeschehens dominiert. Die Arbeitslosigkeit ging den vierten Monat in Folge leicht zurück.

Die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen in Frankfurt am Main ist im Mai weiter zurückgegangen. Insgesamt waren 28.912 Menschen in Frankfurt am Main arbeitslos gemeldet, 621 weniger als im April. Das entspricht einem Rückgang um 2,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 289 Menschen weniger (-1,0 Prozent). Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent zurück und lag damit, erstmals seit Mai 2020, wieder unter der 7 Prozent Marke. Der höchste Wert wurde mit 7,7 Prozent im August 2020 erreicht.

Die bisherige Entwicklung seit Pandemiebeginn im Überblick: Nachdem die Arbeitslosenzahl mit Beginn des ersten Lockdowns fünf Monate in Folge anstieg, ging sie von September bis einschließlich Dezember 2020 wieder etwas zurück. Im Januar 2021 gab es einen erneuten, allerdings saisonbedingten Anstieg. Seit Februar 2021 nimmt die Arbeitslosigkeit wieder ab, im Mai nun den vierten Monat in Folge.  
Noch immer sind deutlich mehr Menschen in Frankfurt am Main von Arbeitslosigkeit betroffen als vor Beginn der Corona-Pandemie. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt wurden statistisch erstmals im April 2020 greifbar. Im Mai 2020 hatte sich ihr Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Frankfurt am Main bereits weiter verstärkt. Dies machte sich unter anderem in einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,6 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent bemerkbar.

Der aktuelle Vorjahresvergleich spiegelt nun nicht mehr den starken Bruch zur ursprünglich durchweg positiven Entwicklung des Frankfurter Arbeitsmarktes wieder, sondern zeigt die seit Ausbruch der Pandemie aufgetretenen Veränderungen auf.   

„Sinkende Inzidenzwerte und die damit einhergehenden Lockerungsmöglichkeiten sorgen für frischen Wind und begünstigen eine verspätete Frühjahrsbelebung auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt“, erklärt Stephanie Krömer, Leiterin der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. „Gegenüber den Anfangsmonaten der Pandemie wurden aktuell weniger Menschen neu oder erneut arbeitslos, die Gesamtzahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen ist den vierten Monat in Folge weiter zurückgegangen. Das Thema Fachkräftebedarf ist wieder stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Dies zeigt sich auch daran, dass mehr offene Stellen von Seiten der Betriebe ausgeschrieben werden. Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt ist dagegen noch von Zurückhaltung geprägt. Das Angebot an Ausbildungsstellen in Frankfurt ist etwas geringer als vor einem Jahr und es haben bis jetzt weniger junge Menschen ihr Interesse an einer Ausbildung bekundet. Für das Zukunftsthema Nachwuchskräfte werden wir deshalb alle Hebel in Bewegung setzen, um Jugendlichen ihre vielfältigen Möglichkeiten aufzuzeigen und die Betriebe weiter für Ausbildung zu gewinnen.“

Ein großer Handlungsbedarf bestehe zudem bei der Eindämmung der Langzeitarbeitslosigkeit, ergänzt Stephanie Krömer: „Nach über einem Jahr unter Pandemiebedingungen wird immer deutlicher, dass Ältere und besonders Menschen, die zum Teil durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie länger als ein Jahr keinen erneuten Zugang in den Arbeitsmarkt finden konnten, von den Folgen betroffen sind. Hier gilt es, mit gezielter Beratung sowie individuellen Fort-, Weiterbildungs- und Beschäftigungsangeboten neue Perspektiven aufzuzeigen.“ 

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat zeigt sich bei den meisten Personengruppen: Männern, Frauen, jungen Menschen unter 25 Jahren und Menschen ohne deutschen Pass. Ausnahmen bilden hingegen ab 50-Jährige sowie Menschen, die bereits ein Jahr und länger von Arbeitslosigkeit betroffenen sind und somit zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen zählen. Bei diesen beiden Personengruppen ist auch ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat erkennbar, während die Arbeitslosenzahl der anderen Gruppen wieder zurückgegangen ist. Bei den ab 50-Jährigen lag der Anstieg bei 8,5 Prozent, bei den von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen bei 64,9 Prozent.
Bei der Entwicklung der Arbeitslosenzahl seit dem Vormonat zeigen sich in den beiden Rechtskreisen deutliche Unterschiede. Während die Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung (SGB III), die in der Zuständigkeit der Agentur für Arbeit Frankfurt liegt, weiter zurückging, stieg sie in der Grundsicherung (SGB II), für die das Jobcenter Frankfurt am Main verantwortlich ist, etwas an.

Insgesamt zählten im Mai 38,2 Prozent aller Arbeitslosen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und 61,8 Prozent zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung). Im Rechtskreis SGB III waren 11.048 Menschen arbeitslos gemeldet, 760 weniger (-6,4 Prozent) als im April. Im Vergleich zum Vorjahr, als die Auswirkungen der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt bereits spürbar waren, sind aktuell 981 Menschen weniger (-8,2 Prozent) von Arbeitslosigkeit betroffen. Im Rechtskreis SGB II waren 17.864 Menschen arbeitslos gemeldet, 139 mehr (+0,8 Prozent) als im April und 692 mehr (+4,0 Prozent) als im Mai 2020. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, also Familien und Haushalte, die auf finanzielle Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, erhöhte sich im Mai um 208 auf insgesamt 37.413. Das waren 161 mehr (+0,4 Prozent) als im April 2020. 

„Die Entwicklung zeigt, dass es vielen Menschen aufgrund der aktuellen Bedingungen nicht gelingen konnte, aus der Grundsicherung heraus eine neue Beschäftigung zu finden“, sagt Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main. „Hinzu kommen die Menschen, die ihre Arbeitsstelle zu Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr verloren haben. Seit April ist auch die Zahl der Familien oder Haushalte mit geringem Einkommen, die durch das Jobcenter finanziell unterstützt werden, um fast 210 auf mehr als 37.400 angestiegen.“

Stellenmeldungen nehmen zu
Im Mai 2021 wurden bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main 1.526 neue Stellen gemeldet. Das waren fast so viele wie im April (-23 Stellen oder -1,5 Prozent) und deutlich mehr (+579 oder +61,1 Prozent) als im Mai 2020 kurz nach Beginn der Pandemie.  Mit einem Bestand von insgesamt 5.917 waren etwas mehr freie Stellen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main gemeldet als im Vormonat (+134 Stellen oder +2,3 Prozent) und weiterhin weniger als vor einem Jahr (-1.828 oder -23,6 Prozent). Die meisten offenen Stellen (Bestand) gab es für Berufe in der Informatik, Berufe in der Lagerwirtschaft, für Büro- und Sekretariatskräfte, Berufe im Objekt-, Werte- und Personenschutz, für medizinische Fachangestellte sowie Berufe in der Kinderbetreuung und -erziehung.

Frankfurter Ausbildungsmarkt: Noch immer weniger Ausbildungsstellen und weniger Ausbildungsinteressierte als im Vorjahr
Von Oktober 2020 bis einschließlich Mai 2021 haben sich bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main bisher 3.050 Bewerberinnen und Bewerber um eine Ausbildungsstelle gemeldet. Das waren 133 weniger (-4,2 Prozent) als im Vorjahreszeitraum. Im gleichen Zeitraum meldeten die Frankfurter Unternehmen 3.156 offene Ausbildungsstellen. Auch das waren weniger als im Vorjahr (-200 Ausbildungsstellen oder -6,0 Prozent). Rein rechnerisch ist dies eine Relation von 1,03 Berufsausbildungsstellen je Bewerberin und Bewerber.
Zum aktuellen Zeitpunkt sind 1.772 ausbildungsinteressierte junge Menschen noch auf der Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle, 91 weniger (-4,9 Prozent) als im Mai 2020. Dem gegenüber stehen noch 1.378 offene Ausbildungsstellen. Das sind 448 weniger (-24,5 Prozent) als im Vorjahr.

Dazu Stephanie Krömer: „Gut ausgebildete Nachwuchskräfte sind Dreh- und Angelpunkt für die zukünftige Entwicklung unseres Wirtschaftsstandorts. Meine Botschaft an alle jungen Menschen: Ihr seid wichtig! Deshalb glaubt an Eure Zukunft. Es gibt im laufenden Ausbildungsjahr noch viele Möglichkeiten, mit denen Ihr die Weichen für Eure Karriere stellen könnt.“

Aktueller Stand zum Thema Kurzarbeit in Frankfurt am Main
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sorgt das Kurzarbeitergeld dafür, dass viele Betriebe ihre Beschäftigten halten und so Jobverluste vermieden werden können. Die bisherige Entwicklung: Nach vierstelligen Spitzenwerten von Mitte März bis Mai 2020 ging die Anzahl der Unternehmen, die Kurzarbeit anzeigten, sichtbar zurück. Der zweite Lockdown ab November 2020 ließ die Anzeigen der Unternehmen, die neu oder erneut Kurzarbeit anmelden mussten, bis einschließlich Januar erneut ansteigen.  Seither sind die Anzeigen wieder rückläufig. Dies setzte sich auch im Mai weiter fort. Nach vorläufigen Erhebungen zeigten im Mai 104 Betriebe neu oder erneut Kurzarbeit an. Das waren etwas weniger als im April (120).

Wie viele Betriebe tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann rückwirkend nach drei Monaten ausgewiesen werden, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitfensters ihre Abrechnungslisten einreichen können. Aktuelle Hochrechnung für tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen nun für die Monate März 2020 bis Januar 2021 vor.

Die Entwicklung der letzten drei Monate: Demnach waren im November 4.465 Betriebe mit 86.718 Beschäftigten, im Dezember 4.839 Betriebe mit 86.287 Beschäftigten und im Januar 2021 5.021 Betriebe mit 91.719 Beschäftigten betroffen.

In welchen Wirtschaftsbereichen Kurzarbeit realisiert wurde, kann jetzt für den Monat November 2020 ausgewiesen werden. Gemessen an der Anzahl der Betriebe waren die Anteile realisierter Kurzarbeit in folgenden Branchen exemplarisch am größten: Gastronomie - 1.111 Betriebe für 9.665 Beschäftigte;
Einzelhandel - 360 Betriebe für 2.267 Beschäftigte; Verkehr und Lagerei - 447 Betriebe für 42.327 Beschäftigte; Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen - 535 Unternehmen für 5.895 Beschäftigte.